Verleihung der Ehrennadel in Gold an Dieter Michel

12. Dezember 2006
Karl Branner-Halle

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrter Herr Michel,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich begrüße Sie sehr herzlich in der Karl-Branner-Halle unseres Rathauses und heiße Sie auch im Namen des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung willkommen.

Wir haben uns heute versammelt, um mit Herrn Michel einen Bürger zu ehren, der sich über viele Jahre für Kassel eingesetzt hat.

Es ist mir eine Freude, Sie, sehr geehrter Herr Michel, für das, was Sie geleistet haben, heute mit der Goldenen Ehrennadel der Stadt Kassel auszeichnen zu können. Sie haben sich in vielfältiger Weise bürgerschaftlich betätigt und viel für Vereine und Verbände getan.

Wir haben an diesem Ort, der dem Andenken an den ehemaligen Oberbürgermeister und Ehrenbürger Karl Branner gewidmet ist, schon viele Bürgerinnen und Bürger Kassels geehrt. Darüber hinaus sind aber auch Persönlichkeiten mit der Ehrennadel gewürdigt worden, die zwar nicht in Kassel ihren ersten Wohnsitz haben, aber viel für die Stadt getan haben.

Zu denen gehört auch Dieter Michel, dem wir es heute an diesem besonderen Tag gerne nachsehen, dass er in Vellmar wohnt, Bürgermeister in Fuldatal war und in Frankfurt geboren ist. Denn Kassel hat ihm viel zu verdanken.

Ich möchte einen Kronzeugen hierfür benennen: Hans Eichel, der in der Gründungsphase des Planungszweckverbands Oberbürgermeister war. Über das Gründungsmitglied des Zweckverbands und den alternierenden Präsidenten der Verbandsversammlung Dieter Michel sagte Hans Eichel lobend:

"Dieter Michel ist ein Glücksfall für den Verband, stets auf Interessenausgleich bedacht, die besondere Situation der nordhessischen Metropole und des Oberzentrums Kassels im Auge und im Mittelpunkt die Bürgerinnen und Bürger der Verbandskommunen. Verbunden auch mit Humor und Schlagfertigkeit."

Ob Ihnen diese Schlagfertigkeit und Ihr Humor in die Wiege gelegt wurden, oder ob Ihre ersten Berührungen mit dem rheinischen Karneval abgefärbt haben, kann ich von dieser Stelle aus nicht beurteilen.

Tatsache ist, dass Sie nach Ihrer Beamtenausbildung beim Magistrat der Stadt Frankfurt – übrigens als jüngster Jahrgangsbester mit Prädikat – 1965 zum Magistrat der Stadt Hochheim am Main wechselten und dort nicht nur für die Organisation des Personalhaushalts, sondern auch die Organisation des Hochheimer Weinfestes betraut waren. Sie waren zudem Ansprechpartner für Vereine und Verbände, den Weinbauverband sowie die Karnevalsgesellschaften, und in dieser Eigenschaft fungierten Sie als Verbindungsmann zum Mainzer Karneval. Sie waren sogar Generalfeldmarschall der Mainzer Prinzengarde.

Mit Ihrem durch Beruf und Ehrenämter erworbenen Rüstzeug ging es im Jahr der Olympischen Spiele 1972 nach Fuldatal. Dort wurden Sie zum Bürgermeister gewählt und übten dieses Amt bis 1984 aus.

1984 wechselten Sie in die Versicherungswirtschaft; zunächst waren Bezirksdirektor bei der R+V-Raiffeisen- und Volksbanken Versicherungs AG, 1992 traten Sie in die Brandversicherungsanstalt und der nachfolgenden SparkassenVersicherung ein. Seit Ihrem Ausscheiden mit Vollendung des 65. Lebensjahres üben Sie Beratertätigkeiten für die SV aus. Soweit Ihr beruflicher Werdegang. Für den werden Sie nicht geehrt, aber er ist ein wichtiger Hintergrund für ihr ehrenamtliches Engagement.

Meine Damen und Herren,
als Wegbegleiter von Dieter Michel in den Vereinen und Institutionen, in denen er selbst aktiv war und ist oder für die er sich engagierte, wissen Sie am besten, was man ihm alles zu verdanken hat, was er erreicht und auf den Weg gebracht hat.

Dieter Michel ist ein gutes Beispiel für den Gemeinsinn, der in unserer Stadt – ich füge hinzu: natürlich auch in Vellmar - reichlich vorhanden ist.

Ich bin froh und stolz, dass das so ist. Wenn ich sehe, wie groß die Bereitschaft zu freiwilligem Engagement und sozialem Verantwortungsbewusstsein ist, dann mache ich mir um Kassels Zukunft keine Sorgen.

Sehr geehrter Herr Michel,
Sie haben Bürgersinn bewiesen und in verschiedensten Funktionen Verantwortung für unser Gemeinwesen getragen.

Die Liste Ihrer ehrenamtlichen Tätigkeiten ist beeindruckend. Ich nennen nur die wichtigsten:

Ich erwähnte bereits, dass Sie zu den Gründungsmitgliedern des Planungszweckverbandes Kassel gehörten; zu Ihrer Zeit ging es vor allem darum, die Rechtsgrundlagen und Aufgabenstellung für den Verband zu erarbeiten, die finanzielle Ausstattung sicherzustellen und die Verwaltungsorganisation aufzubauen.

Sie haben Engagement für die Ausbildung des Verwaltungsnachwuchses gezeigt, insbesondere bei den Inspektorenlehrgängen des Hessischen Verwaltungsschulverbandes. Ihr prominentester Schüler war übrigens Manfred Schaub, heute Bürgermeister von Baunatal.

Sie haben sich als Gebietsdirektor der Sparkassenversicherung intensiv darum bemüht, Kasseler Vereine und Verbände finanziell zu unterstützen. Initiativen der Stadt Kassel, beispielsweise die Einrichtung eines Mädchentreffs in der Kasseler Innenstadt, erhielten auf Ihre Anregung eine finanzielle Unterstützung.

Bei der Einladung an ehemalige jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger zu einem Treffen, das 2002 stattfand, beteiligte sich die Sparkassenversicherung auf Ihr Betreiben sehr großzügig. Viele weitere Vereine und Akteure konnten auf Sie bauen; ich nenne stellvertretend das Askina-Sportfest, den City-Lauf, den Weihnachtsbasar des Seniorenbeirats, TSV Wolfsanger, Fortuna Kassel, BC Sport, Hermannia und Olympia Kassel.

Um den Rettungsdienst haben Sie sich besondere Verdienste erworben. Seit 2004 sind Sie Vorsitzender des DRK-Kreisverbandes Kassel-Land e.V. und Mitglied der Gesellschafterversammlung der Rettungsdienst Kassel gGmbH.

Auch im Bereich der Feuerwehren sind Sie aktiv. Neben Ihrem Einsatz für die finanzielle Förderung des Brandschutzes nehmen Sie an Feuerwehrverbandstagen, Jubiläen und Sonderveranstaltungen der Berufsfeuerwehr und freiwilligen Feuerwehren im Stadtgebiet Kassel teil und sind dort gern gesehen – auch wegen Ihrer kurzweiligen und auflockernden Grußworte.

Seit 1972 engagieren Sie sich ehrenamtlich für das größte nordhessische Volks- und Heimatfest, den Zissel. Seit 2002 sind Sie Vizepräsident des Zisselförderkreises und seit 2005 Mitglied im Vorstand der Zisselgilde. Hier zeichnen Sie für die Seniorenarbeit verantwortlich und organisieren den Seniorennachmittag auf dem Finkenherd mit vielen hundert Besucherinnen und Besuchern.

Schließlich gehören Sie 1973 dem Rat der Ehrenritter an, seit 1993 sind Sie geschäftsführender Vorsitzender. Seit 22 Jahren leiten Sie als Sitzungspräsident die Veranstaltungen, insbesondere das Ordensfest und den karnevalistischen Galaabend mit der Ordensverleihung mit der Ihnen eigenen Schlagfertigkeit und der Extraprise Humor.

In diesen Funktionen lag und liegt Ihnen der Einsatz für die Betreuung der Kasseler Werkstätten, dem Kuratorium für Behinderte in Stadt und Landkreis Kassel und insbesondere für den Kinderschutzbund sowie die tanzende Jugend am Herzen.

Für die Förderung des karnevalistischen Brauchtums in Nordhessen sind Sie vielfach ausgezeichnet worden, ebenso wie Ihre Frau, die über 20 Jahre die Geschäftsstelle der Vereinigung leitet, und die Sie stets an Ihrer Seite wissen und die Sie in Ihrem vielfältigen Engagements tatkräftig unterstützt. Deshalb an dieser Stelle auch Ihnen, liebe Frau Michel, herzlichen Dank für Ihr außergewöhnliches Engagement.

Die Besonderheit der Ehrenritter ist, dass der Reinerlös aller Veranstaltungen und weiterer Spendensammlungen gemeinnützigen Zwecken zugute kommt, insbesondere dem Kinderschutzbund und dem Kinderschutzhaus.

Sehr geehrter Herr Michel,
damit sind die wichtigsten Stationen Ihres reichen ehrenamtlichen Wirkens aufgezählt. Sie alle könnten durch viele Facetten und Anekdoten ergänzt werden. Sie haben Gemeinsinn gezeigt und viel für diese Stadt und ihre Menschen geleistet. Dafür herzlichen Dank.

Ich darf Sie jetzt bitten, zu mir zu kommen und die Auszeichnung entgegenzunehmen.


Veröffentlicht am:   09. 09. 2015  


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