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BVO an Ernst-Ludwig Schnare

10. Dezember 2004


Sehr geehrter Herr Schnare, sehr geehrte Frau Schnare, liebe Gäste, meine Damen und Herren, im Namen der Stadt Kassel darf ich Sie sehr herzlich im Palais Bellevue der Stadt Kassel willkommen heißen.

Unser Besonderer Gruß gilt Ihnen, sehr geehrter Herr Schnare. Ihre ehrenamtlichen Verdienste - insbesondere im Verein für Volkswohl – sollen heute in besonderer Weise im Mittelpunkt stehen. Schön, dass Sie mit Familie, Mitstreitern und Freunden hierher gekommen sind. Auch der Magistrat und die Stadtverordnetenversammlung sind vertreten. Vom Magistrat sind anwesend Herr Stadtrat Barroso. Die Stadtverordnetenversammlung ist vertreten durch die Stadtverordnetenvorsteherin Frau Schmarsow, den stellvertretenden Stadtverordnetenvorsteher Herr Zumbrägel und die Stadtverordnete Frau Schäfer. Aus der Stadtverwaltung ist Herr Amtsleiter Ruchhöft vom Sozialamt dabei, ebenso begrüße ich den frühere Leiter des Gesundheitsamts, Dr. Letz. Ebenso begrüße ich besonders die Vorsitzende des Vereins für Volkswohl, Sie, liebe Frau Caroli. Sehr geehrter Herr Schnare, Einsatz für soziale Belange – das ist zeitlebens Ihr Anliegen, und zwar sowohl beruflich als ehrenamtlich – als ganzer Mensch also. Begonnen hat dieser Einsatz unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem Sie Soldat und Kriegsgefangener waren. 1946 sind Sie in den Dienst bei der Stadt Kassel eingetreten, haben das Verwaltungsseminar besucht und dieses mit der Prüfung für den gehobenen Dienst 1950 abgeschlossen. Sie rückten schnell in die Leitung des Sozialdezernates auf: Sie waren dort als Büroleiter des Sozialdezernenten bzw. bis 1974 als stellvertretender Sozialamtsleiter tätig, bevor Sie hauptamtlich die Geschäftsführung des Vereins für Volkswohl übernahmen, die Sie bis 1985 ausgeübt haben. Diese Aufgabe haben Sie allerdings schon viel früher – allerdings ehrenamtlich - übernommen, und zwar seit 1961 – damals auf Bitte des damaligen Sozialdezernenten Wündisch. 24 Jahre - eine keineswegs immer leichte, aber auf jeden Fall aber sehr ereignisreiche Zeit. Bei Ihrem Start 1961 hatte der Verein 100.000 DM Schulden. Er betrieb das Altenheim Renthof mit bis zu 100 Betten, und die Geschäftsbilanz war negativ. Mit Tatkraft und Kreativität sorgten Sie für eine Entschuldung und forcierten den Ausbau des Hauses zu einer modernen Einrichtung. Damit wurde der Ruf des Hauses, das als eine Armeneinrichtung der Stadt Kassel bezeichnet wurde, nachhaltig verbessert.

Sehr geehrte Herr Schnare, wer so etwas schafft, dem wird natürlich schnell noch mehr zugetraut. Ich möchte nur einige Beispiel von Projekten unter Ihrer Verantwortung nennen: Anfang 1970 gehörten Sie landesweit zu den Pionieren, die Werkstätten für Behinderte aufbauten. Zunächst wurde eine leerstehende Halle im Stadtteil Bettenhausen als Behindertenwerkstatt ausgebaut. 1972 folgte dann ein Neubau in der Mündener Straße. Dort entstanden 180 Arbeitsplätze. Inzwischen gibt es ja auch eine Zweigstelle im Industriepark Waldau. Und wenn man weiß, dass der Verein für Volkswohl in den Kasseler Werkstätten heute rund 450 behinderte Menschen beschäftigt, dann wird klar, was aus diesen Anfängen geworden ist. Ohne Ihre Aufbauarbeit - die durchaus auch Risiken hatte - wäre diese Leistung zugunsten der Behinderten nicht möglich gewesen. Und noch in einer weiteren Hinsicht wurden Sie zum Pionier in Kassel. 1972 wurde auf Ihre Initiative eine Kindertagesstätte für geistig Behinderte in Bettenhausen eröffnet. Der verein für Volkswohl war damit einer der Vorreiter für diese Art der Behindertenbetreuung im Kindesalter. 1974 wurde dann in Wolfsanger eine Kindertagesstätte für Körper und Mehrfachbehinderte durch den Verein für Volkswohl errichtet. Die Einrichtung wurde später in die damalige August-Fricke – heute Alexander-Schmorell-Schule, eine Schule für körperlich Behinderte, integriert. Sehr geehrter Herr Schnare, bei all Ihren Initiativen kam Ihnen Ihre Verbindung zum Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband zugute. Die Tätigkeiten im Verein für Volkswohl brachten es mit sich, dass Sie sich im DPWV ehrenamtlich einsetzten. Sie profitierten von dem dabei gewonnenen Wissen, und der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband profitierte wiederum von Ihren Kenntnissen und Ihrem umfassenden Wirken.

Sie haben dabei eine enorme Fülle von Tätigkeiten ausgeübt. Auf örtlicher Ebene waren Sie Vertreter in der Liga der freien Wohlfahrtspflege; Beisitzer in den städtischen Kommissionen für Soziales, Gesundheit und Jugend; Vertreter und 2. Vorsitzender der Nordhessischen Vereinigung für Erziehung; Mitglied und Kassenprüfer beim Kuratorium „Aktion für Behinderte“; Mitglied im Ausschuss Zivildienst, Vertreter im Anstaltsbeirat der Strafvollzugsanstalt; und Angehöriger der Arbeitsgemeinschaft Müttergenesungswerk Kassel. Im Regierungsbezirk Kassel hatten Sie die Leitung der Bezirksstelle inne. Und auf Landesebene des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes waren Sie Mitglied des Vorstands. Als solcher waren Sie unter anderem ständiger Vertreter in der hessischen Pflegesatzkommission und Referent für Behindertenfragen. Sehr geehrter Herr Schnare, Fachwissen, gekoppelt mit der Bereitschaft, neue Wege zu gehen – dies ist es, verbunden mit großem persönlichem Einsatzwillen, was Sie auszeichnet. Dieses Wirken ist insbesondere den Schwachen, alten und behinderten Menschen, zugute gekommen. Und damit auch unserem Gemeinwesen überhaupt. Denn eine menschliche Gesellschaft erweist sich in ihrem Umgang mit den Schwachen: Für Sie waren Sie Lobbyist, und das ist beispielhaft. Denn eine Gesellschaft, die nur noch nach den Regeln des Individualismus lebt, wird die Schwachen im Stich lassen und ihre Menschlichkeit verlieren. Heute nun soll Ihr Lebenswerk in besonderer Weise Ausgezeichnet werden. Der Bundespräsident Horst Köhler hat Ihnen auf Vorschlag des Hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch das Verdienstkreuz am Bandes des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Es ist ein Zeichen der Wertschätzung für ein außergewöhnliches ehrenamtliches Wirken für unser Gemeinwesen. Sehr gern habe ich die Initiative dazu vom Verein für Volkswohl, der Vorsitzenden Ilona Caroli, unterstützt. Auch ich sage Ihnen im Namen Ihrer Heimatstadt Kassel, die von Ihrer Arbeit ja in besonderer Weise profitiert hat, vielen Dank. Herzliche Gratulation zu dieser Auszeichnung unseres Staates.