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Einweihung des Waisenhauses in Izmit

01. Juli 2003


Sehr geehrte Frau Utech,
sehr geehrter Herr Filies,
Liebe Gäste,
meine Damen und Herren,

im Namen der Stadt Kassel, des Magistrats, und auch im Namen der anwesenden Stadtverordnetenvorsteherin Frau Schmarsow darf ich Sie zu dieser kleinen Feier ganz herzlich willkommen heißen.

Der Grund dieser Feier wurde schon einmal begangen – am 17. Mai in der Türkei. Doch auch wir hier in Kassel wollen das Ereignis – die Einweihung des Waisenhauses in unserer Partnerstadt Izmit – heute in den Mittelpunkt rücken. Mein besonderer Gruß gilt Ihnen, die Sie als Partner der Stadt Kassel an diesem Projekt maßgeblich beteiligt sind. Meine Damen und Herren, es war vor fast vier Jahren – genau gesagt am 17.08.1999 um 3.02 Uhr – da bebte in der Provinz Kocaeli in der Türkei die Erde. Nach diesem Beben war nichts mehr wie früher. Viele Häuser, öffentliche Einrichtungen, wie Krankenhäuser, Kindergärten, Schulen, Kinder- und Waisenhäuser, die öffentliche Infrastruktur war in drei Minuten zerstört worden, tausende Mensche verloren ihr Leben. Für uns in Kassel wurde damals klar, dass dieses Geschehen nicht weit weg war und uns etwa nicht berührte. Gerade auch durch die rund 11.000 türkischen Mitbürgerinnen und Mitbürger haben wir in Kassel hautnah etwas vom Schrecken dieses Erdbebens gespürt. Die Not reichte bis in unsere Stadt hinein, und das hat uns aufgerüttelt. Die Stadt Kassel gehörte gerade auch aus dieser Betroffenheit der Menschen heraus zu den Ersten, die neben Mitgefühl und Trauer auch praktische Hilfe anbot. Und dies wurde sehr schnell sehr konkret. Helferinnen und Helfer machten sich von Kassel aus auf den Weg in die Türkei. Mitarbeiter der Stadtreinigung halfen im Rahmen eines freiwilligen Einsatzes beim Müllaufsammeln Fahrzeuge für die Feuerwehr, Lebensmittel, medizinisches Hilfsgerät, Haushaltsgegenstände verließen mit mehren Lkw’s Kassel und kamen gut in Izmit, unserer Partnerstadt, an. Das Land Hessen hatte sich sofort bereiterklärt, ein Container-Haus, das auf dem Gelände der Feuerwehrschule in Kassel stand und nicht mehr gebraucht wurde, zur Verfügung zu stellen. In einer hervorragenden Aktion, die die Feuerwehr in Kassel federführend betrieb, bauten Feuerwehrleute im Rahmen ihrer Freizeit dieses Haus in Kassel ab und stellten es in Izmit-Bekirpasa wieder auf, um obdachlos Gewordenen vorübergehend zu Verfügung gestellt zu werden.. Heute leben in diesem Haus Studenten.

Meine Damen und Heren, damals bildete sich auch die Initiative zum Wiederaufbau des zerstörten Waisenhauses in Karamürsel. Das ging nicht so reibungslos wie zunächst erhofft. Nachdem feststand, dass das Grundstück in Karamürsel nicht geeignet war, musste ein Bauplatz, nämlich in Izmit-Bekirpasa gefunden werden. Für die Finanzierung sammelte der Ausländerbeirat Geld und es wurde ein Sonderkonto der Stadt Kassel eingerichtet. ,Vor allem der Verein „Zahnärzte und Patienten helfen Kindern in Not“ stellte erhebliche Mittel zur Verfügung. Alles in allem waren es ca. 220.000,-- €, die zusammenkamen. Das war der durch bürgerschaftlichen Einsatz geschaffene Grundstock für unser Vorhaben. Nach langen und intensiven Verhandlungen, die Sie vor allem Herr Fillies, als Vorsitzender der Fördervereines „Wiederaufbau des Waisenhauses in Izmit“ führten, stellte die Europäische Investitionsbank schließlich einen Betrag von einer Million Euro für das Projekt bereit. In der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen vom 23.11.2000 konnte man es nachlesen: Bau des Waisenhauses in Izmit kann beginnen. Meine Damen und Herren, die Baumaschinen rückte im Januar 2001 an. Im März 2002 waren die Arbeiten bis auf die Außenanlagen und die Inneneinrichtung fertiggestellt und konnten den türkischen Behörden übergeben werden. Doch immer noch nicht kam das Haus seiner eigentlichen Bestimmung für die Waisenkinder zugute. Im September 2002 beauftragte ich Herrn Gille von der Stadtverwaltung, Verhandlungen mit den dort Verantwortlichen zu führen. Das Ergebnis war ein Vertrag, in dem sich die Türkischen Behörden verpflichteten, die Einrichtung bis Dezember 2002 zu eröffnen und die Restarbeiten bis dahin zu erledigen. Das Versprechen wurde eingehalten, Sie, die bei der Einweihungsfeier zugegen waren, konnten sich davon mit eigenen Augen überzeugen.

Nach dem Erdbeben haben die türkischen Behörden 1.850 Waisenkinder festgestellt. Es ist gut, dass viele dieser Waisenkinder bei Freunden und Bekannten untergekommen sind und nur noch weniger Heimplätze gesucht und gefunden werden mussten. Deshalb ist der Gebäudekomplex kein reines Waisenhaus mehr, sondern es ist ein Jugend- und Waisenhaus daraus geworden. Ich freue mich, dass eine Vereinbarung über eine Zusammenarbeit der Betreuung von Kindern im Jugend- und Waisenhaus Izmit-Bekirpasa zustande gekommen ist, die von allen Beteiligten unterzeichnet wurde. Meine Damen und Herren, ich möchte ich allen danken, die mitgewirkt haben, um diese Einrichtung in unserer jüngsten Partnerstadt zu errichten: Ihnen, den Architekten, die Sie völlig ehrenamtlich und ohne Honorarforderung gearbeitet haben. Ich erinnere mich gerne noch an meinen ersten Besuch in Izmit Ende Februar 2000, während der Sie mir Ihre ersten Planunterlagen vorstellten. Ebenso danke ich dem Verein „Zahnärzte und Patienten helfen Kindern in Not“ und dem Ausländerbeirat. Dank auch an die Verantwortlichen des Fördervereines – besonders an den Vorsitzenden, Sie sehr geehrter Herr Filies, und Sie, sehr geehrter Herr Yilmaz - ohne Sie wäre die schwierige Arbeit vor Ort nicht zu bewältigen gewesen. Ihnen allen möchte ich als kleines Zeichen des Dankes im Anschluss das neue Buch über die „Liebeserklärungen“ an Kassel“ schenken. Schön, dass wir heute die Gelegenheit haben, über Ihre gewonnenen Eindrücke zu sprechen, Vergangenes Revue passieren zu lassen. In diesem Sinne wünsche ich dem Waisenhaus eine gute Zukunft und der Partnerschaft Kassel-Izmit weiterhin eine gedeihliche Entwicklung.