Neujahrsempfang 2019 der Stadt Kassel


Oberbürgermeister Geselle mit Baumeister-Preisträgerin Ursula Schultz.; © Stadt Kassel; Foto: Susanne Ahrendts
Oberbürgermeister Geselle mit Baumeister-Preisträgerin Ursula Schultz beim Neujahrsempfang 2019 der Stadt Kassel.

„Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen.“ Mit dem Zitat des französischen Schriftstellers Antoine de Saint-Exupéry zeichnete Oberbürgermeister Christian Geselle beim Neujahrsempfang 2019 im Rathaus vor rund 1400 Gästen die großen strategischen Ziele für die Stadt Kassel voraus.

„Wir wollen das Wohnen der Zukunft, die Mobilität der Zukunft, die Arbeit und Bildung der Zukunft und die Digitalisierung in unserer Stadt, das „smarte Kassel“, möglich machen“, erläuterte Geselle den Strategieprozess innerhalb der Stadtverwaltung. „Zu diesen Zielen sind wir aufgebrochen; die ersten Schritte sind gemacht. Auch deswegen war 2018 das Jahr der Grundlagen.“

Baumeister-Auszeichnungen
Oberbürgermeister Geselle würdigte beim Neujahrsempfang Menschen als Baumeister, die sich besonders um Kassel verdient gemacht haben. Sie helfen und begleiten Kassel mit großem Einsatz und beispielhaftem Engagement auf dem Weg zum besten Zuhause.

Impressionen vom Neujahrsempfang der Stadt Kassel 2019



Rede des Oberbürgermeisters Christian Geselle



Meine Damen und Herren,
ich begrüße Sie sehr herzlich zum Jahresempfang der Stadt Kassel, auch im Namen des geschäftsführenden Stadtverordnetenvorstehers Volker Zeidler, der Kolleginnen und Kollegen des Magistrats, der Stadtverordnetenversammlung sowie der Stadtverwaltung.

Ministerpräsident Volker Bouffier hat für heute leider aufgrund der Wahl gestern abgesagt. Ich begrüße daher besonders Eva Kühne-Hörmann als Vertreterin der Landesregierung und gratuliere Ihnen zur erneuten Berufung als Staatsministerin. Ebenso begrüße ich alle weiteren Ehrengäste sehr herzlich.

Ich freue mich sehr, dass Sie alle meiner Einladung so zahlreich gefolgt sind und hoffe, Sie sind gut und gesund ins neue Jahr gekommen.

Herzlichen Dank an „Dark Vatter un sinne Combo“ für den erfrischenden Auftakt. Wir hören und sehen später noch mehr von Euch. Mein Dank gilt auch dem Orchester der Freien Turnerschaft 1897 Niederzwehren für den musikalischen Auftakt.

Meine Damen und Herren,
nahezu kein Thema hat Kassel im vergangenen Jahr so bewegt. In den Nachtstunden rollten plötzlich Schwertransporter durch die Innenstadt. Nur wenige waren eingeweiht und kannten den genauen Startschuss für diese Maßnahme. Das Medienecho im Anschluss war riesig. Zeitungen und TV-Anstalten haben sich mit ihrer Berichterstattung geradezu überschlagen. In Kassel gehe es bergab. Und manch einer ist hierdurch ziemlich ins Schlittern geraten und hat sich gar blaue Flecken abgeholt.

Ja, liebe Gäste,
die Eisrutsche in der Treppenstraße hat im letzten Jahr für mächtig Gesprächsstoff gesorgt. Sie war während des Weihnachtsmarktes ein echter Hingucker und Anziehungspunkt für Jung und Alt. Über zwei Millionen Menschen haben unseren Weihnachtsmarkt besucht – das ist neuer Rekord. Der Kasseler Märchenweihnachtsmarkt gilt zu Recht als einer der schönsten Weihnachtsmärkte in Deutschland.

Meine Damen und Herren,

vom französischen Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry, Autor der märchenhaften und beliebten Erzählung "Der kleine Prinz", habe ich das folgende Zitat gefunden:

„Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen.“

Dieser Satz beschreibt, dass Prognosen allein nicht genügen, um seiner Verantwortung gerecht zu werden. Vielmehr handelt derjenige verantwortlich, der gestaltet, Impulse gibt, Wege in eine gute Zukunft ebnet.

Wissen muss man allerdings, wohin der Weg führen soll. Denn ohne passendes Ziel, sprich eine zeitgemäße Strategie, weiß keiner, wohin die Reise der nächsten Jahre gehen soll. Dieses Ziel haben wir in der Stadtverwaltung im zurückliegenden Jahr definiert. Wir haben eine Idee entwickelt, wie unser Zuhause in den nächsten Jahren aussehen soll. Auch deswegen war 2018 das Jahr der Grundlagen.

Dabei galt es, die Herausforderungen der Globalisierung, der Internationalisierung, der Digitalisierung, der demographischen Entwicklung, des Klimawandels und dem Trend zur Urbanisierung, aber auch der menschlichen Sehnsucht nach Entschleunigung in dieser so schnelllebigen Zeit, zu berücksichtigen.

Wie sieht unser Ziel – das beste Zuhause – nun aus? Wir wollen das Wohnen der Zukunft, die Mobilität der Zukunft, die Arbeit und Bildung der Zukunft und die Digitalisierung in unserer Stadt, das „smarte Kassel“, möglich machen. Kurzum: Wohnen und Mobilität, Arbeit und Bildung, smartes Kassel. Zu diesen Zielen sind wir aufgebrochen; die ersten Schritte sind gemacht – auch deswegen war 2018 das Jahr der Grundlagen.

Wir brauchen keine Angst zu haben vor diesen Herausforderungen. Kassel hat in seiner langen Stadtgeschichte schließlich bewiesen, dass wir schon ganz andere Herkulesaufgaben gemeistert haben.

Unter uns gibt es noch Menschen, die die verheerende Zerstörung unserer Stadt am 22. Oktober 1943 miterlebt haben. Im vergangenen Jahr, 75 Jahre später, hat unsere Stadtgesellschaft der schrecklichen Ereignisse und der damit verbundenen menschlichen Tragödien gedacht. Es war ein eindrucksvolles und wichtiges Erinnern. Ein Erinnern an die Folgen dieses, von Nazi-Deutschland angezettelten, schrecklichen Weltkrieges und millionenfachen Völkermordes; eines Bruchs mit unserer Zivilisation, der weltweit 60 Millionen Menschen das Leben gekostet hat.

Dieses Erinnern – auch an die Entwicklungen nach dem Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren, die mit ursächlich für den Zweiten Weltkrieg waren - ist heute wichtiger denn je. Wer die Ausstellung „1918 – Zwischen Niederlage und Neubeginn“ in unserem Stadtmuseum und dem Hessischen Landesmuseum noch nicht besucht hat, dem empfehle ich, dies nachzuholen. Denn wir erinnern uns auch, um die Anfänge gefährlicher Entwicklungen zu erkennen, die unserer Gesellschaft und unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung schaden können.

Dieses Erinnern soll uns aber auch Mut machen. Denn nachdem vor 75 Jahren das damals in rund 1.000 Jahren gewachsene Kassel unter Trümmern begraben lag, haben unsere Großeltern, Eltern – und einige, die heute unter uns sind – trotz Armut, Hunger und großer menschlicher Not die Ärmel hochgekrempelt und unsere Stadt nach und nach wiederaufgebaut.

Eine, damals gerade einmal 20 Jahre jung, die bis zur Erschöpfung schuftete, ist Ursula Schultz. Gemeinsam mit ihrer Familie half sie, Straßen von Trümmern zu befreien, Fenster, Türen und noch weiteres brauchbares Material zusammenzutragen, um daraus neue Behausungen zu bauen oder beschädigte Häuser wieder bewohnbar zu machen. Die heute 95-Jährige half auch mit, den Casseler Schwimmverein Kurhessen (CSK 98) samt Vereinsheim an der Fulda wieder mit aufzubauen. Sie ist auch eine Pionierin der Sportstadt Kassel.



Liebe Frau Schultz,
es freut mich sehr, dass Sie heute in unser Rathaus gekommen sind. Sie stehen stellvertretend für die Menschen in den Nachkriegsjahren, die halfen, unsere Stadt wieder bewohnbar und lebenswert zu machen und damit die Grundsteine für unser heutiges Zuhause gelegt haben. Vielen Dank für Ihre Leistung und die Ihrer Generation. Diese soll uns heute ein Vorbild sein, gemeinsam weiter an der Zukunft unserer Stadt zu bauen. Sie sind eine Baumeisterin im wahrsten Sinne.

Meine Damen und Herren,
nach den Zerstörungen des Krieges zählte Kassel nur noch rund 71.000 Einwohner. Heute sind es wieder 205.076 Einwohner. Das ist erneut ein Zuwachs von mehr als 1.000 Menschen im Vergleich zum vorherigen Jahr. Im Vergleich zu den Prognosen von vor zehn Jahren der Bertelsmann-Studie zur demographischen Entwicklung für 2019 sind es gar 30.000 Einwohner mehr. Kassel wächst also weiter.

Grund für diese sehr erfreuliche Entwicklung ist, dass es sich in Kassel gut leben und wohnen lässt. Das soll auch in Zukunft möglich sein.

Wir arbeiten deshalb – gemeinsam mit den Wohnungsbaugesellschaften und privaten Investoren – an einer deutlichen Steigerung von Wohnbauprojekten. Unter anderem in Süsterfeld, am Lossegrund, am Feldlager, am Felsenkeller, an der Dönche und auf dem Areal der Jägerkaserne. Aktuell sind rund 8.000 Wohnungen vom Einfamilienhaus bis zur Sozialwohnung in der konkreten Planung beziehungsweise bereits im Bau.
So entstehen nicht nur Baugebiete, die auch jungen Familien zugutekommen sollen, sondern wir setzen beispielsweise bei der Bebauung von Grundstücken für Mehrfamilienhäuser am Feldlager auch eine Sozialwohnungsquote von knapp 34 Prozent um – dies ist ein wichtiges Zeichen. Auch anderenorts wird diese derzeit je nach einzelnem Bauvorhaben verhandelt.

Mit unserer eigenen Wohnungsbaugesellschaft entwickeln wir am Lossegrund ein ganz neues Quartier mit 127 Mietwohnungen und 45 Eigenheimen. Die Stadt stellt der GWG das notwendige Grundstück als Kapitaleinlage kostenfrei bebaubar zur Verfügung. Auch hier ist selbstverständlich ein angemessener Anteil an preisgünstigen Sozialwohnungen vorgesehen.

Und während die Bundesregierung sich gezwungen sah, bei der Mietpreisbremse noch einmal nachzubessern, setzen wir bei der GWG auch hier Zeichen: Mindestens in den nächsten drei Jahren wird es keine Mieterhöhungen über ein Prozent jährlich geben.

Dies alles sind wichtige wohnungspolitische Maßnahmen, die wir bereits möglich gemacht oder für die wir im Jahr 2018 die Grundlagen geschaffen haben. Das wird für viele Menschen im wahrsten Sinne des Wortes zum besten Zuhause beitragen.

Liebe Gäste,
für 205.000 Menschen gilt es aber nicht nur Wohnen, sondern auch Mobilität zukunftsgerecht zu organisieren. Diese muss nicht nur den täglichen Anforderungen der Menschen in Beruf und Freizeit sowie dem Klimawandel und unserer Gesundheit gerecht werden.
Sondern die Mobilität von Morgen muss auch intelligent sein, das heißt die neuen technischen Möglichkeiten miteinander verknüpfen und schlussendlich ab und an auch der Sehnsucht nach Entschleunigung, mal raus aus der Hektik, genügen.

Wir investieren jährlich viele Millionen Euro in unsere Verkehrsinfrastruktur: In Straßen, Brücken, unsere Ampelsteuerung, den ÖPNV mit Bussen und Bahnen und in unsere Radwege und Gehwege. Daneben investieren wir aber auch ganz wesentlich in die Aufenthaltsqualität unserer Verkehrsräume. Mit der Goethestraße, der Friedrich-Ebert-Straße, der Druseltalstraße, den Drei Brücken an der Wolfhager Straße, der Wilhelmshöher Allee und unserer guten Stube, der Oberen Königsstraße, sowie künftig deren Verbindung, dem Brüder-Grimm-Platz, seien hier nur einige größere Projekte genannt. Investitionen in unsere Straßen, Plätze und deren Aufenthaltsqualität werden auch in Zukunft einen Schwerpunkt im städtischen Haushalt bilden. Zwar wird die Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung, künftig auf die Erhebung von Straßenausbaubeiträgen zu verzichten, dieses Vorhaben nicht leichter machen. Die Verwaltung wird die Entscheidung der Vertreter des obersten Souveräns unserer Stadt natürlich trotzdem umsetzen und Lösungen erarbeiten.

Insbesondere der Radverkehr wird – nicht erst aufgrund des anhängigen Bürgerbegehrens – künftig eine besondere Rolle spielen. Denn das sieht bereits der beschlossene Verkehrsentwicklungsplan 2030 vor. Ich freue mich jedenfalls über das große Engagement derjenigen, die mehr Radverkehr in Kassel fordern und fördern wollen. 21.000 Unterschriften sind ein mächtiger Beweis dafür.
Das möchte ich würdigen und kündige an, dass wir die große Bedeutung des Radverkehrs in diesem Jahr erstmals mit einem besonderen Tag in der Stadt, einem Fest auf dem Sattel, einer Sternfahrt oder Tour de Kassel für die ganze Familie, begehen wollen. Was für unseren Marathon und das Altstadtfest gilt, soll an diesem Tag auch für den Radverkehr in unserer Stadt gelten: Keine Kraftfahrzeuge, sondern Fahrräder auf der Straße. Dieses Vorhaben habe ich den Initiatoren des Radentscheids bereits angekündigt und lade gerne alle diejenigen, die gemeinsam mit uns diesen Tag organisieren wollen, dazu ein.

Eine Chance bietet auch der vor dem Hintergrund des Eisenbahnkreuzungsrechts notwendige Umbau der drei Brücken an der Wolfhager Straße. Durch die geplante Aufweitung der Brückenbauwerke wäre es möglich, künftig größere Fahrzeuge entlang der Wolfhager Straße fahren zu lassen. Wenn es nach dem Oberbürgermeister geht, am liebsten Schienenfahrzeuge der Kasseler Verkehrs-Gesellschaft. Eine Straßenbahnverbindung aus der Innenstadt nach Harleshausen entlang der Wolfhager Straße wäre nicht nur ein sinnvolles Mobilitätsprojekt, sondern eine herausragende und zukunftsweisende Maßnahme der Stadtentwicklung zwischen dem Holländischen Platz und der Kurt-Schumacher-Straße für die Stadtteile Rothenditmold, Kirchditmold und Harleshausen.

Meine Damen und Herren,
die Mobilitätswende lässt sich bekanntlich nicht losgelöst von der Energiewende betrachten. Um diese erfolgreich und nachhaltig zu bewältigen, bedarf es neuer innovativer Lösungen für Energiewirtschaft und Energiesysteme.
Der Standort Kassel spielt in der Energiewirtschaft eine herausragende Rolle in unserem Land: bei den konventionellen Energieerzeugern und Energiehandelsunternehmen, im Bereich der erneuerbaren Energien und auch im Bereich der Versorgungsunternehmen. Mit Fug und Recht kann man behaupten, diese Unternehmen sind in der Welt unterwegs und in Kassel zuhause. Kassel ist damit wahrlich die Stadt der Energie. Das Besondere ist aber, dass wir im Bereich der Energiefrage auch in Wissenschaft und Forschung ein herausragender Standort sind.

Das liegt am Flaggschiff für Forschung, Innovation und Entwicklung in Kassel, unserem Fraunhofer Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik.




Meine Damen und Herren,
das IEE zählt zu den weltweit renommiertesten Forschungszentren für die globale Energiewende. Entstanden aus einer Ausgründung aus der Universität Kassel durch Prof. Dr. Werner Kleinkauf hat das vor 30 Jahren gegründete Institut vieles an Gegenwart und Zukunftsaussichten erst möglich gemacht – den Aufwind für Erneuerbare Energien und den Weg in die Energiewende.

Sehr geehrter Herr Prof. Hoffmann,
auf der Baustelle des Fraunhofer IEE müssen noch viele Steine bewegt werden. Einen schwergewichtigen Baumeister-Stein möchte ich Ihnen heute überreichen, weil der Startschuss für die Neuansiedlung auf dem Gewerbeareal am Kulturbahnhof von größter wirtschafts- und stadtentwicklungspolitischer Bedeutung für Kassel ist.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
2018 war wirtschaftlich erneut ein sehr gutes Jahr für unsere Stadt. Kassel hat wiederholt von der großen Bandbreite der hier ansässigen Unternehmen, deren Leistungsstärke und der positiven Konjunktur profitiert. Ich freue mich, heute ein weiteres Rekordergebnis der Gewerbesteuererträge verkünden zu können. Nach 170,1 Millionen Euro in 2017 konnten wir in 2018 knapp 173 Millionen Euro verbuchen.
Auch wenn es angesichts solcher Zahlen immer schwerer fällt, sollten wir uns aber stets bewusst sein, dass jährliche Steigerungen der Gewerbesteuererträge keine Selbstverständlichkeit sind. Zum einen könnte die bislang anhaltend positive Konjunktur nach Prognosen einiger Wirtschaftsweiser schon in diesem Jahr schwächeln. Viele Konzerne und Unternehmen dämpfen bereits ihre Gewinnerwartungen. Zum anderen können die Schwankungen der Gewerbesteuer auch aufgrund einzelner, unternehmensbezogener Entwicklungen begründet sein.
Schwarzmalerei ist trotz drohender Risiken wie dem Brexit oder möglichen Handelskonflikten zwar nach wie vor fehl am Platz, jedoch ist natürlich auch Kassel nicht vor den Auswirkungen solcher Ereignisse gefeit.
Haushalten mit Augenmaß im Sinne eines vorsichtigen Kaufmanns ist daher nach wie vor meine Maxime.

Auch die Arbeitsmarktzahlen bleiben erfreulich. So viele Menschen wie schon lange nicht mehr haben Arbeit in unserer Stadt. Zum Jahresende ist die Arbeitslosenquote unter die Sieben-Prozent-Marke, auf 6,7 Prozent, gerutscht. Rekord!
Übrigens glänzt die Kasseler Wirtschaft auch bei der Ausbildung des Nachwuchses: Kassel wurde als beliebteste Ausbildungsstadt Deutschlands gekürt.

Es ist Aufgabe der Stadt, weiterhin gute Rahmenbedingungen und Entfaltungsmöglichkeiten für die Wirtschaft zu bieten. Auch hier gilt: Wir müssen die Zukunft möglich machen.

Die Zukunft möglich macht beispielsweise auch die Ansiedlung des erfolgreichen Kasseler Familienunternehmens Jordan, das in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiert. Indem es seinen Hauptsitz in Kassel im Gewerbepark Kassel-Niederzwehren weiter ausbauen wird, werden die durch den Umzug freiwerdenden Flächen in Süsterfeld für neue Wohnbebauung genutzt. Verknüpfung von Wirtschaft und Wohnen der Zukunft, eine echte win-win-Situation.

Weiterentwickelt haben wir auch die Perspektive am Kassel Airport: Gemeinsam mit der Gemeinde Calden und dem Landkreis Kassel als kommunale Gesellschafter werden wir im Bereich des alten Flughafens ein interkommunales Gewerbegebiet entwickeln. Die bereits jetzt dort angesiedelten Betriebe erwirtschaften mit ihren über 1.000 Mitarbeitern ein Steueraufkommen von über 50,1 Millionen Euro. Mit der Ansiedlung weiterer, vorrangig luftfahrtaffiner Unternehmen im neuen Gewerbegebiet werden neue qualifizierte Arbeitsplätze geschaffen. Dies stärkt den Standort Flughafen, unsere Region und damit auch die Stadt Kassel.

Liebe Gäste,
in unserem Eingangsfilm haben Sie mich in Gedanken an das smarte Kassel und im Dialog mit Alexa gesehen.
Mal ehrlich, wer von Ihnen hat schon eine Alexa oder dergleichen zu Hause?
Stellen Sie sich vor, ich hätte tatsächlich eine Alexa; die im Film habe ich mir nur ausgeliehen.

Wer glaubt, das sei eine abstruse Zukunftsvision, der irrt. Denn die Digitalisierung hat unser Leben – ähnlich wie seinerzeit die Industrialisierung und Elektrifizierung – bereits voll erfasst, durchdringt es in allen Lebensbereichen und gesellschaftlichen Handlungsfeldern: Die Art, wie wir uns informieren und austauschen, wie wir arbeiten, wie wir uns bilden, wie wir bezahlen, wie wir uns orientieren und uns fortbewegen, die Art wie wir zusammenleben. Wichtig ist aus meiner Sicht nur, dass der Mensch dabei im Mittelpunkt bleibt.
Die Digitalisierung muss uns Nutzen bringen, es darf keine Digitalisierung allein der Digitalisierung wegen geben. Denn auch digitaler Quatsch bleibt Quatsch. Deshalb soll es bei uns in Kassel schon dem Begriff nach keine bloß „kalte“ Digitalisierung geben, sondern wir wollen sie vielmehr smart umsetzen, eben intelligent, schlau und gewitzt.

Die Grundlage für ein smartes Kassel ist aber zunächst einmal, einen Zugang zu digitalen Infrastrukturen zu schaffen und sicherzustellen. Wir werden ein zukunftsfähiges Glasfasernetz mit solider Wirtschaftlichkeit für Kassel aufbauen. Weite Teile der Industriegebiete in Kassel sind oder werden bereits ebenfalls wie die City mit Glasfaser erschlossen.
In den kommenden fünf Jahren sollen in unserer Stadt Schulen, öffentliche Einrichtungen, Krankenhäuser, Banken und die Sparkasse sowie Licht- und Ampelanlagen direkt an das Glasfasernetz angebunden sein; schließlich das ganze Stadtgebiet.

Damit können wir später einmal Telemedizin, automatisierte Hausassistenten für altersgerechte Wohnungen, eine bürgerfreundlichere Parkplatzbewirtschaftung, umfassende digitale Bezahlsysteme und vielleicht sogar autonomes Fahren ermöglichen.

Das gilt auch für intelligent vernetzte Mobilität. In den kommenden zwei Jahren werden bereits 60 Ampelkreuzungen im Stadtgebiet mit innovativer Kommunikationstechnik vollständig ausgerüstet sein. Die sogenannten sprechenden Ampeln vernetzen sich mit den Fahrzeugen und leiten sie sicher und effizient durch den Verkehr. Über diese neuen Kommunikationssysteme sollen Fahrer künftig auch rechtzeitig darüber informiert werden, ob sie die nächste Grünphase noch erreichen oder nicht. Entsprechend können sie ihr Tempo und ihre Fahrweise rechtzeitig der Verkehrssituation anpassen. Das kommt auch der Umwelt zugute. Profitieren werden am Ende aber auch andere Verkehrsteilnehmer. Da durch die effizientere Verkehrssteuerung Zeit gewonnen wird, können die Ampelzeiten für Fußgänger und Radfahrer optimiert werden.

Meine Damen und Herren,
eine für Kassel smarte Zukunft möglich machen. Deswegen sehe ich es letztlich auch als unsere Aufgabe an, Impulse zu geben.

Wir bringen Akteure aus Verwaltung, dem Stadtkonzern, Wirtschaftsunternehmen und weiteren Institutionen zu einem Smart Kassel Council zusammen, um kommunale Anwendungsbeispiele für zukunftsweisende Produkte und definierte Themengebiete wie zum Beispiel die E-Mobilität gemeinsam voranzubringen.

Liebe Gäste,
glauben Sie, ‘s Alexa versteht auch unseren Dialekt, die Kasseler Mundart? Ich honns usprobieret. Es kann‘s nit!
Zu Kassel, unserer Identität, gehört er aber, der charmante Kasseläner Dialekt, der auch musikalisch einiges hermacht.



Sprachforscher sehen die Vielfalt der Dialekte in Deutschland bedroht. In Kassel gibt es zum Glück viele Initiativen, die dem etwas entgegensetzen. Längst sind zum Beispiel Grimms Märchen auch in einer nordhessischen Variante verfügbar. Und Dark Vatter und sinne Combo sind zwar nicht die ersten, die unseren Dialekt auf die Bühne gebracht haben. Aber als Timo Israng vor rund neun Jahren die ersten Texte in Mundart niederschrieb, konnte er kaum ahnen, was er auslösen würde. Fünf Alben und ungezählte Auftritte später ist klar: Die Symbiose der amerikanischen Südstaaten mit den Kasseler Bergen ist gelungen, Wortkreationen wie der Gaageschnuddenrockenroll mussten ins Mundartwörterbuch aufgenommen werden, um den neuen Musikstil zu beschreiben.

Ich bin froh, dass Dark Vatter und sinner Combo gelungen ist, mit ihrer Musik ein Kasseler Wir-Gefühl zu schaffen und die Kasseler Mundart so populär zu machen. Das steht unserer Stadt, in der der Kulturpreis Deutsche Sprache verliehen wird, gut zu Gesicht.
Herzlichen Glückwunsch an Nina und Timo Israng, Oliver Schenk, Julian Schambach und Timo Färber. Dark Vatter un sinne Combo sind Baumeister 2018!

Meine Damen und Herren,
unserer Kasseler Dialekt ist ja leider noch kein Schulfach. Aber was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr ist nicht nur diesbezüglich eine wahre Volksweise. Deshalb ist es mir ein ernstes Anliegen, bei unserem strategischen Ziel Bildung in den nächsten Jahren einen besonderen Fokus auf die Schulbausanierung zu legen. Wir haben hier zwar in den vergangenen Jahren auch einiges im Rahmen unserer Möglichkeiten getan. Doch das reicht nicht aus. Ich habe mir im letzten Jahr persönlich ein Bild hiervon gemacht. Der Zustand unserer Schulbauten, zumal einige in den 1970-er Jahren errichtet wurden, entspricht bei weitem nicht mehr den Anforderungen an zeitgemäße Bildungseinrichtungen. Und wenn wir wie heute über Zukunft sprechen, sollten wir insbesondere an unsere Kinder denken. Sie brauchen intakte und gut ausgestattete Schulen, in denen es sich gut lernen lässt.

Die Frage war nur, wie können wir die erforderlichen Mittel stemmen, wenn uns im investiven Bereich unseres Haushaltes nach wie vor die Hände gebunden sind, weil wir keine Nettoneuverschuldung zulassen dürfen und bislang auch noch so großzügige Investitionsförderprogramme von Bund und Land hierzu nicht ausreichen.

Um diese Aufgabe zu lösen, mussten wir neue, kreative Wege gehen.

Dazu haben wir zunächst im letzten Jahr unter dem Dach des städtischen Unternehmens, das die höchste Affinität zum Bauen aufweist, der GWG, mit der Projektentwicklungsgesellschaft GWGpro als deren Tochter die Grundlage geschaffen.

Diese wird die Sanierung von Schulbauten als Bauherrin finanzieren. Im städtischen Haushalt werden dann, stark vereinfacht ausgedrückt, die Investitionskosten durch Mietzinszahlungen auf Dauer der Gebäudenutzung ersetzt.

Ich bin zwar aus unterschiedlichen Gründen kein besonderer Freund von Öffentlich-Privaten-Partnerschaftsmodellen, aber hier handelt es sich um ein ÖPP-Modell mit unserer eigenen Enkeltochter, auf die wir unmittelbaren Einfluss haben und nicht um ein Modell mit einem Dritten außerhalb der Einflusssphäre der Stadt Kassel.

Unsere neue Gesellschaft wird selbstverständlich Hand in Hand mit unserem Hochbauamt arbeiten. Hier sind Stadtbaurat Christof Nolda und ich uns einig. Zudem werden wir nicht alle Schulen über dieses Modell sanieren, sondern sozusagen nur die „dickeren Brocken“.

Erforderlich ist natürlich auch eine sehr enge Abstimmung mit unserem Amt für Schule und Bildung. Denn hier müssen die Anforderungen an die Schule von morgen definiert werden.

An dieser Stelle möchte ich mich bei einer lieben Kollegin, die diesen Weg eigentlich mit uns gemeinsam weitergehen wollte, aber nunmehr eine anderweitige Berufung erfahren hat, herzlich für 15 Jahre im Dienst der Stadt Kassel bedanken.
Liebe Anne, Du hast in dieser Zeit viel für Kassel getan und Dich um unsere Stadt verdient gemacht. Ich beglückwünsche Dich zu Deiner Berufung als Staatssekretärin im Hessischen Ministerium für Soziales und Integration und wünsche Dir für Deine neue Aufgabe in Wiesbaden von Herzen alles Gute.

Meine Damen und Herren,
nicht eine düstere Zukunft vorhersagen wollen, sondern vielmehr eine gute Zukunft möglich machen. 2018 gab es auch in Sachen documenta für mich nie einen Zweifel daran.

Erinnern Sie sich noch an den Mediensturm, an die düsteren Voraussagen, das Erbe Arnold Bodes sei in Gefahr, die documenta völlig am Ende, Kassel werde den Rang als weltweit renommierte Kunst- und Kulturstadt verlieren?

Ich will nicht verhehlen, dass harte Arbeit, viele Gespräche und Überzeugungskunst nötig waren, um heute sagen zu können:
Wir können nun alle wieder selbstbewusst und freudig in die Zukunft der documenta blicken. Zunächst wurde ein Übergangsgeschäftsführer eingestellt, dann die neue vielversprechende Generaldirektorin Dr. Sabine Schormann unter vielen, auch internationalen Bewerbungen ausgewählt und für das Fridericianum mit Moritz Wesseler ebenfalls eine namhafte neue Leitung gewonnen. Auf Grundlage einer Strukturanalyse wurde die Gesellschaft zeitgemäß reorganisiert, ein effizientes Controlling aufgebaut, neue Stellen geschaffen, ein neuer kaufmännischer Leiter eingestellt, eine Pressesprecherin dauerhaft implementiert, vor allem eine auskömmliche und solide Finanzierung der nächsten documenta vorbereitet. Und schließlich wurde für ein Außenkunstwerk der documenta 14 auch noch ein gutes Zuhause gefunden.
Ich bin nicht der Meinung, dass so wahnsinnig dumme Fehler aussehen…

Die documenta 15 wird dann bekanntlich vom 18. Juni bis 25. September 2022 in Kassel stattfinden. Im Frühjahr dieses Jahres werden wir erfahren, wer die künstlerische Leitung übernehmen wird. Wir sind gespannt.

Mit Freude schauen wir nicht nur auf die Zukunft von documenta und Fridericianum, sondern auch auf die der GRIMMWELT, die mit Peter Stohler ebenfalls wie beide vorgenannten Einrichtungen nun endlich unter namhafter neuer Leitung steht.

Meine Damen und Herren,
nicht nur bei der documenta, sondern auch bei Weihnachtsmarkt, Volksfesten und anderen Veranstaltungen ist das Thema Sicherheit hochaktuell.

Sicherheit ist ein grundlegendes Bedürfnis und Voraussetzung für unsere Lebensqualität. In Kassel kümmern sich tagtäglich Menschen mit großem Engagement um unseren Schutz. Ob haupt- oder ehrenamtlich, in der Feuerwehr, bei Polizei und Ordnungsamt, in den Rettungsdiensten und in zahlreichen Hilfsorganisationen: ihnen allen gebührt unser herzlicher Dank!

Zwei Garanten für Sicherheit möchte ich Ihnen heute – exemplarisch für diejenigen, die mitunter das eigene Leben in Gefahr bringen, um Schutz und Hilfe für unsere Bevölkerung zu gewährleisten – vorstellen.




Meine Damen und Herren,
wie breit und vielfältig das Einsatzgebiet der Feuerwehren inzwischen geworden ist, haben wir im vergangenen Jahr häufiger erlebt. Ein Einsatz, bei dem die Kasseler Berufsfeuerwehr und alle sieben Freiwilligen Wehren ausrücken mussten, war der Fund eines Blindgängers in der Fünffensterstraße. Die Alarmierung erfolgte in der Mittagszeit, am Abend wurden etwa 1.500 Anwohner evakuiert und schließlich die Weltkriegsbombe erfolgreich entschärft. Über den gesamten Zeitraum waren rund 300 haupt- und ehrenamtliche Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdiensten im Einsatz.

Dieser Einsatz steht exemplarisch dafür, wie wichtig es ist, dass wir auf die Hilfe der Freiwilligen Feuerwehr Kassel bauen können. Die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr - über 240 Frauen und Männer - opfern ihre freie Zeit dem Dienst am Nächsten. Sie sind bereit, im Notfall ihre eigene Gesundheit zu riskieren, um andere zu retten und Schaden abzuwenden.

Zukunft möglich machen: Dafür steht auch die Jugendarbeit der Freiwilligen Feuerwehr. Fast 130 Jugendliche und 50 Kinder nutzen sinnvoll ihre Freizeit und erhalten im Gegenzug jede Menge Spaß und Action.

Liebe Alexandra Emde als Kinderfeuerwehrwartin und lieber Jörg Straßer als Stadtbrandinspektor,
stellvertretend für alle Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Kassel möchte ich Euch heute meinen Dank und tiefen Respekt für Eure großartige Arbeit aussprechen. Ihr seid Baumeister, die uns ruhiger schlafen lassen.

Liebe Gäste,
was wäre unsere Stadt ohne diejenigen, die sich wie die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr in verschiedensten Bereichen ehrenamtlich engagieren? Fast 30.000 Menschen, also mehr als jeder Siebte, ist in Kassel ehrenamtlich tätig. Darauf bin ich als Oberbürgermeister besonders stolz, dafür bin ich dankbar.

Denn dieses Engagement ist alles andere als selbstverständlich. Die Belastungen im Alltag sind groß: Jeder von uns muss in verschiedenen Rollen funktionieren. Da wird Zeit zum wichtigsten Kapital. Wer seine Zeit nutzt, um sich zu engagieren, verdient deswegen Respekt.

Über ein Jahr haben Inès Hallouz und Michelle Gancarz zusammen trainiert, damit Michelle, die seit frühester Kindheit im Rollstuhl sitzt, das Deutsche Sportabzeichen ablegen kann. Denn dank einer Kooperation zwischen dem Sportkreis Kassel, dem Landessportbund Hessen und dem Kuratorium Aktion für behinderte Menschen können seit 2018 auch Menschen mit Behinderung den mehr als hundert Jahre alten Nachweis für sportliche Fitness ablegen.

Dies ist nicht die einzige ehrenamtliche Tätigkeit von Inés, die heute leider nicht hier sein kann, weil sie gerade zu einem Kampfrichter-Lehrgang der Sportakrobatik unterwegs ist. Ihren Baumeister-Preis wird heute Heike Sokoll vom Sportkreis Kassel entgegennehmen, der es mit ihrer gewinnenden Art immer wieder gelingt, Ehrenamtliche zu finden, die bei verschiedenen Projekten helfen. Davon profitiert auch unsere Sportstadt Kassel enorm. Herzlichen Glückwunsch!

Meine Damen und Herren,
die Zukunft möglich machen – das bedeutet für mich nach wie vor, Kassel für alle zum besten Zuhause zu machen. 2018 war das Jahr der Grundlagen. Lassen Sie uns in 2019 gemeinsam auf diesen aufbauen.
Die Stadt Kassel kann – ich habe es eingangs gesagt – Impulse geben und Wege ebnen. Aber es benötigt starke Partner, um große Ziele zu verwirklichen. Und es braucht eine Stadtgesellschaft, die füreinander einsteht. Jeder Einzelne kann mitbauen am besten Zuhause, kann seinen Baustein an der richtigen Stelle einsetzen. Die Baumeister, die wir heute ausgezeichnet haben, stehen dafür als Beispiele.

Meine Damen und Herren,
vor uns liegt ein spannendes Jahr. Lassen Sie uns die Zukunft möglich machen!

Ich wünsche uns allen ein gesundes und glückliches und erfolgreiches Jahr 2019.

Veröffentlicht am:   14. 02. 2019  

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