Arnold-Bode-Preis der documenta-Stadt Kassel

Porträt von Arnold Bode

Die Stiftung

Eine Sammlung von Kunstwerken, die documenta-Künstler dem "Vater der documenta" 1975 zum 75. Geburtstag schenkten, bildet das Grundkapital der Arnold-Bode-Stiftung. Sie wurde 1978, ein Jahr nach Bodes Tod, von der Stadt Kassel ins Leben gerufen. Der Zweck der Stiftung liegt in der Förderung von Kunst und Kultur, insbesondere durch Vergabe des Arnold-Bode-Preises.

Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wird seit 1980, zunächst jährlich, nach 1987 alle zwei Jahre, aber obligatorisch in einem documenta-Jahr, an Künstlerinnen und Künstler in Anerkennung ihrer herausragenden Leistungen für die Kunst der Gegenwart verliehen. Eine documenta-Teilnahme ist nicht Voraussetzung, documenta-Niveau aber Maßstab der Entscheidung. Die Preisverleihung findet in der Regel im Kasseler Kunstverein und nach Möglichkeit im Rahmen einer Ausstellung mit Werken des/der Ausgezeichneten statt.

Überblickt man die Liste der Ausgezeichneten, so sieht man keine formale oder inhaltliche Leitlinie, wohl aber erkennt man, dass es sich um starke, eigenwillige Künstlerpersönlichkeiten handelt, jede durch ein solitäres Werk ausgezeichnet. Das gibt dem Bode-Preis sein spezifisches Flair: die überraschende, weil in dieser Kombination nicht unbedingt erwartete Aneinanderreihung von Namen künstlerischer Einzelgänger.

Publikation: "Arnold-Bode-Preis 1980/2000, Positionen zeitgenössischer Kunst" (2000, Jonas Verlag Marburg)


Die Preisträgerinnen und Preisträger


Das Kuratorium

Dem Kuratorium der Arnold-Bode-Stiftung gehören entsprechend der Stiftungsverfassung ein Mitglied der Familie Bode, ein Finanzsachverständiger sowie drei kunstsachverständige Mitglieder, darunter ein Angehöriger der Kunsthochschule Kassel, an.

Die Mitglieder sind jeweils für fünf Jahre im Amt. Im Jahr 2014 gehören folgende Persönlichkeiten dem Kuratorium an.

  • Prof. Karl Oskar Blase (Ehrenvorsitzender)
  • Adam Szymczyk (Künstlerischer Leiter der documenta 14)
  • Prof. Heiner Georgsdorf (Vertreter der Kunsthochschule Kassel, Vorsitzender)
  • Dr. Klaus Lukas (Finanzsachverständiger)
  • E.R. Nele (Vertreterin der Familie Bode)
  • Alfred Nemeczek (ehem. stellvertretender Chefredakteur des Kunstmagazins art) .

Arnold Bode

Arnold Bode wurde in Kassel geboren und studierte Malerei an der dortigen Kunstakademie. Erste Erfolge als Maler (Preise; Ankauf Nationalgalerie Berlin), aber auch als Raumgestalter, Grafiker und Ausstellungsmacher (Moderne Kunst, Orangerie Kassel 1929).

Er geht als Dozent nach Berlin, erhält 1933 von Nazis Berufsverbot und kehrt zurück nach Kassel in die innere Emigration. Den Krieg überlebt er als Soldat in der französischen Etappe.

Schon bald nach 1945 initiiert Bode in seiner kriegszerstörten Heimatstadt anspruchsvolle Kunstausstellungen, träumt von einer "Großen internationalen Kunstausstellung", verdient sein Geld aber als gefragter Entwerfer von Möbeln und Firmenständen auf Industriemessen. 1955 gelingt ihm, gegen viele Widerstände, aber mit Hilfe eines Freundeskreises, die erste documenta. Mit unerwartetem, mit sensationellem Erfolg.

Das Erfolgsrezept: Erstens war die documenta anders als die Biennale in Venedig unabhängig von nationalen Interessen und Ambitionen. Ein hochkarätig besetztes Auswahlgremium war autonom in seinen Entscheidungen und garantierte einen internationalen Überblick auf hohem Niveau. Zweitens verstand es Bode auf einzigartige Weise, dem individuellem Kunstwerk durch ästhetisch anspruchsvolle Präsentation einen würdigen Rahmen zu geben. Dieser Inszenierungsstil prägte die insgesamt vier documenten (1955, 1959, 1964, 1968), die unter Bodes künstlerischer Leitung stattfinden. Unvorstellbar heute die Schwierigkeiten und Widerstände, mit denen der unermüdliche Bode und seine Mitstreiter immer wieder anzukämpfen hatten, um eine neue documenta durchzusetzen.

Mit Harald Szeemann findet 1972 ein Generationswechsel in der documenta-Leitung statt. Doch Bodes Engagement für die documenta hält an. Er hat noch Großes mit ihr vor. Er träumt von einer documenta urbana (Städtebau als gemeinsame Aufgabe für Künstler und Architekten), und er träumt vom Oktogon-Projekt (das monumentale Herkules-Denkmal als documenta-Spielort): Zwei obsessiv verfolgte Ziele, für die er sich vergeblich engagiert. Arnold Bode stirbt am 3. Oktober 1977, ein Tag nach Ende der 6. documenta.

Veröffentlicht am:   26. 11. 2014  


Service

Social Media