Verkehrstechnologien der Zukunft werden in Kassel entwickelt

Der Verkehr in Kassel wird in Zukunft noch sicherer, effizienter und umweltverträglicher. Helfen wird dabei ein neues Verkehrsmanagement-System, das im Rahmen des bundesweiten Forschungsprojektes UR:BAN entwickelt wurde. Mit den Daten aus dem Verkehrsmanagement-System können Autofahrer noch umfassender informiert werden und so ihr Fahrverhalten anpassen. Kassel gehört neben Düsseldorf und Frankfurt am Main zu den ersten Städten, die auf einer nationalen Plattform zahlreiche Verkehrsdaten anbieten.


Das UR:BAN-Projekt - Verkehrssysteme für Kommunen



Ampelphasen-Assistent und Verkehrsmanagement-System entwickelt
Kassels Stadtbaurat Christof Nolda erklärt: „Für Dienstleister von Navigationsgeräten ist es jetzt schon möglich, hilfreiche Verkehrsdaten aus dem Kasseler Stadtgebiet wie aktuelle Verkehrsstärken oder Beeinträchtigungen durch Baustellen abzurufen. Rundfunksender beziehen Daten über die Belegung der Parkhäuser. Mit dem Informationsangebot unterstützen wir Verkehrsteilnehmer, sich sicher, umweltgerecht und wirtschaftlich im Straßenverkehr zu verhalten.“

Dazu beitragen könnte auch eine weitere Anwendung, die während des UR:BAN-Projekts in Kassel entstanden ist: So wurde am Fachgebiet Verkehrstechnik und Transportlogistik der Universität Kassel unter der Leitung von Professor Dr. Robert Hoyer ein Ampelphasen-Assistent entwickelt. Dieser signalisiert dem Autofahrer frühzeitig, ob er an der nächsten Ampel auf „Rot“ oder „Grün“ treffen wird. „Der Verkehrsteilnehmer kann damit sein Fahrverhalten so anpassen, dass unnötige Brems- und Beschleunigungsvorgänge vermieden werden: Umweltschädliche Emissionen wie Schadstoffe und Lärm werden dadurch reduziert“, sagt Professor Robert Hoyer.

Mit den notwendigen Daten versorgt wurde der Ampelphasen-Assistent durch das neu aufgebaute Verkehrsmanagement-System der Stadt Kassel. „Wir haben im Kasseler Straßennetz ein Testfeld aus 27 Ampeln eingerichtet. Die hochdynamischen Schalt-Daten dieser Ampeln wurden in einer eigenen Projektdatenbank bei der Stadt in Echtzeit gesammelt und für eine Prognose der Schaltzeiten aufbereitet“, erklärt Dr. Thorsten Miltner, Projektbeauftragter im städtischen Straßenverkehrsamt. Den notwendigen Algorithmus dafür haben wiederum die Forscher der Kasseler Universität entwickelt. Der Datenaustausch erfolgt über den Mobilfunk, ein Prototyp einer Smartphone-App wurde an der Universität Kassel bereits getestet.
 

Fußgänger überqueren Ampel in Kassel; © Stadt Kassel

Digitale Anzeigetafeln im Stadtgebiet

"Die Forschungsergebnisse helfen uns zusätzlich, die Steuerungsverfahren an den Ampeln zu optimieren", erläutert Bernd Noll, Sachgebietsleiter der Verkehrssteuerung bei der Stadt Kassel. So könnten beispielsweise künftig die Ampelphasen für den ÖPNV und den Individualverkehr noch besser aufeinander abgestimmt werden. Vorgesehen ist auch, im Kasseler Stadtgebiet mehrere variable Anzeigentafeln an den Hauptzufahrtsstraßen aufzustellen. Bislang gibt es davon zwei: an der Abfahrt Auestadion der A 49 und an der Dresdener Straße. Die Tafeln greifen auf die Daten zurück, die Dank des UR:BAN-Projekts zur Verfügung stehen. Auf den Tafeln wird derzeit die Zahl der freien Parkplätze in den Innenstadt-Parkhäusern angezeigt. Denkbar ist auch, andere Informationen zum Verkehrsfluss in der Stadt anzuzeigen.

"Durch die Teilnahme am Forschungsprojekt UR:BAN hat die Stadt Kassel jetzt das Wissen, die Technik, die Daten und zum Teil die Infrastruktur für die Verkehrssteuerung der Zukunft", sagte Verkehrsdezernent Nolda. Dies mache Kassel auch als Forschungsstandort für Automobilhersteller und -zulieferer oder Forschungsprogramme der Europäischen Union interessant. Denn Kassel sei neben Düsseldorf die einzige Stadt in Deutschland, in der Forschung für Praxisanwendung in diesem Bereich erfolgen könne, da die entsprechende Datenbasis vorhanden ist.

Hintergrund UR:BAN

31 Partner aus Automobil- und Zulieferindustrie, Elektronik-, Kommunikations- und Softwarefirmen, Universitäten (darunter die Uni Kassel), Forschungsinstitute sowie die Städte Düsseldorf und Kassel haben sich vor vier Jahren im Verbundprojekt UR:BAN zusammengeschlossen, um bis Anfang 2016 neue Fahrerassistenz- und Verkehrsmanagementsysteme für die Stadt zu entwickeln. UR:BAN steht für "Urbaner Raum: Benutzergerechte Assistenzsysteme und Netzmanagement".

UR:BAN leistet nicht nur einen erheblichen Beitrag zur Erhöhung der Sicherheit im städtischen Verkehr - durch den Ausbau von intelligenter Infrastruktur und deren Vernetzung mit intelligenten Fahrzeugen kann zudem die Verkehrseffizienz bei gleichzeitiger Senkung des Emissionsausstoßes optimiert werden. Das Gesamtbudget für die Forschungskooperation beträgt 80 Millionen Euro. Rund 50 Prozent davon trägt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) im Rahmen des 3. Verkehrsforschungsprogramms der Bundesregierung.

Beteiligt sind Adam Opel AG, AUDI AG, BMW AG, Robert Bosch GmbH, Bundesanstalt für Straßenwesen, Continental Automotive GmbH, Continental Safety Engineering International GmbH, Continental Teves AG & Co. oHG, Daimler AG, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V., Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO, GEVAS Software GmbH, Heusch/ Boesefeldt GmbH, Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes, ifak Magdeburg e.V., MAN Truck & Bus AG, PTV Group, Institut für Kraftfahrzeuge der RWTH Aachen, Landeshauptstadt Düsseldorf, Stadt Kassel, TU Braunschweig, TU Chemnitz, TU München, TomTom Development Germany GmbH, TRANSVER GmbH, Universität der Bundeswehr München, die Universitäten Duisburg-Essen, Kassel und Würzburg und die Volkswagen AG. Als Unterauftragnehmer arbeiten zudem zahlreiche Universitäts- und Forschungsinstitute sowie kleinere und mittelständische Unternehmen in den Projekten mit.

Veröffentlicht am:   14. 10. 2015  

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