Häufig gestellte Fragen zur Inklusiven Bildung in Kassel (FAQ)

Was ist Inklusion? 

Inklusion heißt wörtlich übersetzt Zugehörigkeit, also das Gegenteil von Ausgrenzung. Wenn jeder Mensch – mit oder ohne Behinderung – überall dabei sein kann, in der Schule, am Arbeitsplatz, im Wohnviertel, in der Freizeit, dann ist das gelungene Inklusion. In einer inklusiven Gesellschaft ist es normal, verschieden zu sein. Jeder ist willkommen. Und davon profitieren wir alle: zum Beispiel durch den Abbau von Hürden, damit die Umwelt für alle zugänglich wird, aber auch durch weniger Barrieren in den Köpfen, mehr Offenheit, Toleranz und ein besseres Miteinander. (Quelle: Aktion Mensch)

Was bedeutet Inklusion im Bildungsbereich?

Inklusion im Bildungsbereich bedeutet, dass allen Menschen die gleichen Möglichkeiten offen stehen, an lebenslanger, qualitativ hochwertiger Bildung teilzuhaben und ihre Potenziale entwickeln zu können, unabhängig von besonderen Lernbedürfnissen, Geschlecht, sozialen oder ökonomischen Voraussetzungen. (Quelle: Deutsche UNESCO-Kommission e.V.)

Was sind die rechtlichen Grundlagen von inklusiver Bildung?

Seit 2009 ist die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen in Deutschland verbindlich. Damit hat sich Deutschland verpflichtet, ein inklusives Bildungssystem einzurichten. Die Konvention legt fest, dass alle Menschen das gleiche Recht auf volle Teilhabe an der Gesellschaft haben. (Quelle: Deutsche UNESCO-Kommission e.V.) Mit der Novellierung des Hessischen Schulgesetzes im Jahr 2011 wird Artikel 24 UN-BRK in Landesrecht transferiert.

  • Alle schulpflichtigen Kinder werden in der allgemeinen Schule angemeldet.
  • Inklusive Beschulung findet als Regelform in der allgemeinen Schule statt.

Welche Förderschulen gibt es in Kassel?  

Die Stadt Kassel ist Träger der folgenden Förderschulen:

  • Alexander-Schmorell-Schule, Schule mit den Förderschwerpunkten: körperliche und motorische Entwicklung/ kranke Schülerinnen und Schüler
  • Astrid-Lindgren-Schule, Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen
  • August-Fricke-Schule, Schule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung
  • Mönchebergschule, Schule mit den Förderschwerpunkten Lernen/ kranke Schülerinnen und Schüler
  • Osterholzschule, Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen
  • Pestalozzischule, Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen
  • Wilhelm-Lückert-Schule, Schule mit den Förderschwerpunkten Sprachheilförderung/ Sehen (Grundstufe)/ Hören (Grundstufe)


Daneben bestehen Förderschulen in privater Trägerschaft und in Trägerschaft des Landeswohlfahrtsverbandes.

Bleiben die Förderschulen in Kassel bestehen?   

Die Schulform Förderschule wird es auch weiterhin in Kassel geben, aber nicht jede Förderschule bleibt bestehen. Für jeden Förderschwerpunkt wird es auch in Zukunft ein Förderschulangebot geben.

Für welche Schulen/Schulformen gibt es Veränderungen?      

Die Umsetzung der inklusiven Bildung betrifft alle Schulen und Schulformen. Das Ziel der Stadt ist es, Angebote zur inklusiven Beschulung von Kindern aller Förderschwerpunkte vorzuhalten. Die flächendeckende inklusive Beschulung führt zu einem Rückbau von Förderschulangeboten.

Wie sieht der Zeitplan für die inklusive Bildung in Kassel aus? 

Die Umsetzung der inklusiven Bildung in Kassel ist ein langfristig angelegter und stadtweiter Entwicklungsprozess. Dieser Prozess soll durch die Modellregion „Inklusive Bildung in der Stadt Kassel“ (2015/16 bis 2020/21) unterstützt werden.

Können Eltern auch entscheiden, dass ihr Kind mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf eine Förderschule besucht?    

Ja, die Eltern haben das Wahlrecht für ihre Kinder. Sie können wählen zwischen einer inklusiven Beschulung an der Regelschule oder einer Beschulung an einer Förderschule.

Wenn eine Förderschule schließt, was passiert dann mit den Schülerinnen und Schülern, die dort noch zur Schule gehen?   

Die Förderschulangebote, die geschlossen werden, laufen schrittweise aus. Alle Schülerinnen und Schüler, die bereits eine Förderschule besuchen, können ihren Schulbesuch an dieser Schulform beenden. Die verschiedenen Möglichkeiten (Verbleib an der bisherigen Förderschule, Wechsel der Klasse an eine andere Förderschule des gleichen Förderschwerpunktes, Einrichtung von Kooperationsklassen der Förderschule an allgemeinen Schulen, inklusive Beschulung an der allgemeinen Schule) werden frühzeitig gemeinsam mit den Eltern erörtert.

Wie viele Förderschüler/ innen besuchen in Kassel eine Förderschule?    

Im Schuljahr 2014/15 besuchen 944 Schülerinnen und Schüler eine städtische Förderschule. Ca. ein Drittel davon sind Schülerinnen und Schüler aus dem Landkreis Kassel.

Wie viele Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf besuchen in Kassel eine allgemeine Schule?   

Im Schuljahr 2013/14 besuchten 220 Schülerinnen mit Anspruch auf sonderpädagogische Förderung eine allgemeine Schule im inklusiven Unterricht.

Wo erhalten Eltern Informationen und Beratung zu schulfachlichen und pädagogischen Fragen des inklusiven Unterrichts?    

Neben dem regionalen Beratungs- und Förderzentrum (BFZ) an der Astrid-Lindgren-Schule sind am Staatlichen Schulamt für den Landkreis und die Stadt Kassel Fachberater für Inklusion fest installiert. Ansprechpartnerin: Sibylle Schaefer

Welche schulischen und außerschulischen Hilfsangebote gibt es in Kassel? Wer sind die Ansprechpartner? 

Derzeit wird eine entsprechende Liste zusammengestellt.

Welche Fortbildungsmaßnahmen für Lehrkräfte und sozialpädagogische Fachkräfte werden angeboten? 

Die Arbeitsgruppe „Inklusive Bildung in Kassel“ befasst sich auch mit dem Bedarf an Aus-, Fort- und Weiterbildung für Lehrkräfte zum Thema Inklusion. Alle drei Studienseminare sind beteiligt und Fortbildungsangebote für Lehrkräfte können dem Fortbildungsprogramm des Hessischen Kultusministeriums entnommen werden.

Was ist eine „Modellregion Inklusive Bildung“ in Hessen?   Die „Modellregion Inklusive Bildung“ ist ein auf mehrere Jahre angelegter und begleiteter Entwicklungsprozess in einer Stadt oder einem Landkreis zur Umsetzung der Inklusion. Mit der Einrichtung der „Modellregion Inklusive Bildung“ werden inklusive Strukturen im allgemeinen Schulsystem flächendeckend entwickelt. Die allgemeinen Schulen werden in ihrem inklusiven Prozess nachhaltig unterstützt und begleitet, bestehende Ressourcen werden gebündelt und Vernetzungsstrukturen mit allen beteiligten Professionen und Institutionen aufgebaut.

Welche Modellregionen gibt es schon in Hessen?    

Folgende Modellregionen sind oder werden eingerichtet: Stadt Wiesbaden (2013), Hochtaunuskreis (2013), Landkreis Offenbach (2013), Wetteraukreis (2015), Stadt Frankfurt (geplant 2015), Stadt Kassel (2015).

Was will die Stadt mit der „Modellregion Inklusive Bildung in Kassel“ erreichen? 

Ziel der Stadt ist es, den Prozess der Umsetzung inklusiver Bildung in Kassel voranzutreiben, mit den Ressourcen von Stadt und Land abzusichern und die institutionsübergreifende Zusammenarbeit zu fördern. Durch die Modellregion können die Landesressourcen (Förderschullehrerstellen) gesichert werden, die sonst durch den Umbau weg von den Förderschulen hin zu den Regelschulen verloren gehen würden. Mit Hilfe der „Modellregion Inklusive Bildung“ soll Kindern und Jugendlichen mit Beeinträchtigungen oder Behinderungen noch leichter ermöglicht werden, eine allgemeine Schule in Kassel zu besuchen. An der Vorbereitung der Modellregion haben das Land Hessen, das Staatliche Schulamt für den Landkreis und die Stadt Kassel gemeinsam gearbeitet.

Welche ersten Schritte werden gegangen?   

Mit dem Land Hessen wird eine Kooperationsvereinbarung über die „Modellregion Inklusive Bildung in der Stadt Kassel“ abgeschlossen. Eckpunkte zur Umsetzung ab dem Schuljahr 2015/16:

  • Aufbau einer flächendeckenden inklusiven Beschulung in Kassel
  • Abbau/ Rückbau stationärer Systeme (Förderschulen)
  • Inklusive Angebote für alle Förderschwerpunkte
  • Zusammenlegung von bisher vier Beratungs- und Förderzentren zu einem    regionalen Beratungs- und Förderzentrum am Standort der Astrid-Lindgren-Schule
  • Schulentwicklung/ Fortbildung im Kontext von Inklusion
  • Prozessbegleitung/ Evaluation
  • Ressourcenbeteiligung der Stadt Kassel
  • Betrag des Landes: „Einfrieren“ von Förderschullehrerstellen sowie zusätzliche Lehrerstellen für den inklusiven Unterricht


Was will die Stadt mit dem „Rahmenkonzept Inklusive Bildung in Kassel“ erreichen?
   

Die AG „Inklusive Bildung in Kassel“ soll bis Ende 2015 ein Rahmenkonzept zur inklusiven Bildung in Kassel erarbeiten. Beteiligt sind Vertreter/innen aus Schulen, dem Staatlichen Schulamt, der Stadtverwaltung Kassel, der Studienseminare, der Behindertenverbände und anderer Institutionen sowie der Eltern- und Schülervertretungen. Im Rahmenkonzept sollen Ziele und Standards zu einzelnen Themenbereichen für die Umsetzung der “Inklusiven Bildung in Kassel“ in den nächsten 5, 10, 15 Jahren formuliert werden. Es geht darum, den Blick auf das Thema Inklusive Bildung zu weiten, die fachliche Expertise der unterschiedlichen Beteiligten zu sammeln und die Verantwortlichen in Verwaltung und Politik fachlich zu beraten.

Was ist der Unterschied zwischen Inklusion und Integration im Bildungswesen? 

Die integrative Unterrichtung und Erziehung in zahlreichen Schulen hat in den letzten Jahrzehnten deutlich gemacht, dass guter gemeinsamer Unterricht für alle Schülerinnen und Schüler lernwirksam und sozial förderlich ist. Bei der Integration werden Schülerinnen und Schüler mit besonderem Förderbedarf in die bestehende allgemeine Schule einbezogen, ohne dass sich allerdings das Bildungswesen selbst substantiell verändert. Bei der Inklusion wird das Bildungssystem insgesamt hinterfragt und so verändert, dass es allen Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen und Bedürfnissen von Anfang an gerecht wird. Inklusion im Bildungswesen erkennt: Anderssein ist normal und alltäglich. (Quelle: Deutsche UNESCO-Kommission e.V.)

Welche Vorteile hat ein Kind mit Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung dadurch, dass es in einer inklusiven Schule lernt?    

Das Kind wechselt gemeinsam mit den anderen Kindern seines Wohnumfeldes vom Kindergarten in die zuständige Grundschule. Bestehende Kontakte und Freundschaften können weiter gepflegt werden. Das Kind erfährt die Zugehörigkeit zu der Gruppe der Kinder aus seinem Wohnumfeld, es erhält keinen Sonderstatus. Das Kind kann seine Erfahrungen, Kenntnisse, Fähigkeiten und Lernmöglichkeiten im Austausch mit seinen Mitschülerinnen und Mitschülern erweitern.

Werden Schülerinnen und Schüler, die schneller lernen, von langsamer lernenden Schülerinnen und Schülern beim Lernfortschritt aufgehalten?   

Inklusiver Unterricht zeichnet sich dadurch aus, dass jedes Kind- ob mit oder ohne Förderbedarf- in einem gemeinsamen Unterricht individuell nach seinen persönlichen Fähigkeiten gefördert wird. Durch die verstärkte individuelle Förderung erhöht sich die Lernwirksamkeit bei allen Kindern. Gleichzeitig verbessern alle Schülerinnen und Schüler ihre Sozialkompetenz.

Gibt es Regelschulen, die Inklusion schon heute beispielhaft umsetzen?    

Zahlreiche Schulen setzen Inklusion auch in Deutschland bereits sehr erfolgreich um. Einige dieser Schulen wurden mit dem Jakob Muth-Preis ausgezeichnet, und auch die Schulen des Deutschen Schulpreises sind häufig inklusiv arbeitende Schulen. (Quelle: Deutsche UNESCO-Kommission e.V.) Auch in Kassel gibt es viele Schulen, die sich mit dem Thema Inklusion schon seit langem beschäftigen und diese schrittweise umsetzen. Die Offene Schule in Waldau war im Jahr2006 Preisträger des Deutschen Schulpreises und im Schuljahr 2012/13 Preisträger des Jacob-Muth-Preises.

Veröffentlicht am:   31. 01. 2017  


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