Masterplan für städtische Museen und Kultureinrichtungen

Mit der der Vorlage eines städtischen Masterplans will die Stadt Kassel einen eigenen Beitrag zur Neuordnung der Museumslandschaft Kassel leisten. Ziel der Masterplanung ist es, die Standorte und Aktivitäten der städtischen Museen, Archive und Kultureinrichtungen sowie ihre Entwicklungsperspektiven aufzuzeigen.

Der Masterplan umfasst die städtischen Kultureinrichtungen Brüder Grimm-Museum, Stadtmuseum, Naturkundemuseum, Stadtarchiv, documenta Archiv sowie das Kulturhaus Dock 4. Weiterhin werden die Einrichtung eines Technikmuseums und die Möglichkeit einer Ausstellungsfläche für bildende Künstler im Kulturbahnhof untersucht. Im ersten Teil der städtischen Masterplanung wurden die Sanierungs- und Ausbaupläne des Brüder Grimm-Museums und des Stadtmuseums vorgestellt.

Im Hinblick auf das Stadtjubiläum in 2013 und die Grimm-Jubiläumsjahre 2012/13 wurden diese beiden Projekte einer vertiefenden und umsetzungsnahen Betrachtung und Planung unterzogen. Für deren Umsetzung stehen im Haushalt der Stadt Kassel 20 Mio. € bereit.

Die denkmalgerechte Sanierung des Palais Bellevue wurde Ende 2011 abgeschlossen und das  Brüder Grimm-Museum Anfang 2012 wieder eröffnet. Dies allerdings nur vorübergehend – denn die Planungen für einen Neubau der Grimmwelt auf dem Weinberg schreiten zügig voran. Mitte 2015 wird die Grimmwelt eröffnet werden. Das Investitionsvolumen wird auf ca. 20 Mio. € geschätzt.

Neben einer umfangreichen Sanierung des bisherigen Gebäudes erhält das Stadtmuseum einen Neubau. Preisträger des vorausgegangenen Architektenwettbewerbs ist das Büro Hufnagel, Pütz+Rafaelian aus Berlin. Auch das Stadtmuseum wird  in 2015 wieder eröffnet werden. Die Kosten für dieses Projekt betragen ca. 12 Mio. €.

Der zweite Teil des Masterplans versteht sich als eine ergänzende Betrachtung. Für die dort vorgestellten Einrichtungen Naturkundemuseum, Stadtarchiv, documenta Archiv, Kulturhaus Dock 4 und das Technikmuseum werden denkbare Perspektiven mit unterschiedlichen Optionen aufgezeigt. Für deren Umsetzung gibt es zwar aktuell weder politische Beschlüsse noch Mittel zu ihrer Realisierung, aber eine strategisch vorausschauende Kulturentwicklungsplanung verlangt das Aufzeigen von langfristigen Entwicklungslinien. Mit seiner umfassenden Bestandsaufnahme und dem Aufzeigen der optionalen Möglichkeiten stellt der Masterplan Teil 2  eine Grundlage für die weitere kommunalpolitische und öffentliche Diskussion dar.
 

Naturkundesmuseum; © Stadt Kassel; Kulturamt

Naturkundemuseum

Dank seiner hervorragenden Museumsarbeit und interessanten Ausstellungen erreicht das Museum bis zu 100.000 Besucher jährlich. Das Museum stößt allerdings aufgrund seiner räumlichen Situation an seine Grenzen. Alle Möglichkeiten zur Optimierung sind ausgeschöpft. Folgende Maßnahmen werden empfohlen: 

  • Erweiterung der Flächen
  • Neuordnung der Ausstellungsflächen
  • Ergänzung fehlender Nutzungen (z.B. Cafeteria)
  • Integration der Präparationswerkstätten in das Ottoneum.

Zur Lösung der Raumproblematik wird ein ca. 600 m² umfassender Neubau angrenzend an das Ottoneum vorgeschlagen.

Stadtarchiv im Marstallgebäude; © Stadt Kassel; Kulturamt

Stadtarchiv

Das Historische Hauptarchiv der Stadt Kassel (Stadtarchiv) befindet sich auf unterschiedlichen Stockwerken im Marstallgebäude. Das Gebäude ist nicht barrierefrei zu erschließen und die Anlage der Räume nicht funktional. Auch besteht ein zusätzlicher Flächenbedarf für das Magazin. Folgende Maßnahmen werden empfohlen:

  • ein vergrößerter Benutzerraum und eine Garderobe
  • die Verlagerung der Bibliothek in den Benutzerraum
  • ein Veranstaltungs-/Schulungs- und Ausstellungsraum
  • die Einrichtung eines klimatisierten Fotoarchivs
  • zusätzliche Büroräume
  • eine bessere Ausstattung mit Sanitärräumen.



Für die Umsetzung der Maßnahmen könnte entweder – nach Ausbau - das Dachgeschoss des Marstallgebäudes hinzugenommen werden, ein Archivneubau geplant oder ein bestehendes Gebäude angemietet oder angekauft werden.
 

documenta-Archiv; © Stadt Kassel; Kulturamt

documenta Archiv

Die einzelnen Abteilungen des documenta Archivs sind unter äußerst beengten Bedingungen im Erdgeschoss des Kulturhauses Dock 4 untergebracht. Bibliothek, Archiv und Verwaltungsräume sind nicht in einer räumlichen Einheit verbunden.

 

Damit die documenta auch zwischen den Ausstellungsjahren in der Öffentlichkeit präsent ist, wird die Einrichtung eines documenta Instituts zunächst unter dem Dach der documenta GmbH empfohlen. Langfristig wird das Potenzial gesehen, das documenta Institut als außeruniversitäre Forschungseinrichtung zu etablieren.

Die Stadtverordnetenversammlung hat bereits mehrfach durch Beschlussfassungen diese Zielsetzung unterstützt. Nun wird dieses Vorhaben auch durch den Koalitionsvertrag der hessischen Landesregierung mit unterstützt.

Für das angestrebte documenta Institut, dessen Nukleus das documenta Archiv bildet, wird eine Fläche von ca. 2.500 m² notwendig sein. Folgende Gebäude wurden bisher in die Untersuchung eines möglichen Standortes mit einbezogen: Die documenta Halle, das Kulturhaus Dock 4 und die Bundesbankfiliale am Standort Ständeplatz. Letztere wurde zwischenzeitlich mit einer privaten Nutzung belegt und steht nicht mehr zur Verfügung.

Dock 4; © Stadt Kassel; Kulturamt

Kulturhaus Dock 4

Das Kulturhaus Dock 4 arbeitet seit 2002 mit dem Schwerpunkt Kinder- und Jugendkultur und hat seinen Sitz in der ehemaligen Gerhart Hauptmann-Schule. Es wird von unterschiedlichen kulturellen Produzenten als Probe- und Aufführungsstandort genutzt.

Im Kulturhaus Dock 4 befinden sich darüber hinaus die documenta GmbH und das documenta Archiv. Alle Nutzergruppen stoßen an ihre räumlichen Grenzen und haben zusätzlichen Flächenbedarf. Zusätzlich besteht ein erheblicher Sanierungs- und Modernisierungsbedarf.

Perspektivisch würden das Dock 4 ausreichend Platz für die Einrichtung eines documenta Instituts bieten. Die Kulturszene wäre dann zu verlagern; als geeignetes Areal würde sich der KulturBahnhof anbieten.

Südflügel Kulturbahnhof; © Stadt Kassel; Kulturamt

KulturBahnhof

Der KulturBahnhof und sein Umfeld sind ein bedeutender kulturwissenschaftlicher Standort Kassels und haben hessenweit Modellcharakter. Im Umfeld des KulturBahnhofes haben sich im Schillerviertel tragende Akteure wie unter anderen A.R.M., Galerie Loyal, Lolita Bar, fensterzumhof, Fotomotel und Chasalla-Haus angesiedelt.

Diese Strukturen sind zu stärken, damit sich der Standort und das angrenzende Schillerviertel in seinen Ansätzen weiter entwickeln und ausbauen kann. Nachdem die Stadt Kassel für ihre  wegen Sanierung geschlossenen Museen von 2009-2013 Ausstellungsbereiche angemietet hatte, eröffnete sich die Perspektive, im Anschluss dort eine Ausstellungsmöglichkeit für Kasseler Künstlerinnen und Künstler zu schaffen. Seit 2013 zeigt dort die Gruppe 387 jährlich mit städtischer Beteiligung einen dreiteiligen Ausstellungszyklus.
 

Technikmuseum; © Stadt Kassel; Kulturamt

Technikmuseum

Eine Machbarkeitsstudie zum Technikmuseum kam 2007 zu dem Schluss, dass ein Technikmuseums in Kassel inhaltlich tragfähig wäre, aber einen Investitionsbedarf von 11 bis 35 Mio. € erfordern würde. Sowohl das Land Hessen als auch die Stadt Kassel haben daraufhin  erklärt, dass sie gegenwärtig keine Mittel für den Aufbau eines Technikmuseums zur Verfügung stellen können, dass aber grundsätzlich die Option für eine spätere Realisierung offen gehalten werden solle.

Dem Verein Technikmuseum ist es gelungen, im ehemaligen Henschelwerk in Rothenditmold eine Halle Flächen anzumieten und er zeigt dort wichtige Exponate der Kasseler Technikgeschichte in einer Ausstellung.

 

Tourist-Information; © Stadt Kassel; Kulturamt

Kulturinformationszentrum

Die ehemals im Rathaus untergebrachte Tourist-Information der Kassel Marketing GmbH hat zwischenzeitlich neue und größere Flächen in der Wilhelmstraße bezogen. Die Verlagerung war sehr erfolgreich, da die attraktiveren Räume und ein umfangreicheres Angebot auch zu einem höheren Besucheraufkommen geführt haben.

Veröffentlicht am:   07. 07. 2014  

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