Die Stadt Kassel wird mit fünf Leuchtturmprojekten in den Bereichen Bildung und Infrastruktur zentrale Probleme des demografischen Wandels angehen. Die Projekte sollen bereits in den Haushalt 2008 eingebracht werden. Das erklärte Oberbürgermeister Bertram Hilgen auf der "2. Zukunftskonferenz Demografischer Wandel" vor rund 140 Teilnehmern aus Verwaltung, Politik, Wirtschaft und Stadtgesellschaft. Die von Gerhard Stey (beraterhaus kassel) und Ullrich Bieker (Stadt Kassel) moderierte Konferenz billigte einmütig das Zukunftsprogramm der Stadt Kassel und unterzeichnete die "1. Kasseler Zukunftsvereinbarung" , in der sie der Stadt ihre Unterstützung durch eigene Initiativen und Projekte zusagte.
Die Stadtverwaltung ihrerseits strebt eine Vernetzung aller gesellschaftlicher Gruppen an, die sich in diesem Bereich engagieren. Sie setzt außerdem auf eine noch stärkere regionale Zusammenarbeit. Entscheidend sei, ein regionales Bewusstsein unter dem Motto "Stadt und Land Hand in Hand" zu entwickeln, erklärte Oberbürgermeister Bertram Hilgen.
In seiner Eingangsrede am ersten Tag der Zukunftskonferenz skizzierte Hilgen die Folgen des demografischen Wandels für die Zukunft: "Wir werden definitiv weniger, allenfalls über die Größenordnung kann man streiten. Das heißt die Aufgabenstellung lautet nicht mehr Ausbau und Wachstum, sondern Umbau, Konzentration und Qualitätsverbesserung." Auch die Stadt Kassel werde bunter: "Die Zuwanderer sind schon lange da und viele haben einen deutschen Pass als Aussiedler und Eingebürgerte. Die große Politik muss diese Tatsache anerkennen, darf allerdings auch nicht bestehende Sprach- und Akzeptanzprobleme leugnen. Hier haben beide großen politischen Lager in Deutschland noch zu lernen.…"
Hilgen wies auf die neuen Chancen einer insgesamt älteren Gesellschaft hin: "Kassel als Großstadt der kurzen Wege und Kulturmetropole hat hier zunehmende Chancen, Senioren als neue Einwohner zu gewinnen. Die Generation Ü 60 wird als "human capital" eine außerordentlich große Bedeutung für die Städte erlangen."
"Wir brauchen Projekte aus Stadtgesellschaft und Region"
Stärkung der kommunalen Bildungsverantwortung, Stärkung des Stadtfriedens, Sicherung der urbanen Kultur und Stärkung der Wirtschaftskraft sind die vier Hauptziele der Stadt bei der Bewältigung des demografischen Wandels, so Hilgen. Dieser Wandel werde in vielen Institutionen der Stadtgesellschaft gestaltet: "Von den Kirchen über den Einzelhandel bis zu den Sportvereinen gibt es Umbaubedarf. Viele stellen sich den Herausforderungen und nutzen ihre Chancen. Diese Vielfalt ist in Kassel beeindruckend." Er appellierte an die Stadtgesellschaft, weiter mit zu arbeiten: "Wir schaffen die Entwicklung unserer Stadt Kassel nicht ohne Ihre Hilfe. Wir brauchen Ihre Anregungen und weitere Projekte aus Stadtgesellschaft und Stadtregion, damit sich ein Netz von Akteuren bilden kann." Für diesen Rahmen stelle die Verwaltung Organisationsformen und Ressourcen zur Verfügung.
Die Fachforen zu den fünf Projekten billigten die Vorhaben der Stadt grundsätzlich. "Die fünf Projekte sind als Leuchtturmprojekte akzeptiert", so fasste Bertram Hilgen die Diskussion zusammen. Jetzt gehe es um Verbesserungen und Modifikationen; Die Verwaltungsspitze ihrerseits wolle die beispielhaften Vorhaben schon im Haushalt 2008 verwirklichen.
"Kassel ist Klasse"
Neben den fünf Leuchttürmen der Stadt wurden weitere Demografieprojekte aus der Stadtgesellschaft und dem Landkreis vorgestellt: "Helfende Hände" (Diakonisches Werk), Hessencampus Kassel (Bildungseinrichtungen von Stadt und Landkreis präsentiert von der Vhs Region Kassel), der Verein "Hand in Hand" (Vereinigte Wohnstätten 1889 EG), Stadtteilkonferenz West "Den demografischen Wandel gestalten" (Kassel West e. V.), Potenziale neuen Alterns (Prof. Karl, Uni Kassel), "Demografie schafft Märkte" (Handwerkskammer Kassel) und schließlich der Arbeitskreis Demografie im Landkreis Kassel (Region Kassel-Land e. V. und Landkreis Kassel).
Besonderes Interesse fand das Projekt "Kassel ist klasse" von der Initiative Region Kassel e. V. (i. Gr.). In einem Internetportal, das im Herbst online geht, wird zusammengetragen, was Kassel positiv ausmacht, erklärte Mitinitiator Jan Müller. "Wir wollen die Innensicht voranbringen, so dass die Menschen sagen ich bin gerne in Kassel", so Müller. Das Portal soll über Links zum Dreh- und Angelpunkt für die verschiedenen Internetseiten der Region Kassel werden, Information und Emotion miteinander verknüpfen.
Am zweiten Tag stelle Oberbürgermeister Bertram Hilgen das Zukunftsprogramm der Stadt Kassel vor. Mitentscheidend sei die Entwicklung eines regionalen Bewusstseins "Stadt und Land Hand in Hand", so Hilgen. Er nannte als erfolgreiche Einrichtungen in diesem Bereich das Regionalmanagement, den Nordhessischen Verkehrsverbund, die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaftsfördergesellschaft und Zweckverband. Gemeinsame Zulassungsstellen, Volkshochschulen, Ausländer- und Gesundheitsbehörden seien Bausteine eines neuartigen Zusammenschlusses von Stadt und Landkreis Kassel. Zentrale Handlungsfelder für die Zukunft seien Bildung und Kultur sowie Strukturentwicklung.
In den nachfolgenden Arbeitsgruppen wurde das Zukunftsprogramm ebenso wie zuvor die Leuchtturmprojekte grundsätzlich gebilligt. Vorgeschlagen wurde, die ältere Generation stärker zu berücksichtigen, konkrete Fristen und Ziele mit einzelnen Maßnahmen zu verknüpfen und die Ergebnisse zu überprüfen. Regionale Zusammenarbeit und noch stärkere Vernetzung in der Stadtgesellschaft sind, folgt man den Äußerungen der Teilnehmer/innen, unverzichtbare Bestandteile bei der Umsetzung des Zukunftsprogramms.
"Wir entlassen sie nicht", erklärte Hilgen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Konferenz. Es sei wichtig, die Stadtgesellschaft unter dem Zukunftsprojekt zu versammeln. Deren Vertreter/innen unterzeichneten zum Abschluss die 1. Kasseler Zukunftsvereinbarung und sicherten der Stadt so ihre weitere Unterstützung und Zusammenarbeit zu.