Bürgermeisterin lobt Arbeit des Interkulturellen Fallmanagements im Jobcenter

; © Jobcenter Stadt Kassel
Gruppenbild am Eingang der Seniorenresidenz Ambiente, von links: Eugen Kretschmann, Assistent der Residenz-Leitung, Ali Omar, ehemaliger Teilnehmer Interkulturelles Fallmanagement und Mitarbeiter in der Residenz, Mohammad Khalid Walizada, ehemaliger Teilnehmer Interkulturelles Fallmanagement und Mitarbeiter im AWO-Altenzentrum Käthe-Richter Haus, Bürgermeisterin und Sozialdezernentin Ilona Friedrich, Christian Nübling, Geschäftsführer Jobcenter Stadt Kassel und ganz vorn die Residenz-Bewohner Hildegard Quatuor und Wilhelm Hassenpflug.

Erfolgreiche Integration durch Interkulturelles Fallmanagement

Eine erfolgreiche Integration gelingt oft nur durch die richtige Unterstützung. Das hat Sozialdezernentin und Bürgermeisterin Ilona Friedrich bei einem Besuch in der Senioren-Residenz Ambiente betont und dabei die Bedeutung des Interkulturellen Fallmanagements für eine erfolgreiche Integration hervorgehoben: "Rund 20 bis 25 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben bisher durch die Arbeit des Interkulturellen Fallmanagements auf dem Arbeitsmarkt mit sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung, Ausbildung oder auch Existenzgründung Fuß gefasst. Das ist ein sehr gutes Ergebnis. Es ist für Menschen wichtig, ihren Lebensunterhalt aus eigener Kraft bestreiten zu können."

Christian Nübling, Geschäftsführer im Jobcenter Stadt Kassel, wies auf die große Bedeutung des Interkulturellen Fallmanagements hin: "Wir haben schon sehr früh erkannt, wie wichtig ein gutes Angebot für Menschen mit Migrationshintergrund ist. Das Interkulturelle Fallmanagement ist für manche von ihnen der einzig funktionierende Weg in die Arbeitswelt. Die Integration in Arbeit ist immer ein gutes Fundament, um sich auch gesellschaftlich zu integrieren."

Menschen mit Migrationshintergrund brauchen oft eine gezielte Förderung. Im Jobcenter Stadt Kassel gibt es darum seit 2007 das „Interkulturelle Fallmanagement“ mit dem Kulturzentrum Schlachthof als Kooperationspartner.

Die intensive Betreuung ist auf Menschen zugeschnitten, die auf dem Arbeitsmarkt schwer Fuß fassen können. Geringe Kenntnisse der deutschen Sprache und kaum verwertbare Qualifikationen gehören zu den Hauptproblemen, dazu kommen Schwierigkeiten in beruflicher und sozialer Orientierung. In vielen Fällen gibt es weitergehende Probleme zum Beispiel Überschuldung oder psychische wie physische chronische Erkrankungen. Besonders schwer ist es für die Arbeitsuchenden und ihre Familien, wenn sie zusätzlich noch Traumata aus Flucht- oder Kriegserfahrungen zu bewältigen haben.

Die sozialpädagogisch ausgebildeten Expertinnen und Experten im Kulturzentrum Schlachthof gehen in vielen kleinen Schritten gemeinsam mit den Arbeitsuchenden. Das A und O ist der vertrauensvolle Kontakt zueinander. Mindestens zweimal im Monat gibt es persönliche Treffen. Das Angebot umfasst PC- und Bewerbungstraining, Gesprächskreise, Informationsveranstaltungen rund um die Arbeit, auch in Kooperation mit dem Arbeitgeber-Service des Jobcenter Stadt Kassel, bis hin zu Sprachtrainings oder Beratungen zur äußerlichen Erscheinung.

46 Arbeitsaufnahmen

An einem ersten Durchlauf im „Interkulturellen Fallmanagement“ hatten von Herbst 2016 bis Ende vorigen Jahres 256 Migrantinnen und Migranten das Angebot teilgenommen. Es gab 46 Arbeitsaufnahmen – im strengen Sinne der „Integrationen“:

  • Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von 15 Stunden und mehr
  • Berufsausbildung mit 15 Stunden und mehr
  • Selbständige Tätigkeit (15 Stunden und mehr)

Für 52 Frauen und Männer wurde der Weg in den Arbeitsmarkt und damit perspektivisch in eine auskömmliche Erwerbsarbeit durch die Aufnahme einer geringfügigen Beschäftigung (450-Euro-Jobs) erleichtert.

Im Februar 2018 ist ein weiterer Durchgang mit 200 Plätzen gestartet worden.

Erfolgreich integriert - Ali Omar, Pflegehelfer in der Senioren-Residenz Ambiente

Als ein Beispiel für erfolgreiche Integration nennt das Interkulturelle Fallmanagement den Somalier Ali Omar.

"Vor seiner Flucht nach Deutschland hatte er noch keine Schule besucht. Er lernt die deutsche Sprache, indem er Schlager hört. Nach vielen Stationen kommt er ins Jobcenter Stadt Kassel. Ali Omar nutzt die Chancen, die ihm dort in Form des „Interkulturellen Fallmanagement“ geboten werden. Mit viel Fleiß und in engem Kontakt mit seinem Fallmanager holt er jetzt seinen Hauptschulabschluss nach und probiert sich in verschiedenen Branchen aus. Er will unbedingt eine Ausbildung machen. Schließlich empfiehlt ihm sein Fallmanager ein Praktikum in der Altenpflege. „Ich wusste nicht so genau, was auf mich zukommt“, sagt Ali Omar im Rückblick. Nach dem ersten Tag in der Seniorenresidenz Ambiente steht für ihn fest: „Das ist eine wichtige Arbeit. Irgendwann bin auch ich alt. Dann brauche ich vielleicht auch jemanden, der mir hilft.“  Er absolviert die Pflegehelfer-Ausbildung und schließt sie mit Bravour ab."

Dass er „als der schwarze Mann“ bei dem einen oder anderen pflegebedürftigen Menschen auf Vorbehalte stößt, stört den 31-Jährigen nicht weiter: „Ich weiß wie das geht mit Nähe und Distanz. Ich bleibe einfach freundlich.“ Und sein Charme wirkt. „Er ist ein echter Sonnenschein“, bestätigt der stellvertretende Residenzleiter Eugen Kretschmann begeistert. „Wir wissen, was wir an Ali Omar haben und bestärken ihn darin, jetzt auch noch die dreijährige Altenpflege-Ausbildung draufzusatteln.“ 

Ali Omar mit Bewohnerinnen der Senioren-Residenz Ambiente.; © Jobcenter Stadt Kassel Ali Omar mit Bewohnerinnen der Senioren-Residenz Ambiente.

Erfolgreich integriert - Mohammad Khalid Walizada, angehender Pflegehelfer

Ein weiteres Beispiel für gelungene Integration durch das Interkulturelle Fallmanagement ist der 32-jährige Familienvater Mohammad Khalid Walizada aus Afghanistan.

"Er hat als Dolmetscher für die Amerikaner gearbeitet und nutzte einen Aufenthalt der Truppe in Deutschland, um politisches Asyl zu beantragen. Er wurde als Asylbewerber anerkannt und konnte Frau und Sohn nachholen. "Am liebsten möchte ich bei Mercedes oder VW arbeiten", sagt Mohammad Khalid Walizada seinem Fallmanager Bernd Czellnik im Interkulturellen Fallmanagement. Doch als sich dieser Weg nicht schnell genug geöffnet hat, lässt auch er sich auf ein Praktikum in der Pflege ein in einer Einrichtung der AWO.

Jetzt steht er kurz vor dem Abschluss seiner Pflegehelfer-Ausbildung und liebäugelt ebenfalls damit, noch die Altenpfleger-Ausbildung zu absolvieren. Beide Männer sind sich einig: Für ihren Erfolg war es ganz wichtig, dass sie immer ihren Fallmanager im Hintergrund hatten. "Egal was ich für Fragen hatte, er hat mir immer zugehört und schnell geholfen. Es ist wichtig, dass jemand da ist, der hilft und der mich auch anspornt durchzuhalten und sich über meine Erfolge mit mir freut", sagt Ali Omar."

Veröffentlicht am:   09. 08. 2018  


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