Einweihung Halitplatz

01. Oktober 2012
Halitplatz

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrter Herr Botschafter,
sehr geehrter Herr Generalkonsul, sehr geehrte Staatsminister Kühne-Hörmann, Hahn und Poppenhäger,
sehr geehrte Familie Yozgat,
liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

Kassel setzt heute mit der Einweihung des Halitplatzes und der Enthüllung eines Gedenksteins ein deutlich sichtbares Zeichen zur Erinnerung an unseren ermordeten Mitbürger Halit Yozgat. Er war der Sohn einer Familie, die in der Kasseler Nordstadt ihre Heimat gefunden hat.

2006 war er das neunte unschuldige Opfer einer ungeheuerlichen rechtsextremistischen Mordserie.

Diese wurde erst im November 2011 aufgedeckt. Dazu gibt es bis heute bei den Einwohnern dieser Stadt und auch bei mir persönlich viele offene Fragen. Diese werden zurzeit in Untersuchungsausschüssen des Bundestages und der Landtage aufgearbeitet. Dabei kommen fast täglich neue Fragen hinzu, die ein Rechtsstaat wie die Bundesrepublik Deutschland glasklar beantworten muss.

Dies sind wir unseren Einwohnern mit türkischer Wurzel, aber auch allen anderen schuldig. Es darf kein Zweifel an unserem Rechtsstaat übrig bleiben. Sollten sich Fehlleistungen von Beteiligten herausstellen, so müssen diese unnachsichtig geahndet werden.

Dieser Platz gegenüber dem Internetcafé, in dem Halit Yozgat ermordet wurde, wird uns daran immer wieder erinnern. Gegenüber liegt das Philipp-Scheidemann-Haus, das an einen Kasseler Demokraten erinnert, der in den 1920er Jahren ebenfalls Opfer eines rechtsextremistischen Attentates wurde, später vor den Nazis fliehen musste und im Exil starb.

Quälend lange bekamen die Angehörigen von Halit Yozgat keine Antwort auf ihre Frage nach dem 'Warum?' und sahen sich falschen Verdächtigungen und Spekulationen ausgesetzt. Heute wissen wir, dass ein Netzwerk rechtsextremer Terroristen aus Fremdenhass gemordet hatte.

Es ist ein ermutigendes Zeichen, dass die Städte Rostock, Nürnberg, Hamburg, Dortmund, München, Heilbronn und Kassel, sich auf einen gemeinsamen Gedenktext verständigt haben, der hier auf unserem Gedenkstein nachzulesen ist. Ich begrüße deshalb hier stellvertretend die Vertreter von Dortmund, die ihren Gedenkstein am vergangenen Montag eingeweiht haben, und die Vertreter von Rostock, die folgen werden.

Nach dem Wunsch der Familie nach Umbenennung der Holländischen Straße, eindrucksvoll vom Vater vorgetragen bei unserer Menschenkette am 10.Dezember in Kassel und auf der Gedenkveranstaltung des Bundespräsidenten in Berlin, haben wir uns zusammengesetzt und gemeinsam die Gestaltung und Benennung dieses Platzes nach Halit mit dem guten Einvernehmen der Anrainer umgesetzt.

Kassel steht für ein Deutschland, in dem alle in Freiheit und gegenseitigem Respekt ohne Angst leben und sich sicher fühlen können. In diesem Land hatten die Ermordeten ihre Heimat gefunden.

Kassel hat heute etwa ein Drittel zugewanderter Einwohner. Wie in einer guten Familie gibt es dabei auch manchmal Reibungen.

Die dabei entstehende Wärme ist die Seele nicht nur der Nordstadt, sondern der ganzen Stadt. Der Kasseler Weg der Integration ist das Gespräch, der Dialog. Daran wirken alle mit, Ausländerbeirat und Kommunalpolitik, Kirchen und Religionsgemeinschaften, Nachbarschaften und Vereine. Auf diese Kultur der Zusammenarbeit in unserer Stadt bin ich stolz.

Helfen Sie mit, auch in Zukunft für gegenseitigen Respekt, Anerkennung und Gleichberechtigung einzutreten. Helfen Sie mit, dass Kassel weltoffen und eine friedliche Heimatstadt für uns alle bleibt.


Veröffentlicht am:   02. 10. 2012  


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