Häufig gestellte Fragen zur Stadtentwicklung rund um den Kulturbahnhof


Die Fraunhofer-Gesellschaft plant den Bau eines neuen Institutsgebäudes in Kassel. Was bedeutet dies für die Stadt?

An der Nordseite des KulturBahnhofs soll in den nächsten Jahren ein Neubau für das Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) und das Institut für Bauphysik (IBP) der Fraunhofer-Gesellschaft errichtet werden. Bund und Land Hessen investieren dafür in Kassel 100 Millionen Euro. Das neue Institutsgebäude soll 550 Mitarbeitern Platz bieten. Zunächst wird ein erster Bauabschnitt für 60 Millionen Euro umgesetzt.

Es handelt sich bei dem Areal nördlich des KulturBahnhofs um eine Fläche von rund 60.000 Quadratmetern im Eigentum der Bahn AG. Für den Neubau des IWES-Instituts ist die Hälfte dieser Fläche eingeplant. Die für das Fraunhofer IWES nicht selbst benötigte Fläche ist für weitere Ansiedlungen eingeplant – insbesondere für Labore und Firmen aus dem Bereich erneuerbare Energien, die in enger Kooperation mit dem IWES forschen und produzieren.

Kassel wird damit zu einem zentralen Wissenschaftsstandort erster Wahl für erneuerbare Energien und Systemtechnik sowie für die forschungspolitischen Herausforderungen der Energiewende. Dies befördert die gesamte Stadtentwicklung und in Folge der geplanten Investitionen bestehen gute Chancen, weitere europäische Forschungslabore und Firmen aus dem Bereich Energietechnik im direkten Umfeld des Fraunhofer-IWES ansiedeln zu können. Durch den IWES-Neubau und entsprechende Folgeinvestitionen entstehen in der Region neue wichtige Arbeitsplätze. Alleine beim IWES und dem IBP sollen 200 neue Arbeitsplätze entstehen.


Welche städtischen Beschlüsse waren für dieses Vorhaben notwendig?

Das Vorhaben der Fraunhofer-Gesellschaft, ihr IWES-Institut am KulturBahnhof auf bisherigen Flächen der Bahn AG neu zu bauen, hat ein mehrstufiges Verfahren in der Stadtverwaltung und in der Kommunalpolitik durchlaufen. Der Magistrat (am 27. Mai 2013) und die Stadtverordnetenversammlung (am 1. Juli 2013) – das Parlament – haben ihre Zustimmung für die Realisierung des größten Bauprojekts des Fraunhofer-Instituts gegeben. Das Verfahren zur Aufstellung eines Bebauungsplanes läuft. Ein abschließender Satzungsbeschluss wird für Ende 2014/Anfang 2015 angestrebt.


Müssen für den Neubau des Fraunhofer IWES alle Gebäude am nördlichen Areal des KulturBahnhofs abgerissen werden?

Nur die nördlich der ehemaligen Verladestraße gelegenen Gebäude müssen vollständig abgerissen werden, um das Areal von sämtlichen Altlasten im Boden befreien zu können und um es anschließend mit Infrastruktur (Wasser- und Stromleitungen, Kanal, Straßen und Wegen) für die neue Nutzung erschließen zu können.

Die südlich der ehemaligen Verladestraße gelegenen Gebäude werden nicht abgerissen und bleiben im Eigentum der Bahn AG. Dort planen u.a. die Betreiber der ehemaligen "Batterie" ab November eine Wiedereröffnung des Veranstaltungsorts "unten".


Seit wann sind die Planungen für eine Umnutzung des Areals bekannt und was ist seitdem geschehen?

Die Bahn AG hat ihren Hauptmieter „Nachrichtenmeisterei“ im Herbst 2012 vom bevorstehenden Auslauf der Mietverträge in 2013 unterrichtet, zu einem Zeitpunkt, als sich mit dem Vorhaben der Fraunhofer Gesellschaft der seit vielen Jahren beabsichtigte Verkauf der Flächen abzeichnete.

Die „Nachrichtenmeisterei“, ein Netzwerk von Kunst- und Kreativschaffenden, hat seit 2003 auf der Südseite des KulturBahnhofs zahlreiche Flächen als Hauptmieter von der Bahn AG angemietet. Seit 2010 hat die Nachrichtenmeisterei auch auf der Nordseite des KulturBahnhofs Flächen von der Bahn AG angemietet und für Zwischennutzungen (d.h. kurzfristige Mietverträge mit 3-monatiger Kündigungsfrist) an Kultur- und Kreativschaffende untervermietet.

Nachdem die Bahn AG die Beendigung der Mietverhältnisse für die nördliche Seite der Verladestraße angekündigt hatte, konnte die Nachrichtenmeisterei frühzeitig mit der Umsiedlung von Kulturschaffenden und Ateliers von der Nordseite auf die Südseite reagieren und andere Nutzungen (u.a. Veranstaltungsprogramm) teils gezielt bis zum Ende des Mietverhältnisses planen.

Ein Teil der Kultur- und Kreativschaffenden haben unabhängig vom Standort KulturBahnhof neue Räume - unter anderem im Schillerviertel und in Rothenditmold - gefunden.


Wie ist die Position der Stadt dazu?

Die Stadt schätzt und fördert die Kultur- und Kreativnetzwerke, die sich in Kassel entwickelt haben, als wichtigen Teil der kulturellen Vielfalt in der Stadt, als Mitgestalter einer lebendigen Stadtgesellschaft sowie als Akteure einer zukunftsweisenden wirtschaftlichen Branche. Sie ist sich der positiven Auswirkungen der subkulturellen und kulturwirtschaftlichen Nutzungskonzepte für bestimmte Stadtteile, brachliegende Flächen und urbane Milieus bewusst. Vor diesem Hintergrund beauftragte die Stadt in 2010 eine Konzeptstudie zur Förderung der Kulturwirtschaft in Kassel, auf welcher insbesondere die Förderung der kulturwirtschaftlichen Netzwerke seitens der Stadt aufbaut.

Zu den Aufgaben der Stadt gehört auch das Weichenstellen in Hinblick auf die langfristige Entwicklung der Gesamtstadt und ihrer Einwohner in den Bereichen Wirtschaft und Wissenschaft und das Treffen der dazu notwendigen Entscheidungen innerhalb des kommunalpolitischen Rahmens. Die Entscheidung für eine Umnutzung des Areals nördlich des KulturBahnhofs für die Entwicklung des Fraunhofer IWES steht einer Förderung der Kultur- und Kreativschaffenden seitens der Stadt nicht entgegen, auch wenn die nördlich der ehemaligen Verladestraße gelegenen Gebäude nach dreijähriger Zwischennutzung nicht für eine dauerhafte Nutzung für die Kultur- und Kreativwirtschaft zur Verfügung stehen.

Für den KulturBahnhof geht es der Stadt gerade auch mit dem zukünftigen Nachbarn Fraunhofer IWES weiterhin darum, diesen als wichtigen Standort für Kultur und Kulturwirtschaft zu erhalten und weiterzuentwickeln. Die Stadt wird die Einrichtungen und Netzwerke der Kultur- und Kreativwirtschaft am KulturBahnhof weiterhin unterstützen, beispielsweise auch wenn es um die Nutzung der südlichen Gebäude der ehemaligen Verladestraße geht.


Wie unterstützt die Stadt die Kulturschaffenden bisher?

Die Stadt steht in engem Austausch mit den Kultur- und Kreativwirtschaftlichen Netzwerken und Standorten. Deren räumliche Ausgangslage ist häufig insofern schwierig, als dass die überwiegend privatwirtschaftlichen Eigentümer der entsprechenden Flächen und Gebäude, meist Immobiliengesellschaften oder Investoren, besondere wirtschaftliche Interessen damit verbinden.

Vor diesem Hintergrund unterstützt die Stadt die Netzwerke in Form von Beratung, Begleitung von Prozessen und in Form struktureller Förderung. Mit der Organisation als Netzwerk und in einem sichtbaren strukturellen Verbund können die Interessen zielgerichteter mit den privatwirtschaftlichen Eigentümern verhandelt werden, häufig auch unter direkter Beteiligung der Vertreter der Stadt.

Die Stadt versteht den Bereich der Kultur- und Kreativwirtschaft als Querschnittsaufgabe innerhalb der Verwaltung, so dass unter anderem die Stadtplanung und das Kulturamt sich in enger Zusammenarbeit für die Anliegen der Netzwerke einsetzen.

Die Stadt begleitet seit einigen Jahren unter anderem die Nachrichtenmeisterei bei ihren Bestrebungen für eine langfristige Sicherung des Standorts auf der Südseite des Kulturbahnhofs, das kulturelle und kreativwirtschaftliche Netzwerk Hammerschmiede, den Kasseler Atelierrundgang sowie die kulturellen und kulturwirtschaftlichen Netzwerkakteure der Südstadt und das kulturwirtschaftliche Standortnetzwerk Kulturbunker.


Eine Initiative hat Ende September eine Online-Petition gegen den Abriss der Gebäude nördlich des KulturBahnhofs gestartet. Was sind die Ziele der Petition?

Erstes Ziel der Petentinnen und Petenten ist, dass die Gebäude nördlich der ehemaligen Verladestraße nicht abgerissen werden sollen, zum einen aus Gründen des Denkmalschutzes, zum anderen um die kulturelle Nutzung zu erhalten. Zweites Ziel ist, dass die Stadt hierüber mit der Fraunhofer-Gesellschaft verhandelt und die Initiatoren der Petition direkt beteiligt.


Wie hat die Stadt auf diese Online-Petition reagiert?

Die Umnutzungspläne für das nördliche Areal am KulturBahnhof sind bereits im Herbst 2012 bekannt und erörtert worden. Die Stadt befindet sich darüber seither in einem engen Dialog mit dem Netzwerk Nachrichtenmeisterei als Hauptmieter der Flächen. Daher kam die Initiative der Online-Petition überraschend für die Stadt. Die Initiatoren sind im Vorfeld mit ihrem Anliegen nicht auf die Stadt zugekommen. Nach Bekanntwerden der Petition haben Oberbürgermeister Hilgen und Stadtbaurat Nolda die Initiatoren der Petition sowie Vertreter der Kulturschaffenden am 9. Oktober 2013 zu einem persönlichen Gespräch eingeladen.


Was hat das persönliche Gespräch ergeben?

Einig sind sich alle Beteiligten, dass die Ansiedlung des IWES/Fraunhofer-Instituts am KulturBahnhof mit dessen Neubau und Erweiterung zu begrüßen ist und dass das Areal nördlich des Kulturbahnhofs dafür aus mehreren Gründen gut geeignet ist. Einigkeit besteht auch darüber, dass es weiterhin ein wichtiges Ziel ist, die Entwicklung der Kultur- und Kreativwirtschaft am Standort KulturBahnhof zu stärken.


Was wurde konkret verabredet?

Verabredet wurde, dass die Gespräche zur Bebauungsplanung und zur Situation der Kultur- und Kreativschaffenden am KulturBahnhof auf verschiedenen Ebenen fortgesetzt werden. Zum einen wird sich das Kulturamt mit den kultur- und kreativwirtschaftlichen Einrichtungen des KulturBahnhofs treffen, um die dortigen Entwicklungsperspektiven zu erörtern und zu diskutieren.

Zum anderen wird Stadtbaurat Nolda zu einer Bürgerinformationsveranstaltung zum Thema „Entwicklung der Bahnhofs-Nordseite zum Standort für Energieforschung und –technik“ einladen. Mit dieser Veranstaltung sollen allen Interessierten in der Stadtgesellschaft weitreichende Informationen zu dem Bauprojekt und dem Prozess sowie die Möglichkeit zur Diskussion gegeben werden.

Veröffentlicht am:   05. 02. 2014  


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