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Wasserversorgung im Kasseler Raum Vorlesen

Klärwerk an der Fulda; © Stadt Kassel

Vorbemerkung

Die Wasserversorgung des Kasseler Raums stützt sich überwiegend auf Wasservorkom-men mit langen Regenerationszeiten, die mit Tiefbrunnen aus dem klüftigen mittleren Buntsandstein gefördert werden. Das aus dieser Formation geförderte Wasser ist im allgemeinen von hoher natürlicher Qualität und bietet auf Grund des großen Einzugsbereichs auch eine hohe Versorgungssicherheit.

Andererseits erfordern die schwer prognos-tizierbaren Druck- und Strömungsverhältnis-se in einem tief gelegenen Kluftwasserleiter besondere Vorsicht bei der Förderung. Letzteres ist auch deshalb geboten, weil mächtige Deckschichten nicht völlig den Durchbruch von naturfremden und grundwassergefährdenden Stoffen verhindern können. Sind aber diese erst einmal in tiefe Grundwässer vorgedrungen, ist eine Sanierung wohl kaum mehr möglich.

1. Leitbild

Die Wasserversorgung Kassels und der Umlandgemeinden ist so zu gestalten, dass auch künftigen Generationen Wasser in der gegenwärtigen sehr guten Qualität zur Verfügung steht und der Wasserhaushalt der Region nicht nachhaltig negativ beeinflusst wird.

Wasser ist eine elementare natürliche Ressource und eine unverzichtbare Lebensgrund­lage. Sie ist traditionell eine Kernaufgabe der öffentlichen Daseinsvorsorge und damit der Kommune.

2. Leitlinien

Die Wasserversorgung orientiert sich an den Voraussetzungen des natürlichen Dargebots.

Sie tut alles, um eine verbrauchernahe Was-sergewinnung zu erhalten.

Sie nutzt ihre Möglichkeiten, um Wasservorkommen zu schützen und deren Natürlichkeit zu gewährleisten.

Sie arbeitet eng mit Bewirtschaftern von grundwasserbedeutsamen Flächen zusammen, um Grundwasser dauerhaft vor Fremdeinträgen zu bewahren.

Sie unterstützt Maßnahmen zur Reduzierung des Verbrauchs, insbesondere auch zur Substitution von Wasser mit Trinkwasserqualität durch Wasser mit Brauchwasserqualität in den dafür geeigneten Verbrauchsbereichen.

Sie informiert die Verbraucherinnen und Verbraucher regelmäßig und in umfassender Weise u. a. über alle aktuellen Fragen des Grundwasserschutzes, der Netzbewirtschaf-tung sowie der Umwelt- und Qualitäts-kontrollen.

3. Handlungsziele

  • Durch vielfältige Spar- und Substituti-onsstrategien wird erreicht, dass der Verbrauch mit altem, hochwertigen Grundwasser, das ja überwiegend in Verbrauchsberei-che fließt, die auf eine solche Qualität nicht angewiesen sind, weiter zurückgefahren werden kann.
  • Bei Neuerschließungen und Neubauvorhaben etwa wird stets mit untersucht, ob nicht die Nutzung von Brauchwasser und die Installation eines zusätzlichen Brauchwassernetzes möglich und sinnvoll ist.
  • Es werden kompakte Verbrauchsberei-che ermittelt, in denen Wasser von geringerer Qualitätsanforderung (Brauchwasser aus Regenwasserhaltungen, aufbereitetes Abwasser, Oberflächenwasser) benötigt wird, z. B. als Kühl-, Prozess- oder Löschwasser, und diese Bereiche mit separaten Leitungssträngen bzw. Standleitungen erschlossen. Damit können vorhandene Trinkwasserlei-tungen kleiner ausgelegt und bei weiter nachgebenden Verbräuchen leichter und wirtschaftlicher bewirtschaftet werden.
  • Es wird von unabhängiger Seite geprüft, ob eine stärkere institutionelle Verbindung von Abwasserentsorgung und Trinkwasserversorgung im Hinblick auf eine rationellere und zukunftsfähigere Wasserpolitik von Vorteil ist. Nicht zuletzt auf Grund steigender Anforderungen durch die neue Trinkwasserverord-nung schließen sich die in unserer Region agierenden regionalen Wasserversorger zu einer Werte- und Interessengemeinschaft zusammen mit dem Ziel, die ortsnahe Wasserversorgung aus eigenen Vorkommen zu günstigen Preise zu erhalten, die Wasserqualität und die Versorgungssicherheit durch vielfältige Maßnahmen des Flächen- und nachhaltigen Ressourcenmanagements zu fördern.
  • Die Wasserbewirtschaftung wird so aufeinander abgestimmt und optimiert, dass die Nachhaltigkeit gewährleistet wird.
  • Die Kontrollpflichten bezüglich der Wasserschutzgebiete werden durch die dafür zuständigen Instanzen engagiert wahrgenommen und darüber hinaus intensiv die Wirkungen von wasserwirtschaftlichen Maßnahmen auf den Wasserhaushalt, die Ab-flussverhältnisse in den Fließgewässern und die Quellschüttungen untersucht und dokumentiert.