Es ist zum Heulen. Zwar sagen 80 % der Deutschen, sie hielten Organspende für sinnvoll, 60 % würden gar ihre Organe im Todesfall spenden, aber nur 12 % der Bevölkerung besitzen einen Spenderausweis. Dabei ist es so einfach. Sie brauchen nur formlos eine Erklärung zur Organspende abzugeben. Hierzu gibt es kostenlose Vordrucke, z. B. im Einwohnermeldeamt, im Gesundheitsamt, in Krankenhäusern oder bei Ihrem Arzt. Hier erklären Sie mit Namen und Geburtsdatum, Wohnort und Straße, dass Sie Organspender sind. Sie erklären damit, dass Sie kranken Menschen dadurch helfen möchten, dass ihnen nach ihrem Tod Organe bzw. Gewebe zur Transplantation entnommen werden dürfen. Dann unterschreiben Sie diese Erklärung und legen Sie am besten zu Ihrem Ausweis.
Allein 82.000 Menschen sind in Deutschland auf eine chronische Nierenersatztherapie angewiesen, ¾ davon unterziehen sich einer Dialyse, da die Nieren vollständig ihren Dienst aufgegeben haben. Dialysiert werden muss alle zwei bis drei Tage und erfordert für die Patienten und deren Familie viel Kraft und Durchhaltevermögen, da sie mehrere Stunden ans Bett oder den Behandlungsstuhl gefesselt sind. Auch nach einer Dialyse ist die Lebensqualität deutlich eingeschränkt. Eine zweite Chance haben solche Patienten nur durch eine Organspende. Die durchschnittliche Wartezeit auf eine solche Spenderniere beträgt jedoch in Deutschland ca. 6 Jahre. Die Zahl der Organspender ließe sich erhöhen, wenn sich mehr Menschen für einen Organspendeausweis entschließen würden. Angst muss heutzutage keiner mehr haben, denn bevor überhaupt eine Organentnahme möglich ist, muss der Hirntod des Organspenders von zwei dafür qualifizierten Ärzten unabhängig voneinander festgestellt werden. Das Gehirn steuert als übergeordnetes Organ alle elementare Lebensvorgänge des Menschen. Deshalb ist auch mit seinem Tod der Mensch in seiner Ganzheit gestorben. Dennoch können Herz- und Kreislauffunktion eines Hirntoten durch Beatmung und Medikamente künstlich aufrecht erhalten werden. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass dieser Mensch tot ist. Der Hirntod ist dann eingetreten, wenn die Funktionen des gesamten Gehirns, also des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms irreversibel erloschen sind.
Übrigens, es gibt keine feste Altersgrenze für eine Organspende, d. h. auch ältere Menschen können sehr wohl spenden - denn es kommt nicht auf das kalendarische Alter des Spenders, sondern auf das biologische Alter seiner Organe und Gewebe an.
Gemäß der Vorgabe des Transplantationsgesetzes ist die Koordinierungsstelle für die Vorbereitung und Durchführung der Organspende die DSO - die Deutsche Stiftung Organtransplantation. Diese übernimmt die Verantwortung für den gesamten Organspendeprozess einschließlich des Transportes. Sie arbeitet zusammen mit den etwa 1400 Krankenhäusern und den rund 50 Transplantationszentren in Deutschland. Für die Organvermittlung ist sie nicht zuständig. Hier ist eine unabhängig arbeitende Stiftung namens Eurotransplant im niederländischen Leiden verantwortlich.