Kreuzung Altmarkt in Kassel für Fußgänger jetzt barrierefrei

Erstmals seit 60 Jahren können Fußgänger den Altmarkt in Kassel direkt im Kreuzungsbereich überirdisch überqueren. Möglich machen das drei neue Überwege über die Weserstraße, die Kurt-Schumacher-Straße und die Brüderstraße, die im Zuge der Modernisierung der Altmarkt-Kreuzung gebaut wurden. „Damit haben wir eines der großen Ziele, die Barrierefreiheit für mobilitäts-eingeschränkte Menschen erreicht“, erklärt Kassels Stadtbaurat Christof Nolda.

Im Folgenden sind einige Informationen und Hintergründinformationen aus der Bauphase dokumentiert.

Zustand VOR den Umbauarbeiten

Ist-Zustand; © Stadt Kassel So sah die Kreuzung vor den Umbauarbeiten aus: Oftmals stehendes Wasser am Fahrbahnrand...

Ist-Zustand; © Stadt Kassel ...und dunkle, ungemütliche und nicht barrierefreie Unterführungen.

Warum wird der Altmarkt umgebaut? 

In bestimmten Abständen müssen Kreuzungen erneuert werden. Die 1957 fertiggestellte Altmarktkreuzung ist jetzt in die Jahre gekommen und bedarf dringend einer grundhaften Instandsetzung. Alle technischen Anlagen, einschließlich der Kanalrohre und der alten Leitungen werden erneuert. Die ebenfalls in die Jahre gekommenen Unterführungen werden durch oberirdische Querungshilfen für Fußgänger ersetzt. Das wird rund 3,1 Millionen Euro kosten, mit den Maßnahmen der Versorgungsträger zum Beispiel die Städtischen Werke, beläuft sich die Sanierungssumme auf rund 4,2 Millionen Euro. 

Was wird anders sein, wenn der Altmarkt fertig ist?

Mit der notwendigen technischen Erneuerung der Altmarktkreuzung ist es erforderlich, auch die Verkehrssituation dort insgesamt zu verbessern. Immer dann, wenn gebaut wird, muss sich die Planung auch den veränderten Rahmenbedingungen anpassen. Es sind fast 60 Jahre vergangen, seit die Altmarktkreuzung gebaut wurde und als modernste Kreuzung Deutschlands galt. Seitdem hat sich viel verändert. Das bezieht sich sowohl auf die gestiegenen Anforderungen des Verkehrs jeder Art - mit dem Auto (Individualverkehr), mit dem Fahrrad, zu Fuß und mit dem öffentlichen Nahverkehr, die täglich die Kreuzung nutzen, als auch auf die gesetzlichen Rahmenbedingungen. War der Altmarkt zum Beispiel in den 50-er Jahren noch für rund 30.000 Fahrzeuge ausgelegt, die täglich über die Kreuzung rollten, so fahren heute nahezu 70.000 darüber. 

Ferner sieht das Bundesgleichstellungsgesetz (BGleiG) vor, dass Umbaumaßnahmen im Ergebnis barrierefrei sein müssen. Das bedeutet, dass die Erfordernisse aller Verkehrsteilnehmer zu berücksichtigen sind. Im Zuge der rund siebenjährigen Vorbereitung und Diskussion zum Altmarktumbau hat es daher viele Überlegungen und zahlreiche Variantenuntersuchungen gegeben. Dabei stand im Mittelpunkt, dass die Leistungsfähigkeit der Kreuzung für alle Verkehrsteilnehmer insgesamt verbessert wird. 

Hängt die Leistungsfähigkeit mit der Bewilligung von Fördermitteln zusammen? 

Die Leistungsfähigkeit ist in Zusammenhang mit der Bewilligung von Fördermitteln eine wesentliche Voraussetzung. Denn nur, wenn nachgewiesen wird, dass die Kreuzung diese Anforderung erfüllt, werden Fördermittel des Landes, des Bundes oder anderer Dritter auf Antrag zur Verfügung gestellt. In diesem Fall gewährt das Land Hessen für die zuwendungsfähigen Kosten 80 Prozent Zuschuss. Dazu liegt der Stadt Kassel ein vorläufiger Förderbescheid vor. Das Land trägt damit also sowohl den Umbau an sich als auch das verkehrliche Konzept mit.

Symbolbild Altmarkt-Umbau; ; © Stadt Kassel; Foto: Eull

Welche Maßnahmen sind im Einzelnen vorgesehen?

Im Zuge der Gesamtmaßnahme werden u. a. Ver- und Entsorgungsleitungen erneuert, alle Fahrbahn- und Gehwegschäden beseitigt, sichere Radverkehrsführungen und -furten angelegt, barrierefreie Überwege für sehbehinderte und auf Rollstuhl/Rollator angewiesene Verkehrsteilnehmer hergestellt, die Tunnel geschlossen - verbunden mit der Verbesserung der sozialen Kontrolle. 

Wie wird sich der barrierefreie Umbau auf den Individualverkehr auswirken? 

Vor dem Umbau betrug die mittlere Wartezeit an den Ampeln für den Individualverkehr an einem Nachmittag, das heißt zu einer Verkehrsspitzenzeit, 78 Sekunden. Nach dem Umbau wird diese durchschnittliche Wartezeit 79 Sekunden dauern, das heißt nur eine Sekunde mehr.

 

Wie lange dauert eine so große Baumaßnahme? 

Weil es eine grundhafte Instandsetzung aller technischen Einrichtungen und der gesamten Infrastruktur ist, wird der Umbau der Altmarktkreuzung rund 1 ½ Jahre dauern. In dieser Zeit werden alle Verkehrsteilnehmer mit Behinderungen und längeren Wartezeiten, durchaus auch Staus, rechnen müssen. Aber: Die Baustellensituation ist eine unvermeidbare Phase, die mit dem Endzustand, wenn die Kreuzung wieder normal funktioniert, nicht zu verwechseln ist!  

Warum werden die Unterführungen nicht mit Aufzügen ausgestattet, um sie barrierefrei zu machen? 

Man hätte für die Kreuzung insgesamt vier Aufzüge benötigt plus einen Aufzug für die KVG-Haltestelle und zusätzliche Treppenanlagen. Zum einen ist die räumliche Situation durch die Randbebauung der Kreuzung dafür nicht geeignet. Barrierefreie Treppen- und Rampenanlagen mit einer gesetzlich vorgeschriebenen Steigung von sechs Prozent sind auf der Altmarktkreuzung auf Grund des dafür benötigten Platzes, der am Altmarkt wegen der Randbebauung nicht zur Verfügung steht, nicht zu realisieren. 

Welche Mehrkosten würden Aufzüge verursachen?

Aufzüge würden zu einer enormen Kostensteigerung führen, denn für einen Aufzug werden rund 200.000 bis 300.000 Euro veranschlagt, was bei fünf Aufzügen etwa 1,5 Millionen Euro ausmacht, von den entstehenden Kosten für Betrieb, Unterhaltung und Vandalismusbeseitigung ganz abgesehen. Zusätzlich hätten dann auch noch Treppenanlagen gebaut werden müssen, was z. B. auf der Straßenbahnhaltestelle platzmäßig gar nicht umsetzbar wäre. Aber auch hinsichtlich der Situation in den Unterführungen zu Zeiten, wenn dort nicht viel Betrieb ist, werden Fußgängerüberwege als sicherer und komfortabler für Fußgängerinnen und Fußgänger angesehen.  

Auch ein weiterer Aspekt ist zu berücksichtigen: Wenn ein Aufzug ausfallen würde, was bei technischen Einrichtungen vorkommen kann, stünde ohne oberirdischen Überweg keine Alternative zur Verfügung. Die Passanten müssten ohne Verkehrsregelung die dann für sie gefährliche vielbefahrene Kreuzung überqueren.

Wie kommen zukünftig Radfahrer über die Kreuzung? 

Über die Altmarktkreuzung gibt es in der vorhandenen Situation keine gesicherte Radverkehrsführung, der Radler muss auf der Fahrbahn die vielbefahrene Kreuzung queren oder teilweise längere Umwege in Kauf nehmen. Mit dem Umbau entstehen Radwege, die auf die Kreuzung führen und auf denen die Radler zukünftig verkehrssicher über die Spuren geführt werden.  

Erneuerung Pflaster Kurt-Schumacher-Straße

Im Zuge der Umbaumaßnahme wird auch das vorhandene Natursteinpflaster in der Kurt-Schumacher-Straße gegen einen Asphaltbelag ausgetauscht. Diese Maßnahme verringert die Schallübertragung beim Überfahren und leistet somit einen Beitrag zum Lärmaktionsplan der Stadt Kassel.

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Telefon: 115 (ohne Vorwahl)
E-Mail: strasse-tiefbau@kassel.de
Veröffentlicht am:   28. 09. 2015  
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