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Empfang für Botschafter aus Namibia
25. Februar 2005
Exzellenz,
Sehr geehrter Herr Botschafter Rumpf,
sehr geehrte Frau Stadtverordnetenvorsteherin Schmarsow,
meine Damen und Herren,
im Namen der Stadt Kassel darf ich Sie ganz herzlich hier bei uns in der documenta-Stadt Kassel, in der Mitte Deutschlands, willkommen heißen.
In den vergangenen Jahren waren in Kassel Botschafter aus einigen Ländern zu Besuch, darunter auch aus den beiden bevölkerungsreichsten Staaten China und Indien mit jeweils über 1 Milliarde Menschen.
Dagegen nimmt sich Namibia mit seinen 1,8 Millionen Menschen eher klein aus.
Angesichts dessen verwundert es nicht, dass in Kassel auch nur ein einziger Bürger mit namibischer Staatsbürgerschaft zu Hause ist.
Und trotzdem haben wir in Deutschland eine traditionelle Verbundenheit in Ihr Land, Exzellenz, und die wollen wir heute wieder unterstreichen.
Und vor allem gibt es eine Verbindung nach Kassel:
Denn Sie sind ja heute auf Einladung des Lions Clubs Brüder-Grimm in unserer Stadt, um Heute abend die Festrede beim traditionellen Brüder Grimm-Mahl zu halten.
Ich darf deshalb stellvertretend für den Lions Club dessen Präsidenten, Sie, sehr geehrter Herr Dietrich, ganz besonders begrüßen.
Auch Magistrat und Stadtverordnetenversammlung sind vertreten:
Aus dem Magistrat sind zugegen die Stadträtinnen Frau Haß und Frau Mahrt sowie die Stadträte Herr Barroso und Herr Schramm.
Aus der Stadtverordnetenversammlung sind neben der Vorsteherin anwesend die Stadtverordneten Frau Schäfer, Herr Drubel und Herr Häfner.
Meine Damen und Herren,
lassen Sie uns zunächst noch etwas über Namibia reden – zuerst über die Unterschiede:
Das Land ist mehr als doppelt so groß wie Deutschland, hat aber nur 1,8 Mio Einwohner.
Das bedeutet, dass bei uns 229 Einwohner pro Qkm, in Namibia aber nur 1,9.
Wir sind viele Tausend Kilometer auseinander;
Namibia hat ein ganz anderes Klima – übrigens gerade jetzt!
Aber trotz dieser großen Gegensätze gibt es auch Parallelen:
In Namibia sind zum Beispiel 82 Prozent der Menschen Christen, davon die meisten evangelisch – also ganz ähnlich wie hier.
Manches Stadtbild mit seinen Kirchen wird uns ganz heimisch vorkommen.
Und all das kommt natürlich von einem Stück gemeinsamer Vergangenheit.
Namibia war deutsche Kolonie von 1884 bis Erster Weltkrieg.
Wobei man ja deutlich sagen muss, dass Imperialismus ganz sicher keine „gute alte Zeit“ war.
Man muss daran erinnern, dass die geistige Wurzel des Imperialismus in der Auffassung lag, dass große Nationen mit dem Willen zur Macht und der Bereitschaft zum Kampf ums Dasein zur Herrschaft über minderwertige Völker bestimmt sind – das ist ohne Frage ein gefährliches Gedankengut!
Es gab auch viele Tote in jener Zeit, in den Herero- und Hottentotten-Aufständen.
Dies ist alles lange vorbei.
Die deutsche Kolonialzeit ging mit dem ersten Weltkrieg 1918 endgültig zu Ende, wobei es für Namibia noch bis 1990 bis zur Unabhängigkeit dauerte.
Aber aus der Vergangenheit stammt eine bis heute anhaltende Verbindung:
20.000 Menschen deutscher Abstammung leben in Namibia, die Deutsche Sprache ist also verankert.
Und etwas anderes ist hinzugekommen:
Namibia ist ein beliebtes Reiseziel für Deutsche geworden:
Der Tourismus macht uns neu miteinander bekannt, und das wird in den kommenden Jahren sicherlich noch stärker so sein.
Exzellenz,
Kassel ist bald 1100 Jahre alt und hat eine große Geschichte als Residenzstadt von 24 Landgrafen und Kurfürsten.
Wir hatten sogar schon mal einen französischen König, Jerome, der Neffe Napoleons.
Er ist – weil er wenig Deutsch konnte und immer den Spruch „und morgen wieder lustig“ – als König Lustig in unsere Geschichte eingegangen.
Unser bekanntestes Motto lautet „Ab nach Kassel“.
Es soll vor 229 Jahren ein militärischer Befehl gewesen sein, heute ist es eine Einladung.
Menschen aus Kassel haben es – und damit sind wir bei Ihrem Thema, den Innovationen - zu Weltruhm gebracht.
So stammt der Begründer der englischen Nachrichtenagentur Reuter´s aus Kassel.
Unsere größten Söhne sind die Brüder Grimm, die mehrere Jahrzehnte ihres Lebens hier lebten und arbeiteten.
Auch Grimms Märchen wurden hier in Kassel niedergeschrieben.
Die Kinder- und Hausmärchen sind nach der Bibel das in die meisten Sprachen der Welt übersetzte Buch – gerade aus Japan sind immer wieder Besuchergruppen in Kassel, um auf den Spuren der Grimms zu wandeln.
Kassel ist eine traditionsreiche Industriestadt.
Hier legte Carl Anton Henschel den Grundstein für das Weltunternehmen Henschel.
In Kassel wurde die Dampflok „Drache“ erfunden, hier wurden zigtausende Lokomotiven gebaut.
Heute ist es Thyssen Transrapid, auf dem noch die meisten Hoffnungen ruhen.
Das gilt jedenfalls dann, wenn die Innovation Transrapid auch tatsächlich eine Chance erhält, angewendet wird.
Das geht nur mit einer Strecke in Deutschland.
Kassel ist auch eine Stadt der Luftfahrtindustrie gewesen – dafür steht schon der Name Fieseler Storch..
Allerdings war das auch der Grund für die dunkelste Stunde Kassels.
Als Zentrum der Rüstungsindustrie geriet es im Zweiten Weltkrieg ins Visier.
Kassel, das bis dahin eine der schönsten Städte Deutschlands mit einer alten Fachwerk-Altstadt war, wurde zu drei Vierteln zerstört.
Kassel ist aber nicht untergegangen, sondern hat sich von diesem Schlag wieder erholt.
Unsere Tradition als Stadt von Kunst und Kultur konnten wir in die Moderne retten.
Der Herkules steht schon seit 287 Jahren über der Stadt, der älteste und seinerzeit erste feste Theaterbau des Kontinents, das Ottoneum, ist schon seit über 400 Jahren Teil unserer Stadt.
Doch den Stempel aufgedrückt hat Kassel ein viel jüngeres kulturelles Ereignis:
Die weltweit größte Ausstellung moderner Kunst, die documenta.
Alle fünf Jahre macht sie Kassel zur Weltmetropole.
Für Kassel ist diese Ausstellung – was immer man von moderner Kunst halten mag – Gold wert:
Sie macht unsere Stadt international bekannt.
Und die documenta trägt dazu bei, dass wir – gerade, weil wir seit der Wiedervereinigung nicht mehr am Rand der alten Bundesrepublik liegen, sondern wieder die Mitte Deutschlands und Europas sind – einen besonders boomenden Bereich haben, und zwar im Tourismus:
Wir haben uns deshalb vorgenommen, die gastfreundlichste Stadt Deutschlands zu werden.
Ohne Ziele und Visionen kann man nichts erreichen, und das gilt gerade auch für eine Stadt, die sich 40 Jahre lang – in der Zeit der deutschen Teilung – im Abseits gefühlt hat.
Und damit nicht genug mit Visionen, sondern Kassel will auch die Kulturhauptstadt Europas 2010 werden – mit der documenta, dem Erbe der Brüder Grimm, Europas größten Bergpark mit Schloss Wilhelmshöhe, Löwenburg und Herkules sowie einer großen kulturellen Vielfalt.
Auch der Lion Club Brüder Grimm macht mit bei diesem großen Vorhaben – und wir würden uns freuen, wenn Sie, Exzellenz, auch in Namibia auf Kassel hinweisen würden.
Meine Damen und Herren,
dem Lions-Club Brüder Grimm gilt mein Dank für die Einladung und die Aktivität für unsere Kulturhauptstadt.
Ihnen, Herr Botschafter, Danke, dass Sie zu uns nach Kassel gekommen sind.
Und nun darf ich Sie bitten, sich ins Goldene Buch der Stadt Kassel einzutragen.
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