Es gilt das gesprochene Wort.
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Christine, liebe Mitarbeiterinnen des Projekts "Aktive Eltern,
mit dem Projekt Aktive Eltern hat das Kulturzentrum Schlachthof vor 3 Jahren eine neue und innovative Form der Elternbildung und Arbeit mit Eltern in Kassel geschaffen.
Zunächst die Zielgruppe: Ganz bewusst wurde die Arbeit mit Familien mit Migrationshintergrund in den Mittelpunkt gestellt. Niedrigschwelligkeit, Interkulturalität und Kooperation mit Bildungseinrichtungen sind die nächsten drei wichtigen und innovativen Momente des Projekts.
Eltern müssen nicht irgendwo eine Beratungseinrichtung aufsuchen, sondern das Team von Aktive Eltern kommt dahin, wo die Kinder und Eltern sind: Vor allem in die Kindertageseinrichtungen und die Schulen, aber auch in Kulturvereine und Moscheen.
Und die Erfolge des Projekts zeigen, dass dieser Ansatz der richtige Weg für diejenigen Eltern ist, die über die herkömmlichen Angebote der Eltern- und Familienbildung nur schwer oder gar nicht erreichbar sind.
In dem ja relativ kurzen Zeitraum des Bestehens des Projekts ist es dem Team von Aktive Eltern gelungen, in Kooperation mit Bildungseinrichtungen und vielen weiteren Partnern in 5 Kasseler Stadtteilen (Rothenditmold, Nordstadt, Waldau, Bettenhausen, Oberzwehren) viele Eltern mit Migrationshintergrund mit ganz unterschiedlichen Angeboten zu erreichen und sie in ihrer Elternkompetenz zu stärken und zu unterstützen.
Der Erfolg zeigt deutlich, dass die Frage, ob eine Zielgruppe erreichbar ist oder nicht, weniger mit der Zielgruppe, aber viel mit dem richtigen Arbeitsansatz zu tun hat.
Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund sind im Hinblick auf ihre Bildungschancen nach wie vor deutlich benachteiligt. Das gilt bundesweit und das zeigen uns auch die Kasseler Zahlen, wenn wir in diesem Zusammenhang die Schulabschlüsse als wichtigen Indikator heran ziehen.
Wir wissen, das der Bildungs- und Schulerfolg von Kindern und Jugendlichen in keinem anderen europäischen Land so stark mit der Herkunftsfamilie verknüpft ist wie in Deutschland.
Und wir wissen auch, dass die Verfasstheit unseres Bildungssystems den Eltern viel Unterstützung für ihre Kinder abverlangt. Nicht ganz zu Unrecht wurde in diesem Zusammenhang ja auch zugespitzt von den Müttern als "Hilfslehrerinnen" der Nation gesprochen. Kein Wunder also, dass dann all diejenigen Kinder schnell zum Scheitern verurteilt sind, deren Eltern z. B. infolge mangelnder Sprach- und auch Institutionenkenntnis diese Unterstützung nicht leisten können. Genau hier setzt die Arbeit von Aktive Eltern an, denn ein ganz wesentlicher Teil dieser Arbeit besteht in der interkulturellen Vermittlung als Brücke zwischen Eltern mit Migrationshintergrund und den Institutionen. Dabei stehen die Bildungsinstitutionen im Mittelpunkt, aber Aktive Eltern baut auch bewusst Brücken zu vielen anderen Institutionen wie z. B. Kinderärzten, therapeutischen Einrichtungen und Beratungsstellen, die für ein gesundes und entwicklungsförderndes Aufwachsen von Kindern eine wichtige Rolle spielen.
Gerade der Aspekt der Gesundheit wird im Arbeitsansatz des Projekts in vielen Angeboten mit dem Bildungsaspekt verknüpft, eine Verknüpfung, die ich in meiner Funktion als Dezernentin für Jugend, Schule und Gesundheit ganz nachdrücklich begrüße und unterstütze.
Interkulturelle Vermittlung ist in der Arbeit von Aktive Eltern keine Brücke, die nur in einer Richtung befahrbar ist, sondern meint auch Sensibilisierung der Institutionen für die Belange und die kulturellen Eigenheiten der Familien mit Migrationshintergrund. So werden ErzieherInnen und LehrerInnen über Weiterbildung in ihrem beruflichen Alltag und im Umgang mit den Kindern und Familien geschult und unterstützt.
Ich sehe auch hier einen ganz wichtigen Aspekt der Arbeit von Aktive Eltern, denn sie wirkt auf diesem Weg in unsere Schulen und Kitas hinein und schafft über Sensibilisierung und mit der Stärkung der interkulturellen Kompetenz und Kommunikationsfähigkeit die Basis für nachhaltige Wirkungen des Projekts.
Liebe Mitarbeiterinnen des Teams von Aktive Eltern,
mit Ablauf der ersten Projektförderung markiert die heutige Veranstaltung natürlich auch eine Zäsur, verbunden – wie bei vielen guten und erfolgreichen Projekten leider üblich - auch mit einer gewissen Unsicherheit über die Zukunft des Projekts.
Ich möchte an dieser Stelle abschließend noch einmal versichern, dass ich von der Richtigkeit des Arbeitsansatzes überzeugt bin und dass ich in dieser Arbeit ganz viele Anknüpfungspunkte zu den Jugend- und bildungspolitischen Handlungsfeldern sehe, an denen zur Zeit in meinem Dezernat gearbeitet wird:
Leider kann ich heute keinen großen Scheck der Stadt für die weitere Sicherung des Projekts überreichen, aber Sie wissen, dass Sie meine Unterstützung haben und ich bin mir sicher, dass wir auch in Zukunft Wege finden, diese wichtige Arbeit weiter abzusichern.
Mein herzlicher Dank und meine Gratulation zum Erfolg der Arbeit in den letzten drei Jahren. Ich bin zuversichtlich, dass die Aktiven Eltern auch weiter aktiv sind.