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Masterplan für städtische Museen und Kultureinrichtungen Vorlesen

Mit der der Vorlage eines städtischen Masterplans will die Stadt Kassel einen eigenen Beitrag zur Neuordnung der Museumslandschaft Kassel leisten.  Ziel der Masterplanung ist es, die Standorte und Aktivitäten der städtischen Museen, Archive und Kultureinrichtungen sowie ihre Entwicklungsperspektiven aufzuzeigen.

Der Masterplan umfasst die städtischen Kultureinrichtungen Brüder Grimm-Museum, Stadtmuseum, Naturkundemuseum, Stadtarchiv, documenta Archiv sowie das Kulturhaus Dock 4. Weiterhin werden die Einrichtung eines Technikmuseums und die Möglichkeit einer Ausstellungsfläche für bildende Künstler im Kulturbahnhof untersucht. 

Im ersten Teil der städtischen Masterplanung wurden die Sanierungs- und Ausbaupläne des Brüder Grimm-Museums und des Stadtmuseums vorgestellt.

Im Hinblick auf das Stadtjubiläum in 2013 und die Grimm-Jubiläumsjahre 2012/13 wurden diese beiden Projekte einer vertiefenden und umsetzungsnahen Betrachtung und Planung unterzogen. Für deren Umsetzung stehen im Haushalt der Stadt Kassel 20 Mio. € bereit.

Die Baumaßnahmen am Stadtmuseum und am Palais Bellevue sind bereits in vollem Gange. Nach Abschluss der denkmalgerechten Sanierung des Palais Bellevue wird das Brüder Grimm-Museum im Herbst 2011 wieder einziehen. Dies allerdings nur vorübergehend – denn die Planungen für einen Neubau des Brüder Grimm-Museums auf dem Weinberg schreiten zügig voran. In 2014 soll das neue Museum stehen. Das Investitionsvolumen wird auf ca. 18,3 Mio. € geschätzt. Die Sanierungskosten für das Palais Bellevue betragen 3,66 Mio. €. Neben der umfangreichen Sanierung erhält das Stadtmuseum einen Neubau.

Preisträger des vorausgegangenen Architektenbewerbs ist das Büro Hufnagel, Pütz+Raffaelian aus Berlin. Das Museum wird in 2013 wieder eröffnet werden. Die Kosten betragen ca. 8 Mio. €.

Der zweite Teil des Masterplans versteht sich als eine ergänzende Betrachtung. Für die dort vorgestellten Einrichtungen Naturkundemuseum, Stadtarchiv, documenta Archiv Kulturhaus Dock 4 und das Technikmuseum werden denkbare Perspektiven mit erschiedliche Optionen aufgezeigt. Für deren Umsetzung gibt es zwar aktuell weder politische Beschlüsse noch Mittel zu ihrer Realisierung, aber eine strategisch vorausschauende Kulturentwicklungsplanung verlangt das Aufzeigen von langfristigen Entwicklungslinien. Mit seiner umfassenden Bestandsaufnahme und  dem Aufzeigen der optionalen Möglichkeiten ist der Masterplan Teil 2 eine hervorragende Grundlage für die weitere kommunalpolitische und öffentliche Diskussion.

Naturkundesmuseum; © Stadt Kassel; Kulturamt

Naturkundemuseum

Dank seiner hervorragenden Museumsarbeit und interessanten Ausstellungen erreicht das Museum bis zu 100.000 Besucher jährlich. Das Museum stößt allerdings aufgrund seiner räumlichen Situation an seine Grenzen. Alle Möglichkeiten zur Optimierung sind ausgeschöpft.

Folgende Maßnahmen werden empfohlen: 
* Erweiterung der Flächen
* Neuordnung der Ausstellungsflächen
* Ergänzung fehlender Nutzungen (z.B. Cafeteria)
* Integration der Präparationswerkstätten in das Ottoneum.

Zur Lösung der Raumproblematik wird ein ca. 600 m² umfassender Neubau angrenzend an das Ottoneum vorgeschlagen.

Stadtarchiv im Marstallgebäude; © Stadt Kassel; Kulturamt

Stadtarchiv

Das Historische Hauptarchiv der Stadt Kassel (Stadtarchiv) befindet sich auf unterschiedlichen Stockwerken im Marstallgebäude. Das Gebäude ist nicht barrierefrei zu erschließen und die Anlage der Räume nicht funktional. Auch besteht ein zusätzlicher Flächenbedarf für das Magazin.

Folgende Maßnahmen werden empfohlen:
* ein vergrößerter Benutzerraum und eine Garderobe
* die Verlagerung der Bibliothek in den Benutzerraum
* ein Veranstaltungs-/Schulungs- und Ausstellungsraum
* die Einrichtung eines klimatisierten Fotoarchivs
* zusätzliche Büroräume
* eine bessere Ausstattung mit Sanitärräumen.

Für die Umsetzung der Maßnahmen könnte entweder – nach Ausbau - das Dachgeschoss des Marstallgebäudes hinzugenommen werden, ein Archivneubau geplant oder ein bestehendes Gebäude angemietet oder angekauft werden.

 

documenta-Archiv; © Stadt Kassel; Kulturamt

documenta Archiv

Die einzelnen Abteilungen des documenta Archivs sind unter äußerst beengten Bedingungen im Erdgeschoss des Kulturhauses Dock 4 untergebracht. Bibliothek, Archiv und Verwaltungsräume sind nicht in einer räumlichen Einheit verbunden.

 

Damit die documenta auch zwischen den Ausstellungsjahren in der Öffentlichkeit präsent ist, wird die Einrichtung eines documenta Zentrums empfohlen.

Dem documenta Zentrum sollten angehören:
* das documenta Archiv mit dem zu erwerbenden Harald Szeemann-Archiv
* die documenta Sammlung
* die documenta Akademie
* die documenta GmbH
* die künstlerische Leitung der documenta und der Kunsthalle Fridericianum
* ein Ausstellungs-, Tagungs- und Veranstaltungszentrum im Verbund mit dem Kunstverein, der Stiftung 7000 Eichen, der Arnold Bode-Stiftung und dem documenta forum

Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Kassel hat sich bereits für eine mittel- bis langfristige Realisierung des documenta Zentrums ausgesprochen und das Land Hessen gebeten, das Vorhaben gemeinsam umzusetzen.

Für das documenta Zentrum wird eine Fläche von ca. 5.500 m² notwendig sein. Folgende Gebäude werden in die Untersuchung eines möglichen Standortes mit einbezogen: Die documenta Halle, das Kulturhaus Dock 4 und die Bundesbankfiliale am Standort Ständeplatz.

Dock 4; © Stadt Kassel; Kulturamt

Kulturhaus Dock 4

Das Kulturhaus Dock 4 arbeitet seit 2002 mit dem Schwerpunkt Kinder- und Jugendkultur und hat seinen Sitz in der ehemaligen Gerhart Hauptmann-Schule. Es wird von unterschiedlichen kulturellen Produzenten als Probe- und Aufführungsstandort genutzt.

Im Kulturhaus Dock 4 befinden sich darüber hinaus die documenta GmbH und das documenta Archiv. Alle Nutzergruppen stoßen an ihre räumlichen Grenzen und haben zusätzlichen Flächenbedarf. Zusätzlich besteht ein erheblicher Sanierungs- und Modernisierungsbedarf.

 

Perspektivisch würden das Dock 4 ausreichend Platz für die Einrichtung eines documenta Zentrums bieten. Die Kulturszene wäre dann zu verlagern; als geeignetes Areal würde sich der KulturBahnhof anbieten.  

Würden die documenta GmbH und das documenta Archiv anderweitige Räumlichkeiten finden, könnte das Kulturhaus Dock 4 die an die documenta GmbH und das documenta Archiv abgegebenen Räume wieder in seine Nutzung übernehmen.

Südflügel Kulturbahnhof; © Stadt Kassel; Kulturamt

KulturBahnhof

Der KulturBahnhof und sein Umfeld sind ein bedeutender kulturwissenschaftlicher Standort Kassels und haben hessenweit Modellcharakter. Im Umfeld des KulturBahnhofes haben sich im Schillerviertel tragende Akteure wie unter anderen A.R.M., Galerie Loyal, Lolita Bar, fensterzumhof und Chasalla-Haus angesiedelt.

Diese Strukturen sind zu stärken, damit sich der Standort und das angrenzende Schillerviertel in seinen Ansätzen weiter entwickeln und ausbauen kann. Die Stadt Kassel hat für ihre derzeit wegen Sanierung geschlossenen Museen Ausstellungsbereiche angemietet. Hier eröffnet sich ab 2013 die Perspektive, einige Ausstellungsflächen für Kasseler Künstlerinnen und Künstler zu schaffen.

Technikmuseum; © Stadt Kassel; Kulturamt

Technikmuseum

Die Machbarkeitsstudie Technikmuseum kommt 2007 zu dem Schluss, dass ein Technikmuseums in Kassel sich inhaltlich trägt und geht von einem Investitionsbedarf von 11 bis 35 Mio. € aus.

Sowohl das Land Hessen als auch die Stadt Kassel haben erklärt, dass sie gegenwärtig keine Mittel für den Aufbau eines Technikmuseums zur Verfügung stellen können, dass aber grundsätzlich die Option für eine spätere Realisierung offen gehalten werden solle. Dem Verein Technikmuseum ist es gelungen, im ehemaligen Henschelwerk in Rothenditmold eine Halle mit einer Fläche von 2.500 m² anzumieten, in der gegenwärtig ein Ausstellungsdepot realisiert ist.

Tourist-Information; © Stadt Kassel; Kulturamt

Kulturinformationszentrum

Das Kulturinformationszentrum Innenstadt als Tourist-Information der Kassel Marketing GmbH befindet sich im Rathaus. Die Räume sind sehr beengt und etwas versteckt im Rathaus.

Empfohlen wird daher ein neu zu errichtendes Besucherzentrum in der Innenstadt (Friedrichsplatz), das die bisherige Tourist-Information aufnimmt und auch für andere Kultureinrichtungen touristische Dienstleistungen übernimmt.