Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt: Projekt der Kommunalen Arbeitsförderung

"Die Integration geflüchteter Menschen in den ersten Arbeitsmarkt ist eine wichtige politische und gesellschaftliche Zielsetzung. In Kassel schafft die Kommunale Arbeitsförderung dazu Voraussetzungen", sagte Bürgermeisterin Ilona Friedrich im Rahmen eines Pressetermins zur Vorstellung des Projekts "WIR – Fallmanagement" und einem der Teilnehmer, Husein Al Qasin, der im Juli 2015 aus Somalia nach Deutschland kam.

Husein Al Qasin, Somalier, der nach Deutschland kam mit Bürgermeisterin Friedrich, Mitarbeitern der Firma Jobi Edelstahl und Sozialpädagogin

Seit August 2017 unterstützt die Kommunale Arbeitsförderung des Sozialamts im Rahmen des "WIR – Fallmanagement" geflüchtete Menschen bei der Vermittlung in eine berufliche Tätigkeit oder in eine Ausbildung. Zurzeit sind rund 70 Personen in Maßnahmen eingebunden. Sie werden von einer Sozialpädagogin begleitet. Zielsetzungen sind die Vermittlung von berufsbezogener Sprache durch die praktische Arbeit, Einblicke in die Arbeitswelten in Deutschland, die Überprüfung der fachlichen Eignung für einen berufliche Tätigkeit oder Ausbildung, die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und die Vermittlung eine sinnvollen Tagesstruktur durch eine berufliche Tätigkeit.

So gibt die Kasseler Firma Jobi Edelstahl- und Metallbau seit Oktober 2017 Husein Al Qasin im Rahmen eines Orientierungspraktikums die Möglichkeit, berufsspezifische Tätigkeiten und Arbeitsabläufe in der Firma kennenzulernen. Gemeinsam mit Jörg Hofmann, dem Geschäftsführer der Firma, stellte Bürgermeisterin Friedrich als zuständige Sozialdezernentin dar, welche Möglichkeiten ihm das Projekt eröffnet.
Parallel werden Betriebe und Firme in allen Berufsbereichen geworben, die grundsätzlich offen dafür sind, geflüchtete Menschen bei der Integration in das Berufsleben zu begleiten. "Dabei findet eine enge Zusammenarbeit und Vernetzung mit den Betrieben, Kammern, Ämtern und Behörden sowie Vereinen und Institutionen statt, die die Integration geflüchteter Menschen unterstützen", so die Sozialdezernentin.

Hintergrund:
Flüchtlinge verfügen in der Regel nicht über Ausbildungs- und Arbeitszeugnisse, da diese oftmals im Krieg oder auf der Flucht verloren gegangen sind beziehungsweise nicht mitgenommen wurden. Im Ausland erworbene Kenntnisse, Erfahrungen und erbrachte berufliche Leitungen müssen zudem unter den Bedingungen des deutschen Arbeitsmarktes neu bewertet werden und erfordern in der Regel eine aufwändige Nach- und Neuqualifizierung.
Ausgehend von dieser Situation, dem Bedarf an Arbeitskräften im niedrigschwelligen Dienstleistungssektor in Nordhessen und auch bundesweit sowie der hohen Motivation der Flüchtlinge, ihren Lebensunterhalt selbst sicherzustellen, wird in diesen Maßnahmen eine Integration in Arbeit oder Ausbildung zunächst mittels Praktika von bis zu vier Wochen Dauer angestrebt. Berufliche Vorerfahrung aus den Herkunftsländern, Interesse und Motivation der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der zukünftigen beruflichen Tätigkeit sollten vorhanden sein. Anerkennungsverfahren für eventuell mitgebrachte berufliche Qualifizierungen aus den Herkunftsländern werden initiiert, Ressourcen können benannt, Defizite können – soweit möglich – durch geeignete Angebote beseitigt oder reduziert werden. Es besteht die Zielsetzung, dass sich nach einer Einarbeitungszeit und im Einzelfall nach zusätzlicher Qualifizierung eine berufliche Perspektive für Flüchtlinge entwickelt.
Finanziert wird das "WIR –Fallmanagement" vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration sowie aus Eigenmitteln der Stadt Kassel.
 

Veröffentlicht am:   07. 12. 2017  


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