Kulturförderpreis 2016 der Stadt Kassel

Die drei Kulturförderpreisträger der Stadt Kassel 2016 wurden am Sonntag, 27. November im Staatstheater Kassel durch Oberbürgermeister und Kulturdezernent Bertram Hilgen geehrt. Zur Begrüßung sprach außerdem der Intendant des Staatstheaters, Thomas Bockelmann. Die Laudationes hielten Joel Baumann, Philipp Rosendahl und Sabine Wackernagel.

 

Der „Raum für urbane Experimente“, das Studio Lev Kassel e. V. sowie die Vereine Bücherei Kirchditmold und Stadtteilbücherei Fasanenhof erhielten in diesem Jahr die Auszeichnung. Die drei Preisträger erhielten jeweils ein Preisgeld in Höhe von 2.500 Euro.

 

Der Kulturförderpreis der Stadt Kassel wurde auf Initiative der Kunst- und Kulturkommission im Jahr 1987 gestiftet. Über die Vergabe entscheidet der Magistrat der Stadt Kassel auf Vorschlag der kulturpolitischen Sprecher aller Fraktionen. Der mit 7.500 Euro dotierte Preis wird jährlich ohne Beschränkung auf eine bestimmte Kunstrichtung an drei Preisträger verliehen.

Viele menschen schauen zu, wie in der Unterführung am Weinberg zu live-Musik eine große wand besprayt wird; © Stadt Kassel

Preisträger "Raum für urbane Experimente"

Ausgezeichnet "für die künstlerische Nutzung und Wandlung der Unterführungen am Weinberg und am Holländischen Platz zu Kassels ersten street art-Galerien. An beiden Orten entstanden öffentliche kulturelle Zonen, die in besonderer Weise Künstlerinnen und Künstler, Quartiersbewohner und junges Publikum zusammenführen."

Was ist der Raum für urbane Experimente?
Ein Team junger angehender Künstler, Stadtplaner und Produktdesigner nimmt sich seit 2013 unter dem Namen "Raum für urbane Experimente" den unterirdischen urbanen Bauwerken Kassels in besonderer Weise regelmäßig an. An den Fußgänger-Unterführungen am Weinberg/Philosophenweg und am Holländischen Platz entstanden durch ihre kreativen und konzeptionellen Eingriffe die ersten beiden street art-Galerien in Kassel. Die Nutzung als Galerien reicht von temporären professionellen Graffiti-Werken bis hin zu regelmäßigen Graffiti-workshops für Jugendliche oder Senioren. Auch als Veranstaltungsort belebt das Team von Raum für urbane Experimente die Unterführungen. Das Programm ist vielseitig und spannt sich von Singer-Songwriter-Konzerten über Poetry Slams und Treppenkino bis hin zu Seminarveranstaltungen der Universität auf. Besonders ausgeprägt ist ihre Vernetzung mit anderen Kulturschaffenden und Kultursparten und die Teilnahme an quartiersübergreifenden Veranstaltungen wie der Kasseler Museumsnacht und dem Galeriefest.

Schauspieler des Studio Lev Kassel e.V.; © Studio Lev Kassel e.V.; Foto: David Worm

Preisträger "Studio Lev Kassel e.V."

Das Studio Lev Kassel e.V. erhält den Preis "für das Angebot von musikalischen Kreativ-Laboren unter Anleitung von Profis, innerhalb derer sich Jugendliche in den Darstellenden Künsten sowie angewandten bühnennahen Disziplinen erproben und verwirklichen können."

Was ist der Studio Lev Kassel e.V.?
Im Jahr 2009 wurde Studio Lev von Kunsthochschul-Absolventen/innen gegründet, um für Jugendliche regelmäßig ein musikalisches "Kreativ-Labor" anzubieten. Jugendliche im Alter von 15-25 Jahren erarbeiten zusammen mit Studio Lev innerhalb einer Geschichtswerkstatt eigene Themen und Fragestellungen und entwickeln anschließend für die daraus entstandene Story verschiedene Charaktere. Unter Anleitung von Profis werden schließlich eigene Songs und Melodien komponiert sowie ein Bühnenbild und Kostüme entworfen. Höhepunkt dieser Jahresprojekte sind das Einstudieren der Rollen und die Aneignung der Bühnenpräsenz, um das Gesamtprojekt vor Publikum zur Aufführung zu bringen.

Schwerpunkt der kreativen Praxis von und mit Jugendlichen sind die darstellenden Künste (Theater, Tanz, Gesang, Performance) sowie angewandte bühnennahe Disziplinen (Kostümbild, Bühnenbild, Requisite). In beiden Bereichen sammeln die Jugendlichen wichtige Erfahrungen in kultureller Bildung, die über schulische Möglichkeiten oft weit hinausreichen und in den vergangenen Jahren immer wieder vielversprechende Nachwuchstalente hervorgebracht haben.


Preisträger Bücherei Kirchditmold und Stadtteilbücherei Fasanenhof

Vorstand der Stadtbücherei Fasanenhof vor vielen Bücherregalen; © Stadt Kassel Vorstand der Stadtbücherei Fasanenhof

Team der Bücherei Kirchditmold schaut in Bücher; © Stadt Kassel Team der Bücherei Kirchditmold

Die Vereine Bücherei Kirchditmold und Stadtteilbücherei Fasanenhof werden prämiert „für die Erhaltung und Fortführung der Stadtteilbibliotheken unter großem ehrenamtlichen Engagement und für die Belebung eines wichtigen Kulturorts, der zum sozialen Zusammenhalt eines Stadtteils und dessen Bewohnerinnen und Bewohnern beiträgt.“

Was macht der Bücherei Kirchditmold e.V.?
Der im November 2013 gegründete Verein “Bücherei Kirchditmold e.V.“ verfolgt das Ziel, die von der Schließung betroffene Stadtteilbücherei Kirchditmold in privater Trägerschaft weiterzuführen und zu einem modernen Medien-, Kommunikations- und Stadtteilzentrum zu entwickeln. Für dieses Vorhaben erhält der Verein sowohl Unterstützung vom Ortsbeirat als auch von der Stadt Kassel, von der Stadt-bibliothek, die infrastrukturelle Hilfe bereitstellt, und von den vielen Kirchditmolder Bürgerinnen und Bürger, die sich am Aufbau der Bücherei aktiv beteiligen. 

Durch die Hilfe der über 400 ehrenamtlichen Vereinsmitglieder konnte den Stadtteilbewohnern ein wichtiger Treffpunkt erhalten werden, in welchem es neben Literatur auch einladende Leseecken und ruhige Arbeitsplätze, Kindernachmittage, Hausaufgabenhilfe, Leseförderung und abendliche Veranstaltungen gibt. Die Bücherei ist eine wichtige kulturelle und soziale Konstante im Stadtteil.

Was macht der Stadtteilbücherei Fasanenhof e.V.?
Ähnlich dem Kirchditmolder Beispiel, wurde von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern und interessierten Stadtteilbewohnern und Bibliotheksnutzern im November 2014 der Verein “Stadtteilbücherei Fasanenhof e.V.” gegründet. Auch dieser Verein verfolgt das Ziel, die von der Schließung betroffene Stadtteilbücherei in der Grundschule Bossental ehrenamtlich weiterzuführen. Die Räumlichkeiten sind 2015 von der Stadt offiziell zur Nutzung an die Grundschule Bossental und den Büchereiverein übergeben worden. Dieser sichert die Ausleihe der Medien sowohl für die Schülerinnen und Schüler als auch die Eltern und Stadtteilbewohner an mehreren Tagen der Woche und fördert durch vielfältige Veranstaltungen und Aktionen sowie durch moderne Medien die Lust am Lesen.

Veröffentlicht am:   01. 12. 2016  

Service

Social Media