Entdeckungsspaziergang: Neuzugewanderte lernen die Kasseler Stadtgeschichte kennen

Gruppe steht vor ehemaligen Polizeipräsidium; © Stadt Kassel; Foto: Eull

Die Stadt, in der sie leben, nicht nur kennenlernen, sondern auch besser verstehen: das ermöglichte ein Entdeckungsspaziergang Teilnehmerinnen und Teilnehmern eines Integrationskurses. Entlang des Königstors, der Friedrich-Ebert-Straße und der Kasseler Innenstadt wurde sichtbar, in welchem Maße Kassel von Zerstörung und Wiederaufbau in der Nachkriegszeit geprägt ist. Der Rundgang soll als dauerhaftes Angebot für die Integrationskurse in Kassel etabliert werden. Der erste Spaziergang fand am 18. Juli statt.

Der Spaziergang ist ein praktisches Element, das die Themen ergänzt, die im Kurs vermittelt werden: Die Zeit des Nationalsozialismus, die Entstehung der Bundesrepublik Deutschland oder das deutsche Grundgesetz sind wichtige Bestandteile der Orientierungskurse. Mithilfe von Fotografien konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer das Kassel von heute mit Ansichten der Stadt aus der Vor- und Nachkriegszeit vergleichen. Die Bilder des zerstörten Kassel sorgten für staunende Ungläubigkeit. Stolpersteine und die dahinter stehenden Biographien der im Nationalsozialismus Ermordeten riefen tiefe Erschütterung hervor.

Für die inhaltliche Ausgestaltung des Spaziergangs war der Kasseler Historiker Wolfgang Matthäus vom Verein Stolpersteine verantwortlich. Ideengeberin und Organisatorin ist Teslihan Ayalp, Koordinatorin des WIR-Landesprogramms im Zukunftsbüro der Stadt Kassel. 

Gruppe mit Historiker schaut auf Stolperstein; © Stadt Kassel; Foto: Eull

Frauenhand zeigt auf Stolperstein; © Stadt Kassel; Foto: Eull


Hintergrund

Im Rahmen des vom Land Hessen geförderten, im Zukunftsbüro umgesetzten WIR-Programms, bietet das Zukunftsbüro der Stadt Kassel in Zusammenarbeit mit verschiedenen Institutionen wie beispielsweise dem Stadtmuseum, dem Deutschen Gewerkschaftsbund, der Polizei, oder Krankenkassen seit 2012 praxisnahe Informationsmodule für die Integrationskurse von Neuzuwanderern an. Die Integrationskurse selbst werden von Bildungsträgern angeboten, die vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zertifiziert sind und laufend überprüft werden.

 

Erklärungen zu Themen wie Gesundheitssystem, Anerkennungsgesetz, Ausländerbeirat, oder Rathaus- und Stadtmuseumsführungen sollen Neuzuwandernden in den Integrationskursen die Orientierung in der Kommune erleichtern.

 

Mit den alltagsnahen Informationsmodulen sollen bei dem Neuzuwandernden Berührungshemmnisse abgebaut und interkulturellen Missverständnissen vorgebeugt werden. Die teilnehmenden Institutionen erhalten zudem durch ein direktes Feedback der Integrationskursteilnehmerinnen Anregungen zur eigenen Aufgabenwahrnehmung (Verbesserung der „interkulturellen Servicequalität“).

Veröffentlicht am:   08. 08. 2017  

Service

Social Media