Rede des Kasseler Historikers Wolfgang Matthäus

Rede des Kasseler Historikers Wolfgang Matthäus auf dem neuen jüdischen Friedhof in Kassel-Bettenhausen zur Gedenkfeier der Stadt Kassel anlässlich des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus am Mittwoch, 27. Januar 2016.

„Juden gilt ihr Friedhof auch als „guter Ort“. Dieser Friedhof ist - in einem anderen Sinne - ein guter Ort, der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken – nicht nur am heutigen Tag.

Ich möchte Sie ein wenig mit diesem Ort vertraut machen, an dem wir uns heute versammelt haben, um an die Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern und ihrer zu gedenken. Dabei ist es mir wichtig, einigen von ihnen einen Namen zu geben. Denn nur allzu leicht geht der Einzelne in der Abstraktion des millionenfachen Mordes unter.

Dies ist ein Ort, an dem bereits früh nach der Befreiung Europas von nationalsozialistischer Herrschaft Menschen der Erinnerung und dem Gedenken bleibend Ausdruck verleihen wollten. Auf dem Denkmal, das sie errichteten, steht als Überschrift „YIZKOR“, was so viel wie „Gedenken“ bedeutet und in jüdischen Gebeten für Tote verwendet wird. Auf dem Stein gibt es einen identischen Text der in drei Sprachen - Englisch, Jiddisch und Hebräisch - an 6 Millionen von den mörderischen Nazis ermordeten Juden erinnert. In deutscher Sprache erfolgt lediglich der Hinweis auf denjenigen, der es errichtete: das jüdische Komitee Hasenhecke. Aber – wer verbirgt sich dahinter?

 

Millionen Menschen heimatlos

Mit dem Ende nationalsozialistischer Herrschaft waren Millionen von Menschen heimatlos geworden. Die Alliierten nannten sie Displaced Persons, in ihrer Begriffsbestimmung „Zivilpersonen, die sich wegen Kriegsauswirkungen außerhalb der nationalen Grenzen ihres Landes befinden, die zwar nach Hause zurückkehren oder ein neues Zuhause finden wollen, jedoch nicht in der Lage sind, dies ohne fremde Hilfe zu tun.“ Millionen von Menschen – in Kassel vor allem ehemalige Zwangsarbeiter, die nach Deutschland und auch Kassel verschleppt wurden - ehemalige Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge, die aus den Lagern befreit wurden, Flüchtlinge aus Osteuropa, die im Zuge der Kriegshandlungen nach Deutschland geflohen waren. Und das waren im April 1945 in unserer Stadt vermutlich annähernd 30.000 Menschen. Am Mattenberg, im Lager Junkers im Forstfeld, in der Fasanenhofsiedlung und in der ehemaligen Kaserne auf der Hasenhecke errichteten die amerikanische Armee und die Flüchtlingsorganisation der Vereinten Nationen UNRRA assembly centers, in denen man diese Menschen sammelte, um ihnen die Rückkehr in die Heimat zu ermöglichen. Auf der Hasenhecke und im Fasanenhof standen polnische Priester der Bevölkerung dieser DP-Camps seelsorgerisch bei, die die Haft im KZ-Dachau überlebt hatten. Bis weit ins Jahr 1946 und bis zu ihrer Rückführung - der Repatriierung - stammte die größte Gruppe der DPs aus Polen, kamen die meisten von ihnen aus dem östlichen Europa. Einige von ihnen, die in Kassel starben, sind auf dem benachbarten Friedhof Bettenhausen begraben.

Aber gerade in Polen – wie allerdings auch in anderen Ländern - setzte im gleichen Jahr eine Fluchtbewegung von Juden nach Westen ein. Juden, die die Shoah in den KZs oder durch Flucht und Versteck überlebt hatten, waren in ihrer Heimat bei ihrer Rückkehr selten freundlich, sondern meist feindselig empfangen worden. Der Historiker Yehuda Bauer schreibt dazu: „Sie wurden gehasst, gejagt und ermordet, wann immer sich die Regierungsgewalt umgehen ließ.“ Eine faschistische Organisation erklärte in einem Flugblatt 1945, dass es eine patriotische Pflicht sei, Juden zu ermorden. Das Pogrom am 4. Juli 1946 in der polnischen Stadt Kielce mit 42 ermordeten Juden war letztlich das Fanal, die illegale Flucht nach Österreich oder Deutschland zu wagen – ins Land der Täter. Es waren mehr als 100.00 Menschen.

 

DP-Camp Möncheberg

Tausende von ihnen strandeten in Kassel. Im DP-Camp Möncheberg in der Fasanenhofsiedlung, auf der Hasenhecke und seit 1948 auch im DP-Camp Jägerkaserne befanden sie sich in einem Wartesaal, denn ihre eigentlichen Ziele waren die USA und Palästina. Ihrer schmerzlichen Erinnerung gaben sie Ausdruck. So war eine Gedenkfeier in der Jägerkaserne dem Aufstand im Warschauer Ghetto  an dessen Jahrestag gewidmet. Und in allen Kasseler jüdischen DP-Camps errichteten die Überlebenden Denkmäler an die Shoah. Auf diesem Friedhof befindet sich neben diesem Denkmal wenige Schritte von hier das, was vom Denkmal des DP-Camps Möncheberg der Witterung standgehalten hat – die Schrift ist nicht mehr lesbar. An dessen Einweihung am 23. Februar 1947 hatte ein Vertreter des städtischen „Spezial-Referats“ für jüdische Angelegenheiten teilgenommen. Das 1948 eingeweihte Denkmal in der Jägerkaserne ist irgendwann entfernt worden und verschwunden. Nur noch Fotos zeugen von ihm.

 

Im Wartesaal des DP-Camps konnten Menschen wieder Lebensmut schöpfen. Die Geburtenrate in den Kasseler Camps war hoch. Sie betrug ein Mehrfaches der Geburtenrate der deutschen Bevölkerung in der Stadt. Zu den in Kassel geborenen Kindern gehörte Eva Fogelman, die weltweit anerkannte amerikanische Psychologin. Selbst das Kind von Überlebenden der Shoah, gilt den Kindern der Überlebenden ein großer Teil ihrer wissenschaftlichen Arbeit. In ihrem viel beachteten Buch: „Wir waren keine Helden“ setzt sie „den Lebensrettern im Angesicht des Holocaust“ ein Denkmal. Das Buch widmet sie ihren Eltern, „die die Hoffnung nie aufgaben“, wie sie schreibt, - die Einleitung darin auch der Überlebensgeschichte ihres Vaters, der nach dem Krieg als jüdischer Flüchtling nach Kassel kam.

Der damals 26-jährige Simcha Fagelman, arbeitete 1942 in einer Bäckerei in der kleinen weißrussischen Stadt Illya, als er am 20. März nur knapp einer Razzia der Gestapo entging. Sein russischer Vorgesetzter hatte angegeben, dass sich in der Bäckerei keine Juden befänden, und versteckte ihn bis in die Nacht. Simcha musste aus seinem Versteck beobachten, wie nahezu die gesamte jüdische Bevölkerung der Stadt erschossen wurde – mehr als 1.000 Menschen und darunter auch seine sämtlichen Familienangehörigen, die in der Stadt lebten. Simcha floh in die Wälder und war immer wieder auf die Hilfe von Bauern angewiesen, bis er sich einer weißrussischen Partisanengruppe anschloss. Eva Fogelman fasst zusammen: „Simcha Fagelman verdankt sein Leben dem Mut eines russischen Bäckers und der Großzügigkeit von Bauern, die ihre knappen Lebensmittel mit den Flüchtlingen teilten. Simcha vergaß sie nie. Ich auch nicht. Simcha Fagelman ist mein Vater.“

Vielleicht ist der Holocaust-Gedenktag heute auch ein Tag, um derer zu gedenken, die ihr Leben aufs Spiel setzten, um Verfolgte und Flüchtlinge zu retten.

Während die Familie Fagelman zunächst nach Israel auswandern konnte – Eva Fogelman ging später in die USA – zeugt auf diesem Friedhof eine Reihe von Gräbern von denjenigen, die ihr Ziel nicht mehr erreichten und in den DP-Camps in Kassel oder der Umgebung starben. Welche Erinnerung mag zum Beispiel Abraham Mützenmacher, der mit 47 Jahren in Kassel starb, mit in sein Grab genommen haben – dort hinter der Hecke?

 

Ort verweist auf viele Verbrechen

Wir haben uns heute hier an einem Ort versammelt, auf dem vieles auf die Verbrechen des nationalsozialistischen Deutschland verweist.

Dies ist ein Friedhof, der von dem der Moderne verpflichteten Kasseler Architekten Karl-Hermann Sichel zu Beginn der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts für die jüdische Gemeinde entworfen wurde. Von ihm stammt auch das Denkmal auf dem alten Friedhof zur Erinnerung an die jüdischen Kasseler Soldaten, die im Ersten Weltkrieg gefallen waren. Dieses war auch ein Zeichen der Abwehr des Antisemitismus, der Juden letztlich für die Niederlage im Ersten Weltkrieg verantwortlich machte. Im Zeichen dieses Antisemitismus erhielt Sichel 1935 Berufsverbot mit der Begründung, dass er als „Nichtarier“ nicht die Gewähr dafür biete, deutsches Kulturgut zu erschaffen. Mit seiner Frau Frieda, geb. Gotthelft, und der Tochter Anna wanderte er daraufhin nach Südafrika aus – nicht ohne dass sich die Familie an den Gräbern ihrer seit etwa 1800 in Kassel ansässigen Familie Gotthelft auf dem alten jüdischen Friedhof verabschiedete.

 

Der Rechtsanwalt Dr. Maximilian Plaut war der erste, der auf dem neuen Friedhof im März 1933 begraben wurde. Ihn hatten nationalsozialistische Schläger im Rahmen einer ganz frühen Terroraktion gegen Juden und politisch Missliebige derart malträtiert, dass er an den Folgen dieser Misshandlungen starb. Auftakt für das, was kommen sollte. Seine Beerdigung fand unter Beobachtung durch die Polizei statt und konnte nur im engsten Familienkreis durchgeführt werden. Max Plauts Grab ist heute ein Ehrengrab der Stadt Kassel. Das Grab Dr. Felix Blumenfelds auf dem alten Friedhof ist gleichfalls ein Ehrengrab der Stadt. Der überaus sozial engagierte Arzt hatte es im Januar 1942 für besser erachtet, „lieber freiwillig als ein Toter das Haus zu verlassen, als von den Schergen der Gestapo hinausgejagt zu werden“, wie er in seinem Abschiedsbrief schrieb.

Sein Grab ist nicht das einzige eines Menschen, der in den Suizid getrieben wurde, und auch Menschen, die in KZs starben, sind auf dem alten Friedhof begraben – ohne dass die Grabsteine dies verraten. 

An die Ermordung von Menschen erinnern auf diesem wie auch dem alten jüdischen Friedhof Inschriften auf Gräbern, die nicht ihre sind. Sie gedenken derjenigen, für die es nie ein Grab gab und deren Todesort und –zeitpunkt oftmals nicht einmal bekannt sind. Auf diesem Friedhof findet man zum Beispiel die Namen von Hildegard Glück, die ins Ghetto von Lodz deportiert wurde, von Selma Oppenheim und Ilse Kaufmann, die die Deportation nach Riga nicht überlebten, oder von Isaak Wertheim, für den die Deportation gleichfalls der Tod bedeutete.

Nur wenige Schritte von hier liegt das Grab des aus Wilna stammenden Noach Kreski, der nach vierjähriger KZ-Haft nach dem Krieg aus Polen nach Kassel kam und im Vorstand der jüdischen Gemeinde tätig war. Sein Grabstein erinnert an den Tod seiner sechs Kinder im KZ. Auch seine erste Frau und ein Großteil seiner Verwandtschaft waren ermordet worden.

Gräber aus den ersten Jahrzehnten der Nachkriegszeit finden sich hier nur relativ wenige. Das nationalsozialistische Deutschland hatte die Menschen der jüdischen Gemeinde vertrieben oder ausgelöscht. Nur wenige der Überlebenden – wie die spätere Ehrenbürgerin Sara Nussbaum - waren in die Stadt zurückgekehrt, die ihnen einmal Heimat bedeutet hatte. Eine Liste der Gemeindemitglieder aus dem Jahr 1946 umfasst etwa 60 Namen. Darunter sind ganz wenige, wie Siegmund Nordschild und sein Sohn Berthold, die in Kassel überlebt hatten, weil die jüdisch-christliche Familie nicht deportiert worden war.

Manche der Gräber aus der Nachkriegszeit verweisen auf Geschichten vom Überleben und der Rückkehr Kasseler Juden. Auf einige möchte ich eingehen.

Der Rechtsanwalt Dr. Ludwig Goldschmidt, der hier 1970 begraben wurde, war im November 1938 wie viele jüdische Männer in Buchenwald inhaftiert worden. Danach gelang es ihm, mit seiner Ehefrau nach England zu gelangen. Von der Justizverwaltung gebeten, kehrte er 1948 in seine Heimatstadt zurück, um zunächst als Oberlandesgerichtsrat und später als Präsident des in Kassel ansässigen Senats des Oberlandesgerichts tätig zu sein. Nicht nur unter den emigrierten Rechtsanwälten blieb der Rückkehrer eine Ausnahme. 

Irma Golnik und ihre Söhne Horst und Werner hatten die Deportation der Kasseler Juden nach Riga überlebt, nicht aber der Vater und die Schwester. Die Sowjetunion verweigerte den Brüdern allerdings bis 1956 die Rückkehr nach Kassel, während ihre Mutter bereits kurz nach dem Krieg wieder hier leben konnte.

Dem alleinstehende Pferdehändler Berthold Schiff, der zuletzt als „Auswanderungshelfer“ tätig war, gelang die Auswanderung selbst nicht. Wie die Familie Golnik und mit ihnen über 1.000 Menschen deportierte man ihn im Dezember 1941 nach Riga.  Obwohl bereits 55 Jahre alt, blieb er dort von den immer wieder erfolgenden Selektionen, bei denen Arbeitsunfähige ermordet wurden, verschont. Wie durch ein Wunder überlebte er wochenlange Torturen im Zentralgefängnis Riga, jahrelange Zwangsarbeit für die Wehrmacht im Ghetto Riga, als Häftling des KZ Riga-Kaiserwald und als Häftling in der lettischen Hafenstadt Libau. Nach der Verschleppung in das Zuchthaus Hamburg-Fuhlsbüttel schickte man ihn von dort auf einen Todesmarsch in das Arbeitserziehungslager Nordmark bei Kiel. Auch das überlebte er und wurde am 1. Mai 1945 vom schwedischen Roten Kreuz befreit und nach Schweden gebracht. Es gelang ihm erst einige Jahre später nach Kassel zurückzukehren. Seinen ersten Antrag auf Entschädigung lehnten die Behörden aus formalen Gründen ab, da Berthold Schiff nicht am 1.Januar 1947 in Hessen gewohnt hatte. Dabei – so die Behörde in dem Bescheid an ihn – sei es belanglos, „warum Sie am 1.1.1947 nicht in Hessen gewohnt haben.“ In dem dann doch eingeleiteten Entschädigungsverfahren sah sich Berthold Schiff genötigt, die flehentliche Bitte auszusprechen: „Ich hoffe, dass die Kammer den Ansprüchen der Verfolgten nicht nur Zweifel entgegen hält, sondern deren Aussagen unter Würdigung der fürchterlichen Vergangenheit und angesichts der schwierigen Beweisführung Glauben schenkt.“

 

"Der gellende Schrei wäre allein Ausdruck für unser Leid"

1950 errichtete die Stadt auf dem alten Friedhof ein Denkmal, das in der Sprache nicht so deutlich ist wie dieses hier. Zu seiner Einweihung sprach Dr. Robert Raphael Geiss, der letzte Landesrabbiner Kassels. In seiner Rede am 25. Juni sagte er unter anderem:

 „Zu einer Stunde der Erinnerung sind wir hier zusammengekommen. Aber bedürfen wir dieser Stunde? Unser Leben ist ja bis in jede Stunde gezeichnet durch grausigste Erinnerungen. Und könnten wir unserem Schmerz überhaupt Ausdruck geben – nicht das Wort, der Schrei, der gellende Schrei wäre allein Ausdruck für unser Leid.

Sie haben mich, Ihren letzten Landesrabbiner, zu dieser Feier gebeten. Ich könnte hier auf diesem Friedhof durch die Gräberreihen gehen und von den Toten erzählen, von denen, die eines natürlichen Todes gestorben sind, von denen, die das Leben jener Jahre nicht mehr ertrugen und selbst Hand an sich legten, von denen, die in plombierten Särgen aus den Konzentrationslagern kamen. (…) Nur wer die Menschen gekannt hat, wer nicht hart und gefühllos gemacht wurde durch die infame Tatsache namenloser, nicht mehr fassbarer Millionen von Opfern, weiß um unseren Schmerz.“

Robert Geiss begann seine Rede und ließ diese enden mit Teilen eines im Talmud überlieferten Gebets: „Gib, Ewiger, mein Gott und Gott meiner Väter, dass in keines Menschen Hass aufsteige gegen uns - und gegen keinen Menschen Hass in unseren Herzen aufsteige.“

Mit „Ausgerechnet nach Deutschland“ könnte man die Flucht jüdischer DPs nach 1945 kommentieren, die dem Hass entflohen. „Ausgerechnet Deutschland“ hieß vor einigen Jahren eine Ausstellung im jüdischen Museum Frankfurt, die sich mit der jüdischen Zuwanderung aus dem Gebiet der Sowjetunion befasste. In deren Zusammenhang wurde Kassel zum zweiten Mal nach dem Krieg Zufluchtsort für Juden aus dem Osten. Dieser Friedhof zeugt unübersehbar von dieser Zuwanderung und von dem enormen Anwachsen der jüdischen Gemeinde.

Für die jüdischen DPs war Kassel damals ein vorübergehender Aufenthaltsort, ein Wartesaal. Ihnen schlug sehr oft Antisemitismus entgegen. Wie auch die nicht-jüdischen DPs, vor allem Polen, wurden sie von Deutschen verantwortlich gemacht für Wohnungsnot, Schwarzmarkt oder Kriminalität. Viele sprachen von „Ausländerplage“ und waren der Ansicht, dass Ruhe und Ordnung nur durch die Beseitigung dieser „Plage“ wieder hergestellt werden könnten. Im Land der Täter wollten ganz viele schnell vergessen, wo die Ursachen für die Anwesenheit Tausender Menschen anderer Nationalität und die Not der Bevölkerung lagen und wer dafür die Verantwortung trug.

Die Opfer des Nationalsozialismus zu Tätern zu machen war offenkundig dazu geeignet, sich selbst zu entlasten.

Wenn die jüdischen DPs damals ihre Hoffnung nicht auf Deutschland richteten, können wir heute mit einiger Hoffnung und Zuversicht davon ausgehen, dass die Existenz einer so stark gewachsenen jüdischen Gemeinde dauerhaft sein wird. Aber es gilt weiterhin, wachsam zu sein, wie uns nicht nur das Beispiel der französischen Juden zeigt, die das Land verlassen.

In einer Zeit, in der „Flüchtling“ zum Wort des Jahres wurde, hilft vielleicht die historische Erinnerung an Flüchtlinge, Vertriebene, Verschleppte und Krieg Überlebende zur Orientierung. Dazu sollten meine Ausführungen einen Beitrag leisten.

Die Bitte des Landrabbiners Dr. Robert Geiss ist nach wie vor aktuell.“ 

Veröffentlicht am:   29. 01. 2016  


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