Verleihung des Wappenrings der Stadt Kassel an Prof. Dr. Hansjörg Melchior

01. Oktober 2009
Rathaus, Karl-Branner-Halle

Sehr geehrter Herr Professor Dr. Melchior,
verehrte Frau Melchior,
liebe Familie Melchior,
sehr geehrte Gäste,
meine Damen und Herren,

im Namen der Stadt Kassel, meiner Kolleginnen und Kollegen des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung mit Herrn Stadtverordnetenvorsteher Kaiser an der Spitze begrüße ich Sie sehr herzlich in der Karl-Branner-Halle des Rathauses.

Wir sind heute zusammengekommen, um eine sehr honorige Persönlichkeit zu ehren, die sich in außergewöhnlicher Weise und über mehrere Jahrzehnte hinweg um unsere Stadt in hohem Maße verdient gemacht hat.

Es ist mir eine Freude, Sie, sehr geehrter Herr Professor Dr. Melchior, für das, was Sie Ihrer Heimatstadt gegeben haben, heute mit dem Wappenring der Stadt Kassel auszuzeichnen.

Mit dem Wappenring werden seit dem Jahr 1967 Personen geehrt, die sich hervorragende Verdienste um die Stadt, und zwar insbesondere auf dem Gebiet der Kultur und der Wirtschaft erworben, haben.

Über die Verleihung entscheidet der Magistrat, und er hat dies in Ihrem Falle, sehr geehrter Herr Prof. Dr. Melchior, mit Zustimmung aller Fraktionen einstimmig beschlossen.

Dieses Votum bringt die uneingeschränkte Wertschätzung zum Ausdruck, die Ihnen in der Stadt und quer durch alle Parteien zuteil wird.

Ich begrüße in diesem Zusammenhang am heutigen Nachmittag ebenso sehr herzlich die anwesenden Wappenringträgerinnen und –träger der Stadt Kassel, Frau Hartleb, Frau Fabricius, Herrn Dr. Boehlke, Herrn Prof. Dr. Brinckmann, Herrn Windfuhr, Herrn Germandi und Herrn Meister.
Schön, dass Sie unserer Einladung gefolgt sind, um eine weitere Person in Ihren erlauchten Kreis aufzunehmen.

Verehrte Gäste,
lassen Sie mich meine Laudatio auf unseren geschätzten Mitbürger einleiten mit zwei Zitaten berühmter und kluger Männer.

"Persönlichkeiten, nicht Prinzipien bringen die Zeit in Bewegung.", so lautet ein Bonmot des Schriftstellers Oskar Wilde, und Albert Einstein hat gesagt: "Persönlichkeiten werden nicht durch schöne Reden geformt, sondern durch Arbeit und eigene Leistung."

Sehr geehrter Professor Dr. Melchior, für mich sind Sie ein Mann, eine bemerkenswerte Persönlichkeit, an der sich beide Aussagen bewahrheiten:

Sie waren und Sie sind eine Persönlichkeit, die sowohl im beruflichen Kontext als auch im gesellschaftlich–bürgerschaftlichen Kontext Vieles und Wichtiges in Bewegung gebracht hat.

Diese Bewegung war einerseits gespeist von Begabung, von Wissen und besonderen Fähigkeiten, gründete aber gleichermaßen auf der Bereitschaft zu außergewöhnlichem Einsatz und der inneren Motivation über das eigentlich notwendige Maß hinaus, die Dinge stetig weiterzuentwickeln, auch Neues voranzubringen und Überdurchschnittliches zu leisten.

Menschen wie Sie, verehrter Herr Professor Dr. Melchior, Menschen mit dieser besonderen Energie und Strahlkraft weit -über den persönlichen Radius hinaus - sind Ausnahmeerscheinung - für ein kommunales Gemeinwesen wie das unsrige sind sie ein Geschenk und ein Glückfall.

Sehr geehrter Herr Professor Dr. Melchior,

Sie wurden 1937 in Kassel geboren und verbrachten auch hier Kindheit und Jugend. Nach dem Abitur im Jahr 1957 am altsprachlichen Friedrichsgymnasium in Kassel studierten Sie Medizin in Marburg an der Lahn. 1965 legten Sie die ärztliche Prüfung und Promotion zum Dr. med. erfolgreich ab.

Nach verschiedenen Tätigkeiten an der Universität in Marburg an der Lahn und an der RWTH Aachen folgten 1972 Habilitation und Lehrbefugnis für das Fach Urologie an der RWTH Aachen.

Im Weiteren erhielten Sie die Anerkennung als Facharzt für Urologie und wurde zum leitenden Oberarzt der Abteilung Urologie der Klinischen Anstalten der RWTH Aachen ernannt.

1975 folgte die Ernennung zum Außerplanmäßigen Professor der RWTH Aachen.

Zwischen 1977 und 2003 leiteten Sie als Direktor die Klinik für Urologie der Städtischen Kliniken Kassel, dem heutigen KLINIKUM KASSEL.

1982 wurden Sie außerdem Honorarprofessor an der Philipps-Universität in Marburg an der Lahn.

Für Sie als engagierten Mediziner, für den der Beruf stets auch Berufung war, war es selbstverständlich die hauptamtliche Tätigkeit durch ehrenamtliches Wirken zu vervollkommnen, zu komplettieren und zu erweitern.

Das eindrucksvolle Spektrum sowie die Fülle der medizinischen Ehrenämter, die an dieser Stelle gar nicht alle genannt sein können, legen beredtes Zeugnis ab von dem außergewöhnlich starken berufsständigen Engagement und einem bundesweit herausgehobenen Ansehen in der berufsständischen Ärzte- und Kollegenschaft.

Beispielhaft seien an dieser Stelle die Mitgliedschaft im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Urologie und die Mitgliedschaft im Vorstand der B. Braun Stiftungen in Melsungen genannt.

Stets ging es Ihnen vor allem darum, die neuesten Erkenntnisse aus Lehre, Forschung und klinischer Praxis konkret und zukunftsgerichtet für die Behandlungs- und Heilungsmöglichkeiten und damit die Gesundung und das Wohlergehen urologisch erkrankter Menschen zu erschießen und zu verbreitern.

Nach dem Abschluss einer aktiven und sehr erfolgreichen beruflichen Karriere ist für die meisten Menschen der Zeitpunkt gekommen, nach einer arbeitsreichen und erfüllten Zeit den wohlverdienten Ruhestand zu genießen und vielleicht endlich mit mehr Zeit und Muse den persönlichen Interessen und Hobbies nachzugehen.

Nicht so bei Ihnen: 2003 kurz nach Beendigung ihrer beruflichen Laufbahn am Klinikum war es, als Sie die Kasseler Gesundheitstage ins Leben gerufen haben, als dessen wissenschaftlicher Leiter Sie bis heute verantwortlich zeichnen.

Mit der bis vor Kurzem in ihrer Art einzigartigen Veranstaltung erreichen Sie seither jährlich rund 5000 Besucher – Bürger wie auch Fachbesucher - und es gelingt Ihnen mit dem breiten, aktuellen und interessanten Spektrum an Aktivitäten und mit einem Fort- und Weiterbildungsangeboten für alle am Gesundheitswesen beteiligten Berufsgruppen die Leistungsfähigkeit der Gesundheitswirtschaft in Nordhessen in denkbar bester Art und Weise zu präsentieren.

Als fachlicher Kopf der Gesundheitstage stellen Sie die hohe Qualität und das besondere Profil sicher und leisten einen wichtigen Beitrag zur Zusammenführung unterschiedlicher Interessen in der nordhessischen Gesundheitslandschaft.

Mit diesem herausragenden ehrenamtlichen Engagement, meine Damen und Herren, trägt Professor Dr. Hans-Jörg Melchior maßgeblich dazu bei, die Region Kassel und Nordhessen als Gesundheitsregion zu profilieren.

Sehr geehrter Herr Professor Dr. Melchior,

neben der Medizin galt und gilt Ihre besondere Leidenschaft von je her der Kunst und der Kultur.

Als gebürtiger Kasseler Junge und persönlicher Freund des documenta-Gründers Arnold Bodes verwundert es nicht, dass ihr kulturelles Engagement insbesondere der Förderung der Weltkunstausstellung galt, um deren Etablierung und Fortentwicklung Sie sich in höchstem Maße verdient gemacht haben.

Früher als viele andere haben Sie dabei die Bedeutung der documenta für die Stadt, die Stadtentwicklung und das nationale wie internationale Renommee Kassels erkannt und sich zielgerichtet und mit großer Tatkraft in deren Dienst gestellt.

Heute ist die documenta - neben den Brüdern Grimm und dem Bergpark – eine der drei kulturellen Weltmarken unserer Stadt.

Ihren Beitrag daran haben Sie, verehrter Herr Professor Dr. Melchior, unter anderem durch Ihre Tätigkeit als langjähriges Mitglied des documenta Forums, dessen Vorsitz Sie in den Jahren 1970-1998 innehatten ebenso wie auch durch Ihre Mitwirkung bei der documenta Foundation, deren Geschicke Sie in den Jahren zwischen 1987-1997 federführend lenkten.

Als fundierter Kenner zeitgenössischer Kunst traten Sie dabei immer wieder als Impulsgeber und Motor auf, wenn es galt, andere für neue Ideen zu begeistern und als Mitstreiter zu gewinnen, nicht zuletzt auch dann, wenn es galt, finanzielle Mittel für die die documenta oder etwa den Ankauf von documenta-Werken einzuwerben.

Mehr noch als mit der documenta verbindet sich in unserer Stadt Ihr Name, verehrter Herr Melchior, jedoch mit Ihrem gesellschaftspolitisch-bürgerschaftlichem Engagement und hier meine ich im Besonderen den Kasseler Bürgerpreises "Das Glas der Vernunft", dessen Mitinitiator Sie - neben Bernd Behrens – seinerzeit waren.

Der Preis wurde im Jahr 1990 ins Leben gerufen, besteht also im 20ten Jahr, und wird an Persönlichkeiten oder Institutionen verliehen, die sich um die Ideale der Aufklärung - Überwindung ideologischer Schranken, Vernunft und Toleranz- verdient gemacht haben.

Unter den Preisträgern sind unter anderen namhafte Persönlichkeiten wie Hans-Dietrich Genscher, Carl-Friedrich Frhr. von Weizsäcker und Lea Rabin zu finden.

Es ist im wesentlichen Professor. Dr. Melchior und seiner zuvor bereits erwähnten engen Beziehung zur documenta zu verdanken, dass auch das Künstlerpaar Christo und Jeanne-Claude mit dieser Auszeichnung bedacht wurde.

In 2009, wo sich der Fall der Mauer und die Öffnung des Eisernen Vorhangs zwischen Ost und West zum 20. Male jährt, ist der Preisträger bezeichnender Weise der ehemalige Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatsicherheitsdienstes der ehemaligen DDR , Joachim Gauck.

Die Verleihung des Preises ist - erneut im wenigen Tagen   - ein großes gesellschaftliche Ereignis, das überregionale und ja, aufgrund der Prominenz und Bedeutung der Preisträger, meist auch internationalen Beachtung findet.

Wie der Name bereits zum Ausdruck bringt, ist das Glas der Vernunft ein "Bürgerpreis", ein Preis also, der von engagierten Privatpersonen gestiftet, getragen und auch finanziert wird.

Und da ich weiß, dass heute auch einige großzügige und treue Förderer des Bürgerpreises unter uns sind, möchte ich die Gelegenheit nutzen, für dieses großartige, zivilgesellschaftliche Engagement zu danken. Es ist Ausdruck von zivilem Selbstbewusstsein und Bürgerstolz im besten und vornehmsten Sinne.

Verehrter Professor Dr. Melchior, lieber rotarischer Freund, an dieser Stelle darf ich das so sagen, denn zum Abschluss meiner Laudatio darf natürlich auch Ihr leidenschaftliches Engagement für die Rotarische Bewegung nicht unerwähnt bleiben.

Meine Damen und Herren, seit langem setzt sich Prof. Dr. Melchior mit großer Leidenschaft für gemeinnützige Projekte beim Rotary Club Kassel ein. Für das rotarische Jahr 2008/2009 wurde er gar in das Amt des hessischen Distrikt Governors mit einer Vielzahl sozialer und kultureller, auch internationaler Aufgaben gewählt. Für seine beispielhafte Tätigkeit bei Rotary wurde er als Paul-Harris Fellow ausgezeichnet.

Darüber hinaus wurden Ihnen, lieber Hans-Jörg Melchior, im Laufe der Jahre für Ihr unermüdliches berufsständisches Wirken eine ganze Reihe von Ehrungen und Auszeichnungen zuteil. Auch die Stadt Kassel hat Ihnen bereits im Jahr 2003 die Ehrennadel für besondere Verdienste um das Gemeinwohl verliehen.

Heute nun habe ich im Namen der Stadt die große Ehre und Freude dieser Anerkennung eine weitere hochrangige Würdigung folgen zu lassen.

Der Wappenring ist – abgesehen von der Ehrenbürgerwürde – die höchste Auszeichnung, die die Stadt Kassel zu vergeben hat.

Sehr verehrter, lieber Professor Dr. Melchior, ich möchte Ihnen für Ihr umfassendes und breitgefächertes bürgerschaftliches Engagement an dieser Stelle herzlichen Dank sagen – auch im Namen der Stadt Kassel und ihrer Bürgerinnen und Bürger.

In diesen Dank beziehe ich Ihre geschätzte Gattin und auch ihre Familie ausdrücklich mit ein. Denn wir sollten nicht vergessen, dass eine so weitgreifende ehrenamtliche Lebensleistung nur dann entstehen kann, wenn es auf das Verständnis und die enge und vertrauensvolle Unterstützung von Lebenspartnern, Familie und Freunden trifft.

Ich darf Sie, verehrter Herr Professor Dr. Melchior, nun bitten, die Auszeichnung entgegenzunehmen.


Veröffentlicht am:   04. 05. 2010  


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