Dr. Ernst Scholz


Nur 15 Monate in Kassel: Dr. Ernst Scholz

Portät des Dr. Scholz; © Stadt Kassel Portät des OB Dr. Scholz

Die Vorbereitungen für die Tausendjahrfeier liefen auf Hochtouren, da schlug die Nachricht in Kassel wie eine Bombe ein: Am 11. Juni 1913 wählten die Stadtverordneten der damals selbständigen Stadt Charlottenburg bei Berlin den Kasseler Oberbürgermeister Dr. jur. Ernst Scholz zum Oberbürgermeister ihrer Stadt. Scholz, in Kassel gerade einmal elf Monate im Amt, nahm die Wahl an, nicht zuletzt auch deshalb, weil ihm dort ein Jahresgehalt von 27 000 Mark in Aussicht gestellt wurde, während er in Kassel nur 16 000 Mark erhielt. Natürlich waren die Kasseler enttäuscht und verärgert, mussten sie doch nach wenigen Monaten erneut nach einem Oberbürgermeister Ausschau halten. Sie fanden ihn in Erich Koch-Weser und es sollte sich herausstellen, dass es keine schlechte Wahl gewesen war...



Doch zurück zu Dr. Ernst Scholz. Gut ein Jahr zuvor, am 25. April 1912 , hatte erstmals in dem prächtigen Sitzungssaal des neu erbauten Kasseler Rathauses die Wahl eines neuen Oberbürgermeisters stattgefunden. Von 63 Stadtverordneten entschieden sich 57 dafür, den 37jährigen bisherigen Beigeordneten der Stadt Düsseldorf, Dr. Ernst Scholz, auf zwölf Jahre in dieses Amt zu wählen. Scholz war am 3. Mai 1874 in Wiesbaden als Sohn eines Justizrats zur Welt gekommen. Nach Jurastudien in Freiburg und Marburg und Promotion in Heidelberg wurde er 1899 Gerichtsassessor in Berlin, 1901 Sekretär eines Genossenschaftsverbandes in Charlottenburg, 1902 Magistratsassessor in Frankfurt/Main, im gleichen Jahr noch Beigeordneter in Wiesbaden und 1909 Beigeordneter in Düsseldorf. Er hatte sich in verschiedenen Institutionen des Deutschen Städtetages engagiert, auch als Fachschriftsteller betätigt und unter anderem Schriften über das Reichshypothekenrecht und das Gemeindebesteuerungssystem in Preußen verfasst sowie ein Rechtsbuch für Genossenschaften erarbeitet.

In einer außerordentlichen Sitzung der Stadtverordneten am Montag, den 15. Juli 1912, an der auch der Magistrat vollzählig teilnahm, führte Regierungspräsident Percy Graf von Bernstorff den neuen Oberbürgermeister in sein Amt ein. Dieser gab anschließend in großen Zügen sein Programm bekannt, dessen Schwerpunkte er in den Bereichen Kunstförderung, Sozialpolitik und "wirtschaftliches Wohl der Bürger" sah. Aufgrund seiner kurzen Amtszeit lässt sich kaum erkennen, inwieweit es ihm gelungen ist, Akzente zu setzen. Allgemein hervorgehoben wird aber die Tatsache, dass er die Stadt Kassel bei der Tausendjahrfeier im September 1913 bestens repräsentierte. Dies war seine letzte größere Amtshandlung in Kassel. Am 9.Oktober 1913 zog er nach Charlottenburg.

Scholz´ Wechsel von Kassel nach Charlottenburg vollzog sich übrigens nicht ganz ohne verbale Attacken. Berliner Zeitungen bauschten eine Angelegenheit, die sich während seiner Kasseler Amtszeit ereignet hatte, enorm auf und bezeichneten ihn als ungeeignet für den Charlottenburger Oberbürgermeisterposten. Scholz war am 17. Mai 1913 zum dritten Mal Vater geworden. Deshalb gab er in allen Kasseler Tageszeitungen eine Anzeige auf. Darunter war auch das sozialdemokratische "Volksblatt für Kurhessen und Waldeck". Das missfiel vor allem der erzkonservativen Berliner "Kreuzzeitung": "Wenn der Chef einer städtischen Verwaltung, zugleich ein Königlich preußischer Hauptmann der Reserve, ganz offen die sozialdemokratische Parteikasse füllt, dann ist dies ein tief bedauerlicher Vorgang".

Auf seine Karriere hatte das aber keinen Einfluss. Bis 1920 blieb er Oberhaupt der Stadt Charlottenburg, danach übernahm er für kurze Zeit die Position des Reichswirtschaftsministers. Anschließend war er Reichstagsabgeordneter der Deutschen Volkspartei und seit 1923 deren Fraktionsvorsitzender. Nach längerer Krankheit starb er 58jährig am 26. Juni 1932 in Berlin.

Wenn überhaupt, dann lebt Oberbürgermeister Dr. Ernst Scholz noch in der Erinnerung alter Kasselaner als der Oberbürgermeister der Tausendjahrfeier im Jahre 1913. Für die Festschrift zur Tausendjahrfeier, die auch heute noch in manchem Kasseler Haushalt aufgehoben wird, hat er einen Satz formuliert, der auch heute noch bedenkenswert sein dürfte: "Dem Bürger Freude an seiner Stadt zu erwecken und zu erhalten, ist vornehmste Aufgabe der Verwaltung."

Veröffentlicht am:   08. 12. 2017  


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