Ehrennadel an Marianne Bauer

20. August 2009
Rathaus, Karl-Branner-Halle

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrte Frau Bauer,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

im Namen der Stadt, des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung begrüße ich Sie sehr herzlich im Rathaus, um eine verdiente Bürgerin Kassels zu ehren, die sich über viele Jahrzehnte für unser Gemeinwesen eingesetzt hat.

Heute, liebe Frau Bauer, stehen Sie im Mittelpunkt. Sie haben sich mit Ihrem musikalischen Talent und Ihrer Gabe, auf Menschen zuzugehen, in ganz außerordentlicher Weise ehrenamtlich engagiert. Ihnen zu Ehren haben wir uns heute hier versammelt, und ich begrüße stellvertretend die Kolleginnen und Kollegen des Magistrats, Frau Bergholter, Frau Haß und Herrn Barroso, den stellvertretenden Stadtverordnetenvorsteher Herrn Jordan, die Stadtverordneten Frau Weber und Herr Rudolph sowie den Geschäftsführer der documenta, Herrn Leifeld, der sich für eine städtische Ehrung von Ihnen eingesetzt hat.

Ebenso herzlich grüße ich Familienmitglieder, langjährige Freunde, Weggefährten und Schüler. Ihnen allen ein herzliches Willkommen.

Ihr persönliches Beispiel zeigt, dass es um das Ehrenamt in unserer Stadt gut bestellt ist. Denn auch wenn vor allem junge Menschen heute andere Formen des Engagements wählen, indem sie sich Projekten widmen, ohne langfristige Bindungen an Vereine oder Institutionen einzugehen, so treffen wir immer noch sehr viele Menschen an, die sich in unserer schnelllebigen Zeit beharrlich und kontinuierlich über einen nun schon sehr langen Zeitraum einer Sache verpflichtet fühlen. Die Einsatzfreude für das Ehrenamt hat also nicht abgenommen. Das Ehrenamt hat auch keinen Bedeutungsverlust erlitten. Es ist vielmehr durch moderne Formen der Zusammenarbeit und erweiterter Möglichkeiten der Teilhabe   eher noch vielfältiger geworden.

Sie, liebe Frau Bauer, wissen seit Jahrzehnten um die Bedeutung des Ehrenamts für unsere Gesellschaft. Sie gehören zu denen, die sich eher im klassischen Sinne für andere einsetzen. Sie tun dies sehr ausdrucksstark mit den Mitteln und Möglichkeiten, die die Musik bereit hält.

Ihr ganzes Leben war von Musik bestimmt. Schon als kleines Mädchen war Ihnen klar: "Ich möchte einmal Klavierlehrerin werden." Mit 19 Jahren hatten Sie Ihr Examen als Klavierlehrerin bestanden. Ihr Wunsch, mit Musik Menschen zu erfreuen, nahm zu der Zeit Gestalt an, als Sie in der Wehrmachtsbetreuung Verwundete pflegten. Seit 1949 erteilten Sie dann Klavierunterricht. Zu Beginn der 60-er Jahre waren Sie dabei, als eine kulturelle Institution Kassels ins Leben gerufen wurde: die Kasseler Meisterkonzerte der Konzertdirektion Laugs. Viele bekannte Künstler gaben sich in Ihrer Wohnung ein Stelldichein. 1974 begannen Sie nicht nur mit Ihrer Musikschule in der Friedrich-Ebert-Straße, sondern begaben sich auch regelmäßig ehrenamtlich mit ihren Musikschülern und anderen Musikern auf Konzerttour durch Altenzentren, Pflegeheime und Krankenhäuser.

Meine Damen und Herren,

von dem polnischen Pianisten Artur Rubinstein ist folgendes Bonmot überliefert: "Ich spiele so gerne Klavier, dass ich es auch umsonst tun würde. Gott sei Dank wissen das meine Konzertagenten nicht." Sie haben keines Anstoßes bedurft, um für andere umsonst Klavier zu spielen. Sie brauchen, liebe Frau Bauer, keinen Konzertagenten zu überzeugen, unentgeltlich Mitmenschen mit einer musikalischen Darbietung eine große Freude zu bereiten. Sie tun es einfach. In diesem Jahr, im 35. Jahr des Bestehens Ihrer Musikschule, stehen 70 dieser Konzerte auf dem Programm.

Ich bin sicher, wenn Sie im Oktober Ihren 85. Geburtstag feiern, dann werden Ihnen die Glückwünsche all der Beschenkten nur so zufliegen: die Glückwünsche der vielen Zuhörerinnen und Zuhörer, als auch die guten Wünsche Ihrer Schülerinnen und Schüler, die Sie unterrichtet haben; es waren bis jetzt wohl über tausend.

Die Liste der Orte und Einrichtungen aufzuzählen, die Ihre Konzerte miterleben durften und dürfen, würde den Rahmen unserer kleinen Feier sprengen. Lassen Sie mich beispielhaft einige wenige nennen. Da ist das evangelische Altenhilfezentrum Lippoldsberg, das den Kontakt zu Ihnen über dessen Heimleiter gesucht hat, ein früherer Musikschüler von Ihnen. Anlässlich Ihres 80. Geburtstages 2004 konnte dort durch ein von Ihnen gestaltetes Benefizkonzert ein Klavier angeschafft werden.

Sie erfreuen ebenso die Bewohnerinnen und Bewohner des Else-Steinbrecher-Haus in Hofgeismar, des DRK-Altenpflegeheims in Kaufungen, des Altenzentrum der Arbeiterwohlfahrt in Altenbauna, des Renthofs in Kassel oder der Vellmarer Seniorenresidenz mit Ihren Besuchen. Diese konzertanten Kleinode bringen stets Abwechslung, ein Stück Lebensqualität und Heiterkeit und gute Laune in den Alltag.

Oft wird bei diesen Gelegenheiten auch gemeinsam gesungen. Musizieren und Singen hatte früher einen viel höheren Stellenwert als heute. Bekannte Melodien knüpfen an Erfahrungen und Erinnerungen an. Auch deshalb erfahren Ihre Konzerte einen so großen Zuspruch. Nicht vergessen werden soll, dass Sie neben diesen Auftritten jeden Sonntag als Organistin in der Lutherkirche und der Justizvollzugsanstalt Elwe spielen.

"Wenn ich sehe, wie die Menschen, die geprägt von ihrem Schicksal zu unseren Veranstaltungen kommen, während des Konzerts immer fröhlicher werden, dann ist das für mich die schönste Erholung. Das gibt mir die Kraft." Soweit ein Zitat von Ihnen, das Ihre Einstellung hervorragend charakterisiert.

Ihre Liebe zur Musik, Ihre Liebe zu den Menschen und Ihr Glaube – diese drei Dinge sind eine wunderbare Verbindung eingegangen. Sie haben diese Gaben zum Wohle Ihrer Mitmenschen eingesetzt und zu einer Lebensaufgabe gemacht. Damit haben Sie viele Herzen erfreut, und damit werden Sie auch in Zukunft noch viel Freude bereiten.

Für Ihren vorbildlichen Einsatz sind Sie bereits mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. Sie haben aus Ihrem Beruf eine Berufung gemacht und an Ihrem Talent andere teilhaben lassen. Auch Ihre Heimatstadt Kassel möchte sich heute bei Ihnen für Ihre jahrzehntelange ehrenamtliche Tätigkeit mit der Verleihung der Goldenen Ehrennadel bedanken. Auch ich persönlich sage ganz herzlichen Dank und darf Sie nun bitten, die Ehrung in Empfang zu nehmen.


Veröffentlicht am:   18. 09. 2009  


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